Ridin – The Whiskey Foundation in der Muffathalle (Bericht)

Es ist Freitagabend, der 12.01.2018, auf dem Muffatgelände in München-Haidhausen. Langsam strömen die Menschen über den Hof, auf dem es einigen noch gelingt, Karten an der Abendkasse zu ergattern, zur Garderobe und schließlich mit Getränken versorgt und voller Erwartungen in die Muffathalle. The Whiskey Foundation laden zu ihrem Release-Konzert des neuen Albums „Blues And Bliss“ ein – und die Leute folgen ihrem Ruf. Das Konzert ist letztlich ausverkauft! Die Location fasst ca. 1200 Menschen; dies zeigt den Stellenwert, den die Band sich mittlerweile in ihrer Heimatstadt erspielt hat. Mit im Gepäck sind Organ Explosion (München) und Matthew Matilda (Manchester/München), die das musikalische Abenteuer eröffnen.

Es ist 20:30 Uhr: Matthew Austin (Gitarre/Gesang), Matilda Pfeiffer (Cello/Bass) und Johannes Rothmoser (Drums) betreten die Bühne. Die Band Matthew Matilda spielt ein schweres, in den Blues getauchtes Intro für ihren ersten Song „Burning Leaves“. Der Saal verstummt und man hat den Eindruck, die Band hat ihr Publikum mit den ersten Tönen erreicht. Das Cello von Matilda treibt einen flächendeckenden, tiefen Klangteppich unter die Akkorde. Dieser, die schweren Beats und der leidenschaftliche Gesang von Matthew ergeben einen interessanten Stilmix aus Folk, Desert- und Blues-Rock. In der Mitte des Sets greift die Münchnerin zum Bass und der Sound des Trios wird etwas rauer, nicht zuletzt, weil der Frontmann des Öfteren das Fuzz-Pedal einschaltet und einige Soli zum Besten gibt.  Nach 30 Minuten beendet das Trio mit „Sub Prime“ ihr Set . Matthew Matilda hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Von dieser Band wird man noch einiges hören!

Setlist: Burning Leaves / In The Darkest Hour / Walking Dead / Common Ground / Soul / Sea Lion / Dreams / Sub Prime

Um 21:10 Uhr ist die Combo Organ Explosion dran. Hanis (Orgel), Manfred (Drums) und Ludwig (Bass) machen schnell klar, dass sie alle ihr Instrument herausragend beherrschen und man hört, dass sie studierte Musiker sind. Anfangs muss ich an „The Whitest Boy Alive“ denken, verwerfe diesen Gedanken aber wieder, da die Grooves abgefahrener, jazziger und noch spaciger sind und die Songs außerdem bestens ohne Gesang auskommen. Das Publikum bewegt sich, einige ausladender, andere wippen mit dem Kopf und bestaunen das Können und die Musikalität der Band. Zum letzten Song kommen Matthew Matilda erneut auf die Bühne. Gemeinsam wird der Song „Manfredo Secundo“ performt und der Auftritt mit hörbarer Freude und grandiosem Zusammenspiel der Musiker abgeschlossen.

© Jonas Immer

Pünktlich um 22:00 Uhr geht das Licht aus, ein Wild West-Intro ertönt aus den Boxen und The Whiskey Foundation betreten die Bühne. Das Publikum feuert die Band schon beim Einlaufen an. Die Blues-Rocker aus der bayerischen Landeshauptstadt schlagen die ersten Akkorde an und eröffnen mit „Waterman“ kraftvoll ihr Set. Der Funke zu ihren Fans ist längst übergesprungen. Der charismatische Frontmann Murat Kaydirma begrüßt das Publikum und freut sich sichtlich über die ausverkaufte Release Party. Weiter geht’s im Programm: Mit rollendem Blues „Ridin“ und dem ersten Song des neuen Albums, „Funk the Boogie“, wird die Stimmung weiter angeheizt, bevor mit der Ballade „Unspoken Dreams“, ebenfalls auf „Blues and Bliss“ zu hören, ein anderes Gesicht der Band zum Vorschein kommt. Leider nutzen immer einige Zuschauer die ruhigen Parts zum Reden, was manchmal das Zuhören für andere erschwert…

Geschickt nutzt die Band jede Temposteigerung, um die Halle zum Kochen zu bringen. Zwischen schleppendem Blues und schnellerem Rock’n’Roll erreicht das Set mit „Do You Like Huggin“ seinen vorläufigen Höhepunkt. Hier ist auch erstmals Sascha am Saxophon zu sehen und zu hören. Weitere Special Guests waren mit der Localgröße Dr. Will beim Cover von Howling Wolfs „Killing Floor“ und Ludwig an der Tuba bei „Drunken Monkey“ am Start. Langsam geht es in Richtung Finale und mit „Soul Man“ wird die Meute nochmal richtig zum Tanzen gebracht. Laute Sprechchöre erlauben den Musikern aber noch lange nicht in den Feierabend zu gehen. Bei den Zugaben geben die Münchner nochmal alles und man hat das Gefühl, „The Doors“ sind zurück! Experimentelle, sphärische lange Parts lassen Raum für jedes Instrument, um sich auszutoben und musikalisch wird das Publikum geradewegs weggebeamt. Es ist 00:00 Uhr, die Künstler verlassen die Bühne, das Licht geht an und die Menschen gehen ausgepowert und sichtlich zufrieden in Richtung Ausgang.

Setlist: Waterman / Ridin / Funk The Boogie / Do You Need My Love / Unspoken Dreams / Complaints / Do You Like Huggin / Liars / Chimes At Midnight / Killing Floor / Secrets / Smoking / Juice N Jam / Drunken Monkeys / Free My Mind / Soul ManZugabe: Try To Handle / Man Of The Mood

Nach insgesamt drei Stunden anspruchsvoller und richtig guter Livemusik kann man jetzt noch zur Aftershowparty bleiben und natürlich das neue Album von The Whiskey Foundation oder andere Merchandise-Artikel der Bands kaufen – oder noch etwas geflasht und voller musikalischer Eindrücke nach Hause gehen.