A Victory Of Love – Alphaville & Orchester auf dem Tollwood (Bericht)

Veröffentlicht in: Indie/Alternative, Konzerte, Metal/Rock, Sonstiges | 1

Es gibt nicht viele Musiker*innen und Bands aus Deutschland, die über Jahrzehnte hinweg auf eine beachtliche internationale Karriere zurücksehen können. Alphaville ist dieser Grundstein in den 1980er-Jahren bestens gelungen. Bis heute können sie diesen Status aufrechterhalten, so legendär sind die Melodien, so zeitlos manche ihrer Hits. Ihrem Symphonic-Projekt zum 40. Jubiläum folgte 2023 eine ausgedehnte Tour durch die klassischen Konzertsäle Deutschlands, nun spielen sie am 23. Juni 2024 eine letzte Zugabe in der Musik-Arena des Tollwood Sommerfestivals, wieder mit dem Filmorchester Babelsberg.

Aufgrund des Sonntags ist bereits um 17 Uhr Einlass, die bestuhlte Musik-Arena füllt sich schnell, das Publikum strömt nach Herumstreifen bei sommerlichen Temperaturen durch Markt und Gastronomie in das Konzertzelt. Pünktlich um 18 Uhr sitzen die Musiker*innen des Filmorchester Babelsberg bereits auf ihren Stuhlen, auch Alphaville haben die Bühne betreten, zuletzt Frontmann und Fokuspunkt Marian Gold im schwarzen Anzug. „Dream Machine“ startet den Abend bedächtig, zu Beginn noch verhalten, dann aber immer mehr steigernd. Ein geborener Opener. Schnell fällt der klare, ausgewogene Sound auf, das Orchester dringt kräftig durch, ebenso die Instrumente der insgesamt fünf Bandmitglieder*innen.

© Helen Sobiralski

Über alledem thront die Stimme von Gold – auch mit frisch erreichten 70 Jahren nicht im Geringsten geschädigt oder ausgedient, sondern in Kraft und Treffsicherheit so beachtlich wie eh und je. Gerade seine Sangesstärke und glockenklare Stimme, gepaart mit melodisch-hymnenhaften Refrains, ist es, die zum Erfolg der Gruppe am Ende geführt hat. Und auch 2024 klingen „Big in Japan“, „Sounds Like A Melody“ und „Forever Young“ zeitlos wie immer. Schnell springt das Münchner Publikum bei den großen Hits auf, singt und tanzt mit und zeigt sich zurecht euphorisiert über das Konzert. Ein besonderes Highlight: das Songtrio des ersten Blocks „Dance With Me“, „Enigma“ und „Elegy“. Als ein großer Block und mit passenden Spoken-Einwürfen entsteht ein knapp 15-minütiger, mitreißender Songberg.

Nach der ersten Hälfte, die rund 55 Minuten einnimmt, gibt es eine Pause, bevor Teil Zwei eine erst einmal deutlich optimistischere Reise einschlägt – Marian Gold mittlerweile in komplett weiß und Sonnenblumenhemd, die Melancholie und Traurigkeit des ersten Akts ist vergangen. Stattdessen stehen „Summer Rain“, „Apollo“ und „Eternally Yours“ auf dem Programm – tanzbare Stücke mit klanglicher Wucht. Gesanglich steigert sich Gold Song um Song, bevor er mit dem wunderbaren „Pandora’s Lullaby“ um 20:30 Uhr die Münchner*innen nach Hause schickt. Gepaart mit sympathischen Anekdoten aus der Bandkarriere, ist Alphaville eine Retrospektive mit symphonischer Untermalung gelungen, die definitiv niemanden kalt gelassen hat. Was für ein mächtiges Konzert!

Setlist Teil 1: Dream Machine / Summer In Berlin / Big In Japan / A Victory Of Love / Diamonds Are Forever (Shirley Bassey) / Sounds Like A Melody / Dance With Me / Enigma / Elegy

Setlist Teil 2: Welcome To The Sun / Summer Rain / Moongirl / Apollo / Around The Universe / Eternally Yours / Flame / Forever Young Zugaben: Lassie Come Home / Pandora’s Lullaby

Bericht: Ludwig Stadler

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