„Jedes Minus heißt näher an der Pleite“ – Danny Kufner & Christian Kiesler im Interview

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Sie ist eines der Aushängeschilder der „Sommer in der Stadt“ und das kulturelle Herzstück: die Sommerbühne im Stadion. Recht kurzfristig von der Landeshauptstadt und dem VdMK e.V., dem Verband der Münchner Kulturveranstalter, aus dem Boden gestampft, bespielt diese Bühne seit dem 1. August und bis zum 27. September 2020 die Münchnerinnen und Münchner zu freien Eintritt – mal mit lokalen Künstlern, dann aber auch mit national größeren Acts wie Provinz, Lacrimas Profundere und Zugezogen Maskulin. Hinter den Kulissen verantwortlich hierfür sind Danny Kufner von polarkonzerte und Christian Kiesler von target concerts. Wir haben uns mit beiden getroffen, um über die Sommerbühne und den Status der Kulturbranche zu sprechen.

 

Kultur in München: Vielen lieben Dank, dass ihr euch im Dauerbooking die Zeit für uns nehmt. Wenn ihr jemanden, der gar nichts über das Projekt Sommerbühne weiß, erklären müsstet, was ihr macht – was sagt ihr dazu?

Kiesi: Die Idee der Sommerbühne ist für möglichst vielen Kulturschaffenden, Veranstaltern und auch den ganzen Gewerken, die daran hängen, also Technikern, Stagehands, Caterern usw., eine Perspektive zu erarbeiten. Zum einen, dass man die Möglichkeit hat, jetzt im Sommer zumindest ein bisschen Geld zu verdienen, aber auch den Künstlern eine Möglichkeit zu schaffen, sich zu präsentieren und natürlich auch ein bisschen Geld zu verdienen. Und auch dem Publikum eine Möglichkeit zu geben, wieder am kulturellen Leben teilzunehmen. Das Ganze ist natürlich ein riesiges Experimentierfeld, in dem wir probieren, was unter Pandemiebedingungen funktioniert, einerseits in den Inhalten, also im Programm, andererseits in der Produktion. Und wir lernen jeden Tag etwas Neues.

Kultur in München: Beim Durchsehen der bisherigen Interviews kommen immer wieder Fragen dazu, dass es sicher nicht so einfach sei, alle Veranstalter unter einen Hut zu bekommen. Darauf antwortet ihr, das sei gar nicht so schwer gewesen. Das lässt ja vermuten, dass die Zusammenarbeit in regulären Zeiten nicht so reibungslos läuft.

Danny: Grundsätzlich sind wir in München hier als Veranstalter vernetzt, jeder kennt hier jeden. Wir mögen uns alle, aber wir sind am Ende des Tages in der normalen Zeit auch Konkurrenten. Ich glaube, jeder hat trotzdem sein Stück vom Kuchen. Es geht dabei auch viel um Genre und wer was bedient. Jetzt sitzen wir alle im selben Boot, das führt dazu, dass sich viele Veranstalter hieran beteiligen und einen Abend kuratieren, weil sie sich präsentieren wollen, aber auch, weil sie sonst wenig andere Möglichkeiten haben.

Kultur in München: Wenn sie sonst wenig andere Möglichkeiten haben, heißt das dann nicht, dass Veranstalter und auch Künstler von euch abhängig sind, schließlich können sie sonst nicht auftreten?

Kiesi: Sie könnten sich ja selbst was organisieren. Es gibt viele Leute, die das machen. Die Hochzeitskapelle hat zum Beispiel auf verschiedenen Dächern gespielt, es gibt eine Bühne vom Kulturreferat, die durch die Stadtviertel zieht, es gibt die Bühne am Gasteig, es gibt das Backstage, die Muffathalle und das Feierwerk, die Konzerte machen. Es gibt also schon die Möglichkeit aufzutreten. Natürlich ist es keine normale Situation. Wir alle wissen, dass das gerade Notprogramm ist. Man versucht, möglichst fair miteinander umzugehen. Wir sprechen uns ab und versuchen, zu organisieren, dass möglichst viele Künstler zum Zug kommen.Wir machen den popkulturellen Bereich, der Gasteig eher das klassische Genre, die Bühne im Werksviertel macht Mundart und Singer/Songwriter. Also es ist schon etwas aufgeteilt und wir versuchen das solidarisch zu organisieren. Dabei ist die Bühne hier einfach sie sichtbarste, weil sie die größte und die am längsten bespielte ist. Aber es gibt schon noch andere Möglichkeiten zu spielen.

Kultur in München: Das klingt nach einer sehr freundschaftlichen Zusammenarbeit.

Kiesi: Der Versuch dessen. Um das mal zu verdeutlichen: Danny und ich arbeiten normalerweise in Firmen, die eigentlich klar Konkurrenten sind. Und das geht! Auch Konkurrenten kooperieren ja mal. Nur weil wir mal an einem Abend gegeneinander veranstalten, heißt das nicht, dass wir an einem anderen nicht zusammenarbeiten.

Kultur in München: Die Sommerbühne verwaltet der VdMK. War das denn eine Reaktion der Stadt auf die „Ohne uns ist’s still“-Demo in der Muffathalle?

Kiesi: Da ist viel parallel gelaufen. Wir haben das erste Konzept im April bei der Stadt eingereicht. Da gab es einen Stadtratsbeschluss mit Auftrag an das Kulturreferat. Es gab runde Tische mit verschiedenen Veranstaltern, auch dem VdMK,

Danny: Und dem Olympiapark, der unbedingt was machen wollte. Die haben uns dann angerufen, weil sie wussten, dass wir was planen. Da kam einfach vieles zusammen. Auch wenn vieles parallel gelaufen ist – „Ohne uns ist’s still“ ist eine Kampagne, die auf unsere Notsituation aufmerksam macht. Darum hängt das auch hier auch überall, um den Gästen das sichtbar zu machen und sie vielleicht zum Recherchieren zu bewegen. Solche Kampagnen werden häufig nur innerhalb der Branche wahrgenommen. In dem Fall haben wir es ganz gut hinbekommen, dass auch den Gästen wirklich bewusst wird, wie viele Leute da dran hängen. Hier die Fotos zu sehen ist wichtig, damit den Besuchern, die sonst nur ein Ticket kaufen, ein Konzert besuchen und dann wieder gehen, einmal deutlich wird, wie viel dahinter steckt. Darüber machen sich die meisten sonst selten Gedanken.

Kultur in München: Jetzt läuft das Projekt schon drei Wochen. Wie ist die Resonanz beim Publikum?

Danny: Also wir haben auf jeden Fall die Resonanz, dass sich das Publikum hier sehr sicher fühlt. Viele geben die Rückmeldung, sie hätten sich das anders vorgestellt, aber die Wege sind sehr geräumig, die Abstände sind groß, es ist weitläufig und wir haben hier Platz. Dann ist es auch noch überdacht und damit sind wir wetterunabhängig. Da ist die Resonanz durchweg positiv. Wir haben zwar immer wieder die Diskussion, warum es kostenlos ist, aber nicht mit den Besuchern.

Kultur in München: Was diskutiert ihr im Bezug auf die Kosten?

Danny: Es ist natürlich momentan so, dass keiner der Veranstalter Erlöse erwirtschaftet. Alles ist runtergefahren, alle sind in Kurzarbeit, keiner hat eine richtige Perspektive. Da gibt es schon Leute, die sagen: „Jetzt stellt ihr hier so eine Bühne hin und macht alles kostenlos.“ Aber es gibt klare Gründe, warum das so ist. Unser Fokus war, diese Bühne als Plattform hinzustellen und nicht eine kommerzielle Veranstaltung.

Kiesi: Dazu muss man wissen: Mit Steuergeld kommerzielle Veranstaltungen zu machen geht einfach nicht klar. Das kann man auch Steuerzahlern nicht vermitteln. Allerdings mit Steuergeldern eine Plattform zu machen, die Künstler, Veranstalter und Gewerke fördert, das geht schon. Deswegen freier Eintritt. Es gab aber noch andere Gründe. Wir leben in einer Pandemie, in der extrem viele Leute in Kurzarbeit sind und sehr hohe finanzielle Einbußen hatten. Ich kann von mir selbst sprechen: ich war die letzten Monate bei 50% meines Gehaltes und kann mir das Konzertticket nicht leisten. Davon gibt es viele Leute, die sich Kultur nicht leisten können oder nicht wollen, weil sie nicht wissen, was kommt. Wir möchten diesen Teilhabe-Aspekt haben. Ich will ja, dass Leute kommen und nicht auch noch mit hohen Eintritten abschrecken. Wenn ich das hier refinanzieren müsste, bin ich bei Eintritt jenseits der 50 Euro. Ich muss mit viermal so viel Personal arbeiten wie normal. Das wird dann eine Schwelle, die für den normalen Münchner nicht mehr machbar ist. Da habe ich lieber eine volle Bühne und Leute, die sich freuen, Kunst zu sehen. Künstler, die sich freuen, ihre Kunst zu zeigen. Statt zehn zahlende Gäste.

Kultur in München: Kommt es noch oft vor, dass Reservierungen verfallen und die Leute nicht kommen?

Danny: Das ist viel besser geworden, wir haben an der Kommunikation gearbeitet und auch die Bands kommunizieren nicht mehr, dass es ausreserviert ist, weil dann natürlich niemand mehr kommt. Es gibt immer noch Tickets an der Abendkasse. Manche sind wegen der steigenden Infektionsrate unsicher, aber dennoch haben wir eine Auslastung von mindestens 300 Leuten am Abend und damit sind wir total happy. Auch im Booking musst du aufpassen, nicht jemanden zu buchen, zu dem am Abend noch 500 Leute vor der Tür stehen und rein wollen.

Kultur in München: Habt ihr persönliche Highlights von Künstlern, die hier spielen?

Kiesi: Also für mich ist es Akne Kid Joe. Das liegt zum Teil an der Ankündigung, in der sie das 2:1 von 1860 gegen Bayern verarbeitet haben, und ich war da als kleiner Junge auf dem Spiel. Aber auch musikalisch ist das mein Highlight. Ich mag dieses Punk-Ding und bin gespannt wie das funktioniert mit Stühlen. Chicks On Speed ist für mich auch ein Highlight, worauf ich mich freue. Aber ich freue mich auch über die vielen Veranstalter, die hier was machen. Die Glockenbachwerkstatt macht einen Abend, auch das Kafe Marat. Da haben wir uns sehr gefreut und hätten das auch nicht gedacht. Wir freuen uns natürlich über jeden Veranstalter und ich kann es nur immer wieder sagen: Wir sind irrsinnig stolz darauf, was für ein wahnsinniges und vielfältiges Programm die Münchner Veranstalter für diese Bühne gezaubert haben.

Danny: Das wir uns sehr wichtig, dass das Programm divers ist und jeder die Möglichkeit hat, hier stattzufinden. Dass es eben nicht wie Festivals ist, die im Genre in eine Richtung gebrandet sind. Sondern dass hier alles stattfinden kann.

Kiesi: Das ist bei dieser Bandbreite natürlich auch gut für uns zu erfahren, was unter diesen Pandemie-Bedingungen funktioniert und was nicht. Bahnwärter Thiel und Rote Sonne machen ja auch Veranstaltungen. Da bin ich schon gespannt, wie elektronische Musik mit Bestuhlung klar kommt.

Danny: Ich freue mich darüber, dass so viele Newcomer auftreten und sich präsentieren können. Wir haben ja immer zwei bis drei Bands pro Abend, da kann das Publikum auch was entdecken, was sie sonst nie kennengelernt hätten. Das finde ich besonders schön. Über Provinz freue ich mich natürlich, weil ich sie als polarkonzerte vertrete. Dass auch das möglich ist, finde ich natürlich schön.

Kultur in München: Zugezogen Maskulin war ja schon spannend, da waren wir überrascht, wie gut das funktioniert hat. Nun probiert das Backstage einen Abend Metalcore aus, aber auch das wird sicherlich funktionieren.

Danny: Da sind wir auch jedes mal gespannt, aber es klappt immer überraschend gut. Das Publikum kommt ja auch nicht mit der Erwartung, einen ‘normalen’ Konzertabend zu verbringen. Mitunter tanzen die Leute auch, aber bleiben auf ihren Plätzen stehen und tanzen da.

Kultur in München: Etwas weg von der Sommerbühne: es wird ja immer wieder gesagt, Corona bringt alle so richtig zum Nachdenken. Habt ihr einen anderen Blick auf euren Job entwickelt, auch auf die Krisenfestigkeit?

Danny: Wir lieben ja diesen Job, sonst könnten wir das gar nicht tun. Da sind sich wohl alle in der Veranstaltungsbranche einig. Genau deshalb machen wir uns sehr große Sorgen. Es ist nicht nur ein kurzzeitiger Tiefpunkt für uns, momentan stehen wir vor einer perspektivlosen Zukunft. Wir wissen nicht, ob nächste Woche die Sommerbühne noch bespielbar ist, es kann jederzeit von der Politik zurückgerudert werden. Alle, die in München in Veranstalterbüros sitzen, bangen jetzt um ihre Zukunft. Die Situation ist richtig richtig ernst und keiner kann etwas sagen. Wichtig ist nun erst einmal, dass es weiter Kurzarbeitergeld gibt, dann kann es der eine oder andere wohl noch länger aushalten. Aber wenn das mal zu Ende ist, sich an der Situation aber nichts ändert, dann wird einer nach dem anderen den Laden zusperren.

Kultur in München: Habt ihr Kollegen, die bereits das Handtuch geworfen oder den Job gewechselt haben?

Kiesi: Ja. Es gibt Läden, die zugemacht haben, die wir kennen. Es gibt Kollegen, die sich was anderes suchen. Ich hab ein paar Freunde, die jetzt wieder in ihren alten Jobs arbeiten, Altenpfleger oder Programmierer. Und ich höre es auch immer wieder, dass Leute sehr laut darüber nachdenken, sich was anderes zu suchen. Ich kann das auch von mir persönlich sagen: ich bin im früheren Leben studierter Sozialarbeiter und natürlich ist das eine Option, sich als dort wieder irgendwo einen Job zu suchen, auch wenn ich keine Lust habe aufzuhören. Aber ich hab ein kleines Kind, eine Familie und muss schauen, dass wir Einkauf und Miete zahlen können. Ich bin ganz ehrlich: ich sehe die Perspektive in unserem Job nicht, dass ich das nächstes Jahr noch machen kann. Es ist auch so, dass von Staatsseite gerade für uns freie Kulturschaffende, für kommerzielle Agenturen, für Soloselbständige eigentlich nichts Substanzielles kommt. Es werden Theater gerettet, es werden Opernhäuser gerettet. Doch die freie Szene bleibt da aktuell außen vor.

Danny: Wir genießen hier wirklich jeden Abend und freuen uns, dass wir hier das Projekt machen können, aber nicht ohne zu wissen, dass wenn diese Bühne abgebaut wird, wir wohl erstmal in ein tiefes Loch fallen. Dann kommt der Herbst, der ja normalerweise vollgepackt ist mit Clubshows, das findet nun nicht statt. Uns ist das schon jeden Tag schmerzlich bewusst, dass das hier auch irgendwann ein Ende hat.

Kultur in München: Es gibt ja Konzepte, die gerade erprobt werden mit 200 Personen Indoor, sehr ihr das irgendwie als sinnvoll an?

Danny: Nur wenn es Förderungen gibt, die das unterstützen.

Kiesi: Man muss dazu wissen: Für jeden freien Veranstalter, wie für meine Firma target concerts, wäre es das Schlimmste, Verluste einzufahren. Denn die können wir nicht mehr ausgleichen. Das heißt: für uns kommen nur Sachen in Frage, die kein Risiko bergen. Denn jedes Risiko, jedes Minus, heißt Insolvenz. Unsere Firmen werden irgendwann Ende des Jahres ihre Reserven aufgebraucht haben und dann bleibt nur noch das Kurzarbeitergeld, was diese Firmen am Leben hält.  Jedes Minus heißt näher an der Pleite. Das ist es, was viele Kollegen im Kopf haben. Kann man klar so sagen.

Danny: Da gibt es auch keine Ausnahmen. Klar gibt es subventionierte Häuser, aber auch die können ja nicht veranstalten. Die schaffen es vielleicht etwas länger alles aufrecht zu erhalten.

Kiesi: Der eine oder andere hat vielleicht vom letzten Jahr noch ein paar Reserven im Hintergrund, aber auch das sind ja nicht alle.

Danny: Viele haben auch Kredite aufgenommen, die einmal zurückgezahlt werden müssen. Die Clubs dürfen ja nicht mal an Privatpersonen vermieten. Ich habe einen kleinen Club (Drossel & zehner, Anm.) und die Anfragen für private Feiern halten sich da ohnehin in Grenzen.

Kiesi: Ich glaube auch niemand von uns möchte gerade vollgepackt in einem 100-Leute-Club stehen. Halte ich für unvernünftig. Ich schaue aus meinem Fenster auf die Kneipen und halte schon das für unvernünftig. Ich möchte als Veranstalter nicht der sein, der für einen Superspreader verantwortlich ist. Das ist nicht mein Ziel. Klar möchte ich wieder veranstalten, aber bitte unter Bedingungen, in denen ich niemanden gefährde. Das sieht übrigens der komplette Verband so. Niemand von uns möchte sein Publikum, seine Künstler oder seine Crew gefährden.

Kultur in München: Hast du Vorschläge, wenn du sagst gewisse Bedingungen?

Kiesi: Die aktuellen Bedingungen sind 1,5 Meter Abstand, Maske und im bestenfalls eine leistungsstarke Lüftung. Das heißt: es geht nur auf großen Flächen. Sowas geht vielleicht hier in der Olympiahalle, vielleicht im Zenith, wenn die Lüftungsanlage mitspielt.

Danny: Die Behörden haben ja klare Vorstellungen, was so eine Lüftung können muss, doch die meisten Läden, die ich kenne, können das nicht stemmen. Und keiner wird jetzt 50.000 Euro in eine neue Lüftung investieren.

Kiesi: Zumal sie nicht wissen, ob sie nicht in zwei Monaten zusperren. Diese Lüftungsgeschichten werden ja gerade bei Tim Bendzko in Leipzig erprobt und da macht es einen Unterschied, ob man in einer Halle ist oder Oper Air. Aber das gerade wenigstens mal sowas ausprobiert wird, ist ja für Veranstalter eine gute Sache. Mit den Ergebnissen kann man was anfangen.

Kultur in München: Was haltet ihr vom Live Nation-Projekt von Marek Lieberberg in Düsseldorf?

Kiesi: Mir ist nicht klar, was er damit beweisen will.

Danny: Ich sehe auch nicht, was für ein Zeichen er damit setzen will. So wird es zwar kommuniziert, aber was er da macht, setzt ja keine Standards, die dann wiederholt eingesetzt werden können als Konzept, mit dem man als Veranstalter Geld verdienen kann. Ich kann dem wenig abgewinnen. Es ist kein Referenzprojekt, das so nochmal funktioniert.

Kiesi: Nicht mit dem Line-Up und nicht mit 13.000 Leuten. Was will er damit beweisen? Dass er es kann?

Kultur in München: Was sind eure Hoffnungen und Prognosen, wann es einen Normalbetrieb geben kann?

Danny: Also target concerts und polarkonzerte geben weiterhin Shows in den Vorverkauf. Wir müssen ja weiter arbeiten. Wir können ja nicht aufhören zu arbeiten. Wir haben verschiedene Tournee-Agenturen, mit denen wir arbeiten, und die müssen auch weiterarbeiten. Klar wird da jetzt viel geschoben. Erst ins Frühjahr, dann in den Herbst 2021, aber letztendlich weiß keiner, wann ein Regelbetrieb stattfindet. Wir tun alle so, als würde irgendwann mal wieder ein Betrieb stattfinden, weil wir jetzt nicht anfangen, diese Tourneen zu zerlegen. Also ich kann für polarkonzerte sagen: wir arbeiten so, dass alles, was größer ist und wirtschaftliche Relevanz hat, nicht vor Herbst 2021 stattfindet. Und selbst da steht ein großes Fragezeichen. Und ein Zenith mit 1000 Leuten zu machen ergibt keinen Sinn, auch mit 2000 nicht.

Kiesi: Dem kann ich nichts hinzufügen. Ich habe zwar Konzerte im Januar, sogar im Dezember stehen, aber ich glaube nicht, dass die stattfinden. Ich glaube persönlich nicht, dass wir, bevor wir einen Impfstoff oder einem Heilmittel für diesen Virus haben, zu einem Normalbetrieb zurückkehren. Nach realistischen Schätzungen hat man bis Ende 2020 den Impfstoff und mit Glück hat man bis Ende 2021 die Leute durchgeimpft. Ab dann wird es reguläre Konzerte und Großveranstaltungen geben. Der Normalbetrieb: grob geschätzt 2022. Frühestens.

Kultur in München: Danke für eure Zeit und Ehrlichkeit!

 

Das Interview führte Jana Taendler.