Hassta la vista – Michael Buchinger im Deutschen Museum

Es gibt diese Personen, die einen unweigerlich über all die Jahre begleiten, ohne dass man es so richtig mitbekommt. Wenn plötzlich ein Fashion-Review oder die neueste Hass-Liste von Michael Buchinger in den YouTube-Vorschlägen landen, ist das sicher so ein Fall. Und so ist der österreichische Comedian einer dieser Personen, die zwar jeder irgendwie kennt, aber keiner wirklich näher. Dabei lohnt es sich sehr, auch all die anderen Projekte anzusehen: von Podcasts zu Büchern bis zum mittlerweile dritten Kabarett-Programm ist alles dabei. Vor allem letzteres bietet eine wunderbare Möglichkeit, den scharfzüngigen Schwarzhumoriker in der jeweiligen Heimatstadt zu erleben. Die Münchner hatten am 24. September 2021 im Innenhof des Deutschen Museum das Vergnügen.

© Dominik Pichler

Kalt und herbstlich wird es langsam, aber für Michael Buchinger entscheidet sich das Wetter wohl, eine Ausnahme zu machen – es bleibt trocken und mit Jacke auch wirklich angenehm. Den Preis für das beste Outfit bekommt aber definitiv Buchinger selbst – um 19:30 Uhr entert er die Bühne in einem weiß-mauve-karierten Anzug, der zwangsläufig alle Blicke anzieht, auch wenn er die sowieso als Mensch auf der Bühne und Grund für das Zahlen des Eintrittspreises hat. Mit ein paar Blättern als Merkhilfe für neue Nummern versucht er sich an einem Mix aus dem letzten Programm „Lange Beine, kurze Lügen“ und dem kommenden Streich „Ein bisschen Hass muss sein“. So gibt es Anekdoten aus der Urlaubszeit genauso vor kurzem geführte Interviews mit Gen-Z-Sternchen.

Der größte Teil ist wohl Beziehungs- und Sex-Talk, da gibt es einfach immer wieder viel zu erzählen. Seit acht Jahren ist Buchinger in einer festen Beziehung, mittlerweile auch zusammengezogen. Die Dating-Storys von vor vielen Jahren werden trotzdem ausgegraben und vom Münchner Publikum beklatschend erfolgreich vorgetragen. Allgemein ist der Redefluss des Kabarettisten ungebrochen, teilweise wirkt es wie ein 90-Minuten-YouTube-Video, einzig von einer Pause unterbrochen. Der Text und die Nummer sind zwar reichlich wenig spontan und weder auf das Publikum noch die dauerbimmelnde Uhr wird in irgendeiner Weise reagiert, aber das macht auch nichts, denn selbst ein durchgetaktetes Programm kann entzücken, wenn es zündet – und das tut es in vollem Maße. Natürlich geht der Humor des Öfteren unter die Gürtellinie, natürlich ist man manchmal auch eher angewidert als belustigt, aber letztendlich ist genau diese explosive Mischung das Rezept für den gelungenen, hasserfüllten Abend. Ein sympathischer Auftritt mit dem verinnerlichten Motto: ein bisschen Hass muss sein.

Bericht: Ludwig Stadler