Satan Is Real – Kreator & Dimmu Borgir im Zenith (Konzertbericht)

Weihnachten, das Fest der Liebe? Wohl eher das Fest des Metals! Alles andere als besinnlich geht es im Dezember in München zu, wo sich neben dem jährlichen Heavy X-Mas im Backstage München auch noch u.a. der MTV Headbangers Ball mit Exodus, Sodom, Death Angel und den Suicidal Angels und die mächtigen Kreator in der Landeshauptstadt blicken lassen! Den Anfang haben Kreator mit ihrer European Apocalypse-Tour gemacht und gastierten am Freitag, 7. Dezember 2018, im Zenith – mit einem wilden Vorprogramm aus Co-Headliner Dimmu Borgir, Hatebreed und Bloodbath.

Schon wie bei Slayer war der erste recht unangenehme Punkt bereits im Vorfeld klar: die Einlasszeiten. Um 18:00 zum Beginn von Bloodbath ist es vor der Bühne zwar schon recht voll, aber man merkt, dass viele fleißige Thrasher auch noch in der Arbeit oder auf dem Weg sind, denn blickt man nach hinten Richtung Vorhang des leicht verkleinerten Zeniths, dünnt das Publikum schnell aus. Der schwedischen Supergroup scheint es in Deutschland sehr zu gefallen, denn sie sind von einer Rarität zum Dauergast mutiert, sehr zum Glück der hiesigen Death Metal-Szene. Leider funktioniert die Band in diesem Billing nur bedingt, denn ihr neues Album ist größtenteils eher Doom-Metal-lastig und entsprechend walzender, aber langsamer Death Metal. Das Zenith ist ja nicht gerade bekannt für guten Sound, aber bei Bloodbath wird hier der Vogel abgeschossen, ein einziger Brei entfleucht den Lautsprechern und nimmt der Band den letzten Wind aus den Segeln. Letztendlich spielen sie eine halbe Stunde völlig fehl am Platz und verabschieden sich sang- und klanglos. Die größte Schuld am eher schlechten Set trägt allerdings die Setlist: Es werden Klassiker wie „Mock The Cross“ oder „Cancer Of The Soul“ komplett gestrichen, die noch einmal deutlich Fahrt aufnehmen hätten können, so allerdings geht die sonst mehr als solide Gruppe unter.

Setlist: Fleischmann / Let The Stillborn Come To Me / So You Die / Bloodicide / Outnumbering The Day / Chainsaw Lullaby / Eaten

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Als nächstes steht eine Band an, die unterschiedlicher nicht sein könnte: Hatebreed. Ein seit Jahren echter Dauergast in München, sie spielen schon das dritte Mal dieses Jahr, doch das Konzept geht trotzdem gut auf. Anders als Bloodbath haben sie eine bewusst schnelle und treibende Setlist, bei der schon zum ersten Song die Circle Pits losgetreten werden. Frontmann Jamie Jasta hat mit seiner gewohnt lockeren, aber bestimmten Art das Publikum von Anfang an fest im Griff und lässt es bis zum Ende auch nicht mehr los. Selbst die Black Metal-Fraktion unter den Fans, die lediglich für Dimmu Borgir da sind, erwischt sich ab und an beim Mitnicken oder Fußwippen. Auch wenn sie mit ihrem Core-lastigen Sound eigentlich gar nicht in das Billing passen, können sie sich mit intelligenter Songwahl und guter Bühnenpräsenz zu einem kleinen Highlight des Abends mausern. Interessant am Rande: eine Band wurde bei sämtlichen typischen „give it up for“-Ansagen ausgelassen, nämlich Dimmu Borgir.

Setlist: To The Treshold / Live For This / As Diehard As They Come / Looking Down The Barrel Of Today / Doomsayer / Filth / This Is Now / Driven By Suffering / Beholder Of Justice / A Call For Blood / Destroy Everything / I Will Be Heard

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Die sind dann auch als nächstes an der Reihe und vertreten bereits das dritte Genre des Abends. Die Norweger gehören zu der Rubrik „Bands, die man entweder liebt oder hasst“, daher in Anbetracht des bunten Mixes des Abends eher eine fragwürdige Entscheidung. Allerdings haben Dimmu Borgir und Kreator ja in der Vergangenheit schon die Bühne geteilt, was sollte also schiefgehen? Die Band betritt die Bühne und schon wird losgefeuert, ob man sie hasst oder liebt ist in dem Fall egal, denn jeder muss sich eingestehen, dass das, was hier vom Stapel gelassen wird, objektiv mehr als solide ist. Das einzige, was die Euphorie etwas ausbremst, ist die penibel gestaltete Show. Jeder einzelne Schritt ist Teil der Choreografie, alles wirkt geplant und mehr Schein als Sein. Black Metal ist ein Genre für sich, ja fast schon eine Lebenseinstellung, und da passen Dimmu Borgir einfach nicht rein und sind näher an Nightwish als an dem, mit dem sie sich identifizieren. Mit ihrem starken Hang zum Symphonic Metal und dem fein säuberlichen Make-Up ist klar, wieso sie in der Szene von den meisten nicht akzeptiert werden. Egal welches Genre sie letztendlich vertreten, eines ist klar: starke Leistung, welche nach acht Jahren Pause in München aber auch zu erwarten war, es gab ja reichlich Gelegenheit zum Proben. Wer denkt, er kriegt hier nur eine halbe Show zu Gesicht, da sie ja „nur“ der Co-Headliner sind, liegt falsch – beinahe eineinhalb Stunden gibt es für die Fans.

Setlist: The Unveiling / Interdimensional Summit / The Chosen Legacy / The Serpentine Offering / Gateways / Dimmu Borgir / Council Of Wolves And Snakes / Puritania / Indoctrination / Progenies Of The Great Apocalypse / Mourning Palace

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Ein Headliner fehlt noch: Die Teutonen-Thrasher von Kreator! Es wurde die größte Produktion der Bandgeschichte angekündigt und die gab es auch: Vorhang fällt und ein riesiger Kreator-Schädel blickt ins Publikum. Auch wenn Milles Gitarre am Anfang nicht ganz will, lässt er sich nicht beirren und einen regelrechten Bombenhagel auf die Massen los, gepaart mit jeder Menge Konfetti. Abwechselnd gibt es Rauch und Flammensäulen, die vor der Band zur Decke schießen, es wird heiß. Dass Kreator eine wahre Live-Macht sind, haben sie in ihrer über 30 jährigen Bandgeschichte mehr als klargestellt, aber mit diesem Bühnenbild im Rücken schaukeln sie sich noch eine Stufe höher. Ein schnörkelloses Thrash-Gewitter bricht los und keiner wagt zu fragen, warum sie den Abend beenden. Kreator spielen wie gewohnt alles an die Wand, mit dem sie sich die Bühne teilen, selbst die objektiv starken Hatebreed. Anders als bei Bloodbath gibt es hier eine wahre Best-Of Setlist auf die Ohren, die eigentlich keine Wünsche offen lässt. Viel mehr gibt es auch nicht zu sagen – eine bombastische Show, die sie nun endlich auf ihren mehr als verdienten Platz bei den ganz Großen hebt.

Setlist: Enemy Of God / Hail To The Hords / Awakening Of The Gods / People Of The Lie / Gods Of Violence / Satan Is Real / Phantom Antichrist / Fallen Brother / Flag Of Hate / Phobia / Hordes Of Chaos (A Necrologue For The Elite) / Violent Revolution / Pleasure To Kill

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Ein Fazit darf bei einer solch vielseitigen Tour definitiv nicht fehlen: Klar, Abwechslung ist gut und es gibt auch durchaus Festivals und Veranstaltungen, bei denen das reibungslos funktioniert, allerdings hat sich die Metal-Szene in den letzten 20 Jahren stark verändert. Metal-Fans, gerade Black und Thrash-Fans, sind nicht gerade für ihre Toleranz gegenüber anderen Genres bekannt, eher für das Gegenteil. Das große Manko dieser Tour ist in einem Zitat zu beschreiben, das beim Bühnenumbau zwischen Kreator und Dimmu Borgir gefallen ist: „Was bitte will ich mit Kreator?“ Obwohl an diesem Abend nur Metal-Bands spielen, könnte er nicht gegensätzlicher sein. Vier Bands, vier Genres, keine Überschneidung. Das macht es für jede Band schwer, das gesamte Publikum zu gewinnen, was glücklicherweise an diesem Abend geklappt hat, dennoch wäre nächstes Mal wieder eine etwas „einseitigere“ Programmgestaltung ratsam.

Bericht: Luka Schwarzlose
Fotos: Martin Schröter