Square Hammer – Metallica & Ghost im Olympiastadion (Konzertbericht)

Als Rock- und Metal-Fan ist man wohl mit dem Konzert am 23. August 2019 im Olympiastadion etwas überfordert. Denn worauf soll man sich denn nun mehr freuen: die Alt-Helden von Metallica oder die okkulten Düster-Rocker von Ghost, die derzeit in Amerika bereits Arenen ausverkaufen. Uns treibt letztendlich definitiv Letzteres ins ausverkaufte Stadion, die abertausenden Fans mit Metallica-Shirts sagen da natürlich, verständlicherweise, etwas anderes – denn die wahrscheinlich größte Metal-Band der Welt ist es auch, die insgesamt 72.000 Karten verkauft hat. Den Abend eröffnen werden Bokassa, Lars Ulrichs Lieblingsband, anschließend folgen Ghost.

Etwas früher als angesagt starten Bokassa um 17:45 Uhr ihr Set und bringen, wie selbst sagen, „Riffs, Hooks, Breakdowns and Freedom“. Der Sound ist ihnen allerdings nicht allzu wohlgesonnen, sodass die folgenden 30 Minuten Stonerpunk eher anstrengend vergehen.

Da kommen Ghost um 18:45 Uhr mit deutlich besserem Klang und vor allem hochwertigerem Setting daher. Ihre Deutschland-Tour durch die großen Hallen im Frühjahr verlief erfolgreich, nun geht es für die Schweden auf die Festivals und insbesondere als Special Guest für Metallica durch Europa. Das gilt es zu würdigen: satte 60 Minuten bekommt das Gespann um Mastermind Tobias Forge, der auch dieses Mal wieder, ganz dem Motto des derzeitigen Albums „Prequelle“ getreu, als Cardinal Copia auf die Bühne kommt und mit ordentlich Tatendrang und Animation das Münchner Publikum anzuheizen versucht. Das allerdings will nicht so recht aus ihrer Komfortzone kommen – ein schweres Unterfangen.

Dabei ist die Setlist und die darin enthaltene Musik grandios – lautstark, mitreißend und unglaublich fein komponiert klingen die Werke von Ghost. Ihr ehemals mystisches und okkultes Auftreten weicht allerdings einerseits dem Tageslicht, andererseits auch ihrer Weiterentwicklung – Forge tritt schon längst nicht mehr als Papa Emiritius im Rahmen einer inszenierten Messe auf, sondern gibt sich in seiner neuen Rolle deutlich mehr Freiheiten als herumwuselnder Entertainer. Dennoch, trotz gelungener Pyro und eines schier perfekten Auftretens: es will einfach nicht zünden beim Publikum. Ghost selbst brauchen sich allerdings nichts vorwerfen, solch einen starken Support-Act sieht man selten – für viele Fans, betrachtet man die T-Shirts, zusätzlich der heimliche Headliner. Beim nächsten Mal allerdings bitte wieder in einer dunklen Halle – dann kann sich die Show doch noch einmal deutlich besser entfalten.

Setlist: Ashes / Rats / Absolution / Ritual / From The Pinnacle To The Pit / Faith / Cirice / Miasma / Year Zero / Mummy Dust / Dance Macabre / Square Hammer

Mit massiver Umbaupausenwartezeit beginnen Metallica um 20:40 Uhr – stilecht mit „Hardwired“. Das eröffnet ein Feuerwerk (wortwörtlich!) von Musik der letzten 35 Jahre, vom „Kill ´Em All“-Album bis zur aktuellsten Platte. Die Band selbst, im Herzstück natürlich Frontmann James Hetfield und Schlagzeuger Lars Ulrich, präsentiert sich motiviert und deutlich interessiert daran, eine fantastische Performance abzuliefern – obwohl die Tour bereits seit Jahren ununterbrochen läuft. Aber 72.000 Fans jubeln der Band zu, sie haben bezahlt, also sollen sie das bekommen, was sie verlangen: „Master Of Puppets“, „One“, „Sad But True“, „Nothing Else Matters“. Teilweise ähnelt das Konzert einer Metal-Jukebox, ein Hit jagt den nächsten. Spätestens hier bemerkt man wieder einmal: Metallica sind lange nicht mehr die kleine, schüchterne Metal-Band von nebenan, sondern gehört zu den größten Gruppierungen der Welt.

Bei „Seek & Destroy“ blenden sie kurzzeitig eine Nuance für eines ihrer Konzerte in München ein: 23. Januar 1987, Kongresssaal im Deutschen Museum. Preis? 26 DM. Mittlerweile muss man deutlich tiefer in die Tasche greifen, um die Amerikaner zu sehen – bis zu 160€ kosten die Tickets im Olympiastadion. Dennoch, jede Karte ging weg, das Interesse bleibt ungebrochen und neuere Stücke wie „Spit Out The Bone“ und „Moth Into Flame“ machen der Band auch nach etlichen Bandjahren immer noch alle Songwriting-Ehre. Um kurz nach 23 Uhr ertönen die letzten Klänge von „Enter Sandman“, dazu startet ein mehrminütiges Feuerwerk. Doch, man bekommt etwas für sein Geld, auch wenn das Konzert selbst auf die Länge von rund 140 Minuten doch ein paar Durchhänger hat. Die Kult-Metaller sind noch lange nicht am Ende.

Setlist: Hardwired / The Memory Remains / Ride The Lightning / Harvester Of Sorrow / The Unforgiven / Here Comes The Revenge / Moth Into Flame / Sad But Tru / The Call Of Ktulu / Schickeria (Spider Murphy Gang cover) / Frantic / One / Master Of Puppets / For Whom The Bell Tolls / Creeping Death / Seek & DestroyZugaben: Spit Out The Bone / Nothing Else Matters / Enter Sandman

Bericht: Ludwig Stadler