Everchanging – Rise Against im Zenith (Bericht)

Sie sind seit unzähligen Jahren auf den größten Festivals bei den Headliner-Slots unterwegs und halten sich, trotz ihres schon rund 15 Jahre zurückliegenden Durchbruchs, sehr konsequent auf dieser Position: Rise Against. Die Punkrocker aus Chicago bleiben sich aber auch treu, veröffentlichen im steten Rhythmus nicht nur neues, sondern auch gelungenes Material im besten Punkrock-Stil. Erst vergangenes Jahr erblickte ihr neuestes Werk „Nowhere Generation“ das Licht der Welt, dass die Musiker sogleich für die erste EU-Tour seit fünf Jahren zum Anlass nehmen. Damit kommen sie am 15. November 2022fast datumsgleich fünf Jahre seit dem letzten Besuch – ins Zenith. Wenig überraschend: ausverkauft.

ZSK 2019

Schon um 19:30 Uhr dürfen ZSK den Abend eröffnen – und durchaus sind die Deutschpunkrocker so früh im Billing eine Überraschung, denn abgesehen von der Liedtextsprache wären sie sowohl musikalisch als auch von der Größenordnung in der deutschen Musikszene wohl als Hauptsupport sinnvoller aufgehoben gewesen. Die Berliner Jungs lassen sich aber von nichts aufhalten und bieten vor schon äußerst gut gefüllter Halle eine energetische, mitreißende Performance dar. Der Sound ist ihnen auch ziemlich Hold und das Publikum, explizit der erste Wellenbrecher, weiß die schnellen, treibenden Rhythmen zu schätzen. Das weckt Interesse an mehr – und das gibt’s am 18. Februar im Backtage Werk, gemeinsam mit Special Guest Zebrahead!

Mittlerweile ist das Zenith rappelvoll, doch bis es weitergeht, zieht es sich, ganze 30 Minuten Umbau lassen sich The Story So Far Zeit, bevor sie auf die Bühne schreiten, sich an ihre Instrumente begeben und dann: stehenbleiben. Den gesamten Auftritt stehenbleiben. Auch wenn das spielerisch alles tight ist und die Songs, wenngleich belanglos, durchaus wohlwollend klingen, ist jeglicher Drive aus der Performance rausgenommen, Frontmann Parker Cannon bewegt sich keinen Millimeter von seinem Mikrofon weg, nur, als er seinen Pulli auszieht. Ansonsten knüppeln die Musiker relativ ansagenlos ihre elf Lieder durch und gehen ziemlich wortlos wieder von der Bühne. Irritierend, vor allem nach dem mitreißenden ZSK-Opening.

© Nedda Asfari

Rise Against haben also prinzipiell leichtes Spiel, denn die Menge ist hungrig und willig auf treibende Drums und schnelle Gitarren. Mit ihrer Opener-Wahl „Re-Education (Through Labor)“ haben sie in jedem Fall den richtigen Nerv getroffen, denn lautes Mitgesinge und erste Moshpits eröffnen sich da um 21:45 Uhr. Der Sound, im Gegensatz zu 2017, präsentiert ab dem ersten Ton wirklich solide und die Instrumentalfront klingt kräftig. Selbst ihre Setlist, die sie besonders in dieser Tour extrem stark routieren lassen, trifft genau die Songs, auf die die Münchner Lust zu haben scheinen; laute Chöre bei „Prayer Of The Refugee“, „Help Is On The Way“ und „Hero Of War“ sprechen für sich. Ist also ein Wunder geschehen und man wohnt tatsächlich einem astreinen Rise Against-Konzert bei?

Es ist kein Geheimnis, dass die Amerikaner vor allem durch ihre Musik und nicht unbedingt durch ihre Live-Stärken bekannt geworden sind – Sänger Tim McIlrath singt selten Töne aus und scheint schnell außer Atem zu geraten, die Band selbst spielt gern mal aneinander vorbei und nicht immer im Takt. Davon gibt es auch in München wieder Momente – besonders, wenn das Schlagzeug noch nicht dabei ist, z.B. „Satellite“, scheinen die restlichen Musiker wild zwischen unzähligen BPMs und Geschwindigkeiten zu wechseln; auch beim zweiten Song „Architects“ klingt es zeitweise so, dass man zwei unterschiedliche Songs zeitgleich laufen lässt. Und dennoch ist es, wohl auch wegen der passenden äußeren Faktoren, eine richtig runde Sache und für nicht wenige Besucher*innen genau dieser Nostalgie-Punkrock-Abend, auf den sie schon so lange gewartet haben. Eine spaßige Punkrock-Show mit immer wieder überraschend vielen Hits!

Setlist: Re-Education (Through Labor) / Architects / The Violence / Monarch / Help Is On The Way / Tragedy + Time / Satellite / The Dirt Whispered / Heaven Knows / Prayer Of The Refugee / Swing Life Away / Hero Of War / Everchanging / Nowhere GenerationZugaben: Make It Stop (September’s Children) / Paper Wings / Savior

Bericht: Ludwig Stadler