Das Kollektiv – ASP im Backstage Werk (Bericht)

Der Gothicrock-Meister hat gerufen und die Anhänger kommen in Scharen: Am 08. November 2017 war es wieder soweit, ASP beehrte gemeinsam mit seiner Band das Backstage Werk in München. Anlass war das frisch erschienene Album „zutiefst“, welches als dritter Teil den „Fremder“-Zyklus schloss und ebenso Anlass für die Herren um Mastermind Alexander Spreng war, einmal einen Gang zurückzuschalten und nach der Tour eine Schaffens- und Bühnenpause einzulegen. Da man selbstredend nicht sang- und klanglos vorerst verschwindet, gibt es eine große Tournee zum neuen Album, bei der man Gothminister als Support einlud, dem schwarzgewandeten Publikum einzuheizen.

Ziemlich pünktlich um 20 Uhr nahmen das die Herrschaften von Gothminister auch sehr ernst und begannen ihre Show mit „Ich will alles“ aus dem neu erschienenem Album „The Other Side“. Die folgende Performance sollte sich als 40-minütiges Konzerterlebnis ohne Atempause herausstellen, denn die Norweger haben sich entschieden, dass man die Zeit nicht mit Ansagen verschwenden wolle, sondern lieber pausenlos ein Sammelsurium ihrer Songs darbot. Satte 11 Lieder passten dabei in die streng bemessene Zeit, gelegentlich ein „Dankeschön, thank you“ zwischen den Samples. Musikalisch wurde es ordentlich druckvoll, auch der Sound war dem Alternative Metal mit gutem Dark-Touch sehr wohlgesonnen, sodass, vor allem auch in Hinblick der kleinen Bühnengimmicks wie ein Kampf mit einem Zombie und einer Mini-Werwolf-Puppe, ein absolut überzeugender Support-Gig abgeliefert wurde, der die Menge tatsächlich ordentlich auf das Kommende anstimmte.

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Kurz nach 21 Uhr war es nämlich Zeit für ASP. Frontmann Spreng kam anfangs allein mit Mantel und Lampe auf die Bühne, um ein Gedicht vorzutragen – die aufmerksame Fanschar wusste bereits, dass dies der Anfang des Songs „Mondscheinsirenade“ auf dem aktuellem Album ist, welche auch mit dem musikalischem Part folgen sollte. Das übliche Outfit wurde sich schnell übergestülpt und dementsprechend auch ein Klassiker folgend, „Duett (Das Minnelied der Incubi)“. Das Publikum – wenig überraschend in fast komplett schwarz gekleidet – begrüßt die Musiker lautstark und jubelt auch fleißig zwischen den Songs, manchmal auch zwischendrin, bleibt aber recht reserviert und wagt nur in den Mitsing-Parts, mit voller Inbrunst die Töne zu trällern.

Zwar gab es einige Lichtinstallationen, die oft verschieden blinkten, insgesamt hat man sich aber wohl dazu entschlossen, auf jegliche Show-Elemente zu verzichten und stattdessen vollkommen auf Musik und Performance zu setzen, wie Spreng es auch mehrfach sagt, immerhin seien die Leute ja „wegen der Musik“ hier. Dahingehend erwartete einem eine umfangreiche Setlist mit tatsächlich überraschend vielen Songs aus „zutiefst“. Diese, so zumindest im Vergleich, fielen aber ziemlich ab, was weniger an der Qualität der Songs liegen mag, sondern eher an der Live-Tauglichkeit. Einzig das mitreißende „Torpedos“ und das unbeschreiblich starke „SonaARta“, welches das gesamte Stimmspektrum eindrucksvoll zur Schau stellte, konnten wirklich begeistern, ansonsten lag diese Aufgabe eher an den Klassikern, was zwar etwas bedauerlich, aber letztendlich ein ewiger Kreislauf ist – die bekannten Songs werden am meisten gefeiert.

ASP, und damit vor allem einhergehend die Musik, sind fraglos einzigartig – und das wissen die etlichen Konzertbesucher, die das Backstage Werk sehr angenehm füllten. Sie warteten Monate auf dieses Konzert, haben die Alben abertausende Male auf und ab gehört und auf diesen Abend hingefiebert, so als wäre es der Abend, für den es sich zu leben lohnt – ein Fan von ASP kann selbstverständlich auch Fan anderer Bands sein, ist aber unweigerlich mit der Musik und der Band verbunden – „eine magische Verbindung“, wie es so schön im Wortschatz des Fronters heißt. Deshalb saugen sie jedes Lied, jede Minute, jede Sekunde, letztendlich jeden Augenblick in sich auf, um ihn für immer dort zu behalten; um die Zeit zu überstehen, bis die Pause vorbei. Und dabei liegt ein wenig das große Problem. Man muss einer dieser Fans sein, um 140 Minuten ohne Unterbrechung diese Melodien, einfach dieses Konzert, zu lieben. Unweigerlich stellte sich nämlich nach etwa der Hälfte der Setlist das Gefühl ein, eben jene Melodie vorhin doch schon gehört zu haben. Zu eintönig kommen die Lieder rüber, sodass gegen Ende hin sich der Abend zieht. Diese Meinung ist, zugegebenermaßen, absolut subjektiv, denn wahre Fans der Band würden vehement widersprechen – und das ist ihr gutes Recht. Es geht um die Auffassung der Texte, die Auffassung der Instrumentalspuren, und diese könnte hierbei wahrscheinlich nicht diversiver sein.

Interessanterweise hat die Liederauswahl keinen rechten Fokus – maximal zwei Lieder aus einem Album lässt Spreng zu (mit Ausnahme des neuesten Werkes), sodass ein schöner Querschnitt entsteht, bei dem wirklich jeder Fan jeder Phase mindestens eine kurze Zeit seine Hochphase haben dürfte. Als erste Zugabe wurde beispielsweise „Und wir tanzten (Ungeschickte Liebesbriefe)“ gespielt, ein Stück aus dem allerersten Werk im Jahr 2000, weiterhin in der Setlist. Nach über zwei Stunden verlassen die Musiker die Bühne, überraschenderweise mit „I’m A Rock“, einem Bonus-Track des neuen Albums, und nicht wie zu erwarten mit „Fortsetzung folgt“, welches direkt davor gespielt wurde.

Setlist: Mondscheinsirenade / Duett (Das Minnelied der Incubi) / 20.000 Meilen / Eisige Wirklichkeit / Werben / Weichen[t]stellung / SonaARta / Astoria verfallen / Die Kreatur mit der stählernen Maske / Wechselbalg / Torpedos / Das Kollektiv / Schwarzes Blut / BernsteinmeerengeL / Die Untiefen / Krabat / zutiefst…Zugabe: Und wir tanzten (Ungeschickte Liebesbriefe) / Ich will brennen / Fortsetzung folgt / I’m A Rock

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Fazit: Dieser Konzertabend hat gezeigt: die Fans gehorchen der Stimme des Meisters! Gothminister haben in einer pausenlosen Power-Show ordentlich vorgelegt, was ASP in einer ordentlichen Spielzeit von über zwei Stunden für die anwesenden Besucher noch einmal getoppt haben dürfte. Ist man allerdings kein „Die-Hard“-Fan der Gruppe, hatte das Konzert doch ordentlich an Abwechslung eingebüßt. Es ist und bleibt ein Phänomen – neidlos muss man aber anerkennen, dass die Stimme von Alexander Spreng nicht nur vielfältig, sondern schlichtweg einfach stark ist. Die Pause hat sich das Arbeitstier nun mehr als redlich verdient.

Beitrag: Ludwig Stadler
Fotos: Ronja Bierbaum