Beeindruckende Artistik trifft sympathische Band-Performance – „Handmade“ im GOP. Varieté Theater München

Eine Show in der Handgemachtes an erster Stelle steht! Nachdem sich das GOP. Varieté in den letzten Jahren mehr und mehr auf digitale Ausdrucksformen Musik und Artistik betreffend eingelassen hat, steht die neue Show von Regisseur Knut Gminder ganz im Zeichen des Analogen. Live-Band, Moderation und einzigartige Show-Acts, die auf unterschiedliche Arten und Weisen zeigen, wie beeindruckend und vielseitig Handmade sein kann. Am 10. November 2022 feierte die gleichnamige Show Premiere am GOP. Varieté-Theater München.

© Linus Reuter

Die Artistik betreffend jagt an diesem Abend ein Highlight das Nächste. Drei Solo-Artisten und zwei Duos sind für diese Show zusammengekommen, um sie zu etwas ganz Besonderem, etwas Neuem, etwas Handgefertigtem zu machen. Fenja Barteldres eröffnet den artistischen Teil des Abends mit ihrer Cyr Wheel Nummer. Dabei überrascht sie immer wieder mit Tricks, die man als Zuschauer an diesem Gerät mit Sicherheit noch nie gesehen hat. Veronica Fontanella behauptet sich mit gleich zwei schwierigen artistischen Disziplinen – dem Vertikaltuch sowie der Handstand-Equilibristik. Mit graziler Leichtigkeit und Anmut schafft sie es die Zuschauer in ihren Bann zu ziehen und in Staunen zu versetzen. Der Österreicher Andreas Jordan ist experimentierfreudig und zeigt eine Ring Jonglage, die innovativer nicht sein könnte. Er schafft es, die schnellste der Jonglage-Techniken nicht nur nach oben zu vollführen, sondern auch nach unten – eine Art von Jonglage, die man bisher nur mit Bällen kennt.

Neben diesen beeindruckenden solistischen Darbietungen, zeigen bei Handmade auch zwei Duos, welch herausragende Partner-Artistik sie mit Händen und Füßen vollführen können. Das Duo Prime überwindet in seiner Adagio Akrobatik scheinbar die Schwerkraft. Trotz des enormen Kraftaufwandes, den beide Artisten aufbringen müssen, scheinen sie nur so zu schweben und ihre Nummer erhält eine Tiefgründigkeit und emotionale Ausdruckskraft, die bewegt. Das Schweizer Künstler-Duo E1NZ glänzt besonders durch Vielseitigkeit. Esther und Jonas Slanzi bringen so viele verschiedene Talente mit in die Show, dass es ihnen sowie uns mit Sicherheit nicht langweilig wird. Beginnend mit einer fantasievollen Diavolo-Posaunen-Comedy Nummer über eine Flaschenjonglage im Stil des Wilden Westens bis hin zu einer einzigartigen Counterweight-Vertikalseil-Akrobatik, die stark an die Verfilmung des Glöckners von Notre Dame erinnert – diese beiden sind, Kreativität und Können betreffend, nicht zu überbieten.

© Linus Reuter

Doch es gibt noch ein weiteres Duo an diesem Abend, das der Show nun wirklich die Krone aufsetzt. Die zwei Künstler von Lonely HusBand führen das Publikum mit vielseitigem Können durch die Show – und das immer höchst sympathisch und komödiantisch. Dabei beweisen sie nicht nur, dass sie viel Witz besitzen, sondern vor allem auch unglaubliches musikalisches Talent. Mal an der Gitarre, mal am Klavier zeigen sie, wie vielseitig ihre musikalischen Fähigkeiten sind. Noch dazu haben sie die ganze Musik zu Handmade selbst komponiert und auch die Liedtexte geschrieben. Bei ihnen ist eben wirklich alles noch wahrhaft handgemacht.

Ein besonderer Moment der Show besteht darin, dass sich aus dem Musiker-Duo Lonely HusBand und aus einigen Artisten eine Band formiert, die immer wieder für musikalische Einschübe sowie Untermalungen diverser Show-Acts zusammenkommt. Hier zeigt sich erneut die wunderbare Vielseitigkeit, die dieses Ensemble besonders ausmacht sowie die Schönheit und Authentizität des gemeinsamen Musizierens. Wie selten sieht man heutzutage noch so viel handgemachte Kunst auf einer Bühne – Musik und Artistik, die im Moment entsteht, sich gegenseitig aufgreift, befruchtet und einmalige Momente erzeugt. Wahrlich handmade, wahrlich schön.