A Touch Of Evil – Judas Priest im Zenith (Bericht)

Es ist brennend heiß und schwül auf dem Weg ins Zenith. Auf dem Plan steht eine Band, die nicht gerade dafür bekannt ist, dass sich an der Temperatur auch nur irgendwas ändern könnte, im Gegenteil, erst 2018 waren sie mit „Firepower“ und noch heißerem Wetter in der Stadt: Judas Priest. Die Metal-Heroen ziehen nun seit mittlerweile 53 Jahren durch die Kontinente und verbreiten ihren klassischen Heavy Metal, der mal etwas härter, mal etwas bluesiger, aber immer mitreißend ausfällt. Die Jubiläumstour „50 Heavy Metal Years of Music“ hat sich nach zweimaligen Verschiebungen zwar thematisch eigentlich erledigt, da mittlerweile noch mehr Bandjahre ins Land zogen, aber das Best-Of-Programm ist geblieben, dass sie am 27. Juni 2022 im Zenith zum Besten geben.

© The Dead Daisies

Den Startschuss machen aber um 19:55 Uhr erst einmal The Dead Daisies. Die noch gar nicht sonderlich alte Rock-Band hat als Supergroup angefangen und besteht aus allerlei etablierten und gestandenen Musikern. Besonders hervorstechend natürlich Glenn Hughes, der ehemalige Frontmann von Deep Purple und kurzzeitig Black Sabbath, der auch 2022 noch bestens bei Stimme ist und mit siebzig Jahren mehr überzeugt als jüngere Sänger des gleichen Genres. Zwar sind die eigenen Songs der Dead Daisies nicht verkehrt und wissen zu gefallen, vor allem der neueste Streich „Radiance“, besonders spannend wird es aber, wenn alte Purple-Songs angestimmt werden, wie „Mistreated“ oder als Abschluss des Sets „Burn“. Auch im Vergleich mit der Version von Whitesnake und ebenso Ex-Purple-Frontmann David Coverdale vor rund einer Woche die deutlich stärkere Variante. Ein astreines Vorprogramm, das nach rund 45 Minuten ein gelungenes Ende findet.

Setlist: Long Way To Go / Unspoken / Rise Up / Bustle And Flow / Mistreated (Deep Purple cover) / Radiance / Leave Me Alone / Burn (Deep Purple cover)

Judas Priest, 2018

Doch die Menge im rappelvollen und trotz starker Lüftung brühwarmen Zenith wartet sehnsüchtig auf den Hauptact. Das Bühnenbild offenbart sich nach und nach im Umbau und entfaltet seine volle Wucht, als sich um 21:15 Uhr die Halle abdunkelt und das Logo von Judas Priest als riesige Stahl-Konstruktion von der Bühne in die Menge leuchtet. „One Shot At Glory“ begießt diesen epochalen Einstieg nur noch einmal und lässt das Publikum sofort die Devise dieses Konzerts manifestieren: laut, schnell und pausenlos. Insgesamt gibt es nur drei kleine Pausen: zwei kurze Ansagen von Sänger Rob Halford und die Pause vor den Zugaben – sonst wird ohne Unterbrechung in saftiger Geschwindigkeit die ausladende Songliste runtergerattert. Die besteht aus einem gelungenen Mix aus uralten, alten und neueren Brechern, mit deutlichem Fokus auf die härteren Werke – ganze vier Songs landen so beispielsweise aus „Painkiller“, dem vielleicht metallischsten Album der Band, auf der Setlist. Natürlich auch der Titeltrack, der traditionell das reguläre Set schließt und einen wahren Hexenkessel aus dem Zenith macht. Was für ein Song, was für eine Performance.

Judas Priest, 2018

Bereits 2018 war es beeindruckend, was Frontmann Rob Halford und Aushängeschild der Band gesanglich in dem Alter noch abliefert. Damals klang er teils besser als in seinen Anfangszeiten – nun, vier Jahre später und mit Erreichen von über 70 Jahren könnte man meinen, dass er in den Höhen doch langsam abbauen könnte. Doch Fehlanzeige: er klettert selbst noch die extremsten Töne nach oben und lässt das Publikum fasziniert zurück. Natürlich baut er sich hie und da ein paar Verschnaufpausen ein, aber lässt keine Höhe und keinen Wow-Moment aus. Das ist schon für einen blutjungen Sänger eine absolute Ausnahme – für „Metal God“ Halford, der seit knapp fünfzig Jahren auf der Bühne steht und immer noch pausenlos singt, eine schier unbeschreibliche Leistung. Er ist aber auch der Grund, wieso die Leute immer noch in Scharen zu den Konzerten strömen, eben weil immer noch diese Performance geliefert wird. Das gilt selbstverständlich auch für die teils deutlich jüngere Band um Richie Faulkner an der Gitarre oder Scott Travis an den Drums (auch seit 32 Jahren dabei). Am längsten ist Bassist Ian Hill in der Band – er trat nur kurz nach Gründung bei. Trotz einiger Wechsel also: eine langanhaltende und perfekt eingespielte Gruppe.

Der Auftritt selbst mag mit rund 95 Minuten zwar etwas kurz klingen, aber mit der Pausenlosigkeit als Konzept und beachtlichen 17 Songs – man bedenke die teils ewige Songlänge der Stücke – bleibt ein fantastisches Konzert, welches das fast ausverkaufte Zenith wohl genauso zufrieden zurücklässt wie die offensichtlich gut aufgelegte Band. Starke Musik, allerlei Schauwert (ein beachtliches Bühnenbild mit vielen Gadgets wie einem riesigen aufblasbaren Ochsen beim Abschluss „Living After Midnight“) und vor allem ein Streifzug durch über 50 Jahre Heavy Metal. Bis zum nächsten Mal!

Setlist: One Shot At Glory / Lightning Strike / You’ve Got Another Thing Comin‘ / Freewheel Burning / Turbo Lover / Hell Patrol / The Sentinel / A Touch Of Evil / Victim Of Changes / Blood Red Skies / The Green Manalishi (With The Two Prong Crown) (Fleetwod Mac cover) / Diamonds & Rust (Joan Baez cover) / PainkillerZugaben: Electric Eye / Hell Bent For Leather / Breaking The Law / Living After Midnight

Bericht: Ludwig Stadler