Pretty Shining People – George Ezra in der Olympiahalle (Bericht)

| 0

Dass die Temperaturen nach zweistelligen Gradzahlen im Plusbereich zum Wochenbeginn wieder in ein Minus gerutscht sind, dürfte die Laune von nicht gerade wenigen Personen senken. Wie gut, dass zumindest einige Tausend von diesen noch einen wunderbaren Abendvorsatz an diesem Montag, 27. Februar 2023, haben: George Ezra. Der glückliche Brite besucht die Olympiahalle München und hat, neben seinem neuesten Album „Gold Rush Kid“, niemand geringeren als Passenger als Support mit dabei. Und wenn die Musik von Ezra eines kann, dann definitiv aufheitern.

Passenger

Pünktlich um 20 Uhr betritt Passenger die Bühne und legt sogleich mit „Fairytales & Firesides“ los. Ohne Band, nur allein, ausgerüstet mit Akustik-Gitarre und seiner Stimme mit großem Wiedererkennungswert, bestreitet er die folgenden 40 Minuten und schafft es schon in seiner ersten Ansage, das Publikum mit seiner bestechend sympathischen Art um den Finger zu wickeln. Die gewisse Selbstironie und der Humor, dazu emotionale und manchmal ergreifende Lieder und Melodien – diese Rechnung geht auch bei James Blunt oder Lewis Capaldi auf. Für Passenger folgte vor über zehn Jahren mit „Let Her Go“ der große Durchbruch, welcher den Briten bis heute noch gut besuchte Konzerte spielen lässt. Dazu trägt natürlich auch seine konstant gute Leistung als Songwriter bei – der neue Song „Wild Love“ wird begeistert aufgenommen. Die Bekanntheit von Mike Rosenberg, wie der Liedermacher bürgerlich heißt, sorgt sicherlich auch für ein wirklich schönes Phänomen: Stille. Die Münchner hören ihm zu, wenn es ruhig wird, und singen mit, wenn die Lautstärke ansteigt. Was für ein wundervoller Auftritt!

Setlist: Fairytales & Firesides / The Sound Of Silence (Simon & Garfunkel cover) / Young As The Morning Old As The Sea / Wild Love / Let Her Go / Scare Away The Dark

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, der die melancholischen Lieder mit Humor in den Ansagen kompensieren wollte, braucht George Ezra keine witzig-spritzigen Ansprachen zu halten – er ist die Freude in Person. Schon „Anyone For You (Tiger Lily)“, welcher den Abend pointiert beginnen lässt, versprüht nur Euphorie. Die Diskografie von Ezra gibt es her, dass man auf traurige Texte und Melodien lange wartet, selbst die Balladen wie „Hold My Girl“ und „Sweetest Human Being Alive“ scheinen nur so vor Glück. Der Dreh- und Angelpunkt strahlt jedenfalls durchgehend wie ein Honigkuchenpferd, ob er gerade singt oder spricht, spielt oder einfach nur dasteht. Diese scheinbar endlose Zufriedenheit, die der Brite mit sich bringt, springt auf das Münchner Publikum über und lässt bei „Pretty Shining People“ lautstark mitsingen oder bei „All My Love“ die Menge tänzeln. Wer braucht da schon große Reden, wenn man auch dieser Musik lauschen kann?

© Adam Scarborough

Die musikalische Qualität ist es auch, die das Konzert so deutlich von anderen musikalischen Radio-AirPlay-Kandidaten abhebt. Mit einer siebenköpfigen Band, einschließlich einem Bläser*innen-Trio, tritt Ezra auf die Bühne, dementsprechend voll und völlig live klingen die Lieder, die mit bestem Sound aus den Boxen ertönen. Einzig die Stimme ist manchmal etwas leise, aber das kann auch daran liegen, dass Ezra manchmal einfach zu sehr mit Grinsen beschäftigt ist. Das Bühnenbild – ein schräger Bilderrahmen, wie es scheint – ist ein Eyecatcher, lenkt dennoch niemals von dem ab, um was es hier geht: die Musik. Virtuos dürfen einige Band-Mitglieder*innen in kurzen Soli glänzen, manchen Liedern werden gar ganze Improvisations-Intermezzi eingestreut. Das täuscht dann auch gern darüber hinweg, dass der Brite in seinem persönlichen Auftreten nicht unbedingt arenatauglich ist; doch die Musik ist es allemal! Wer eine außerordentliche Show erwartet, dürfte enttäuscht werden – aber wer sich auf 90 Minuten Gute-Laune-Musik auf höchstem spielerischen Niveau einlässt, geht mit so einem wohligen Gefühl nach Hause, dass die Minusgrade reichlich egal werden.

Setlist: Anyone For You (Tiger Lily) / Cassy O‘ / Get Away / Gold Rush Kid / Pretty Shining People / Barcelona / Saviour / Did You Hear The Rain? / Hold My Girl / Sweetest Human Being Alive / In The Morning / Manila / All My Love / Green Green Grass / Blame It On Me / Paradise / BudapestZugaben: Dance All Over Me / Shotgun

Bericht: Ludwig Stadler