Metro, Mütter, München – Hazel Brugger beim Eulenspiegel Flying Circus

Auf den Tag fast genau ein Jahr ist es her, dass Hazel Brugger zuletzt in München aufgetreten, auch damals schon im Innenhof des Deutschen Museums, auch damals schon auf Abstand. Nun kommt die Wahl-Kölnerin zurück in die bayerische Landeshauptstadt zum Eulenspiegel Flying Circus für die erste deutsche Vorpremiere ihres neuesten Programms „Kennen Sie diese Frau?“ – dementsprechend improvisiert mit einem Haufen Notizen wird durch den Abend geleitet, inklusive des Austestens von allerlei Anekdoten und Witzen. Das Wetter an diesem Dienstag, 7. September 2021, spielt bestens mit.

Um 19:40 Uhr startet Hazel Brugger direkt und ohne Intro auf die Bühne und verliert nicht viel Zeit, um sogleich mit ihrem Erdachten zu starten. Natürlich ist sie aber keine reine Programm-Comedian, auch das Publikum wird zwangsläufig miteinbezogen – bei allerlei Fragen unterhält sie sich kurz mit Personen aus dem Publikum, auch die klassischen Dauer-Erwähnten aus Reihe 1 dürfen nicht fehlen, dieses Mal eine Mutter mit 15-jährigem Sohnemann, die beide ein Magnum als Snack dabei haben. Eine Steilvorlage für Brugger, um über die Frage nach dem richtigen Konsum so eines Eises zu diskutieren: erst die Schokolade oder mittendrin abgebissen? Aber schnell lenkt es sich in geregeltere Bahnen – ein Themen-Mischmasch über den Großhandel bis zu Vergleichen von Pferd und Esel unterhält das Münchner Publikum prächtig, wenngleich auch nicht euphorisch – der Szenen- und Pointenapplaus steigert sich zwar im Laufe des Bandes, ist aber vor allem noch zu Beginn recht verhalten.

Ein fast schon zu erwartendes Hauptthema: Baby. Vor rund einem halben Jahr wurde Brugger Mutter, gemeinsam mit (mittlerweile) Ehemann Thomas, der sonst als Warm-Up dabei gewesen ist, nun aber seiner Frau allein die Bühne überlässt. Anspielungen und Witze über die Zeit der Schwangerschaft, Geburtsvorbereitungskurse als auch allerlei über das Stillen kommen wahrlich nicht zu kurz und bringen die sitzende Menge auch sichtlich stärker zum Lachen als manch abstrakteres Thema. Von einem reinen Mami-Programm ist Hazel Brugger aber noch meilenweit entfernt – zum Glück, möchte man sagen. Politisch wird sie aber auch im neuen Solo-Programm nicht, diese Sparte bleibt bei der heute-show, einzig ein Seitenhieb gegen die FDP fließt ins Programm. Über die Wahl etwas sagen? „Die ist einfach langweilig“, heißt es in der Zugabe. Eine kleine Wahlempfehlung kommt doch noch hinterher: „Ich will nicht ‚Nicht Laschet‘ sagen, aber bei dem Gedanken, dass er herumfliegt und mit [Staats]Leuten spricht, schäme ich mich“. Da ist viel Wahres dran.

Passend zur Vorpremiere gibt es einen Applaus-Wettstreit – welches Thema klappt besser, welches schlechter. Kleine Frauen und Brot schneiden gut ab, Küche eher weniger. Die Zugabe gestaltet sich dann auch etwas anders – Brugger blättert die Notizen durch und liest ein paar mehr oder minder lustige Spruchideen vor, die dann wohl doch etwas zu ausführlich oder radikal für die Nummern waren. Das Münchner Publikum lacht und beklatscht die Schweizerin gebürtig. Ein insgesamt dann doch recht runde Sache, wenngleich die Programmideen doch etwas hinter dem Vorgänger „Tropical“ und damit auch den Erwartungen zurückbleibt.

Bericht: Ludwig Stadler