Deifedanz – Dreiviertelblut & Django 3000 auf dem Tollwood (Bericht)

Vom Veranstalter selbst wurden sie als die zwei großen „D’s“ der bayerischen Live-Musik bezeichnet, und diesem Ruf machen die beiden Bands aus Oberbayern am vergangenen Sonntag in der Musik-Arena des Tollwood Sommerfestivals alle Ehre. Mit steilen Beats, zu denen es sich wunderbar abzappeln lässt, und mit einem Wahnsinns-Aufgebot an phänomenalen Musikern kann dieses Doppelkonzert nur zum Erfolg werden. Gepaart wird das Ganze zudem noch mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor und so hat am Ende des Abends mit Sicherheit jeder mal „mitm Deifi danzt“Dreiviertelblut und Django 3000 waren am 19. Juni 2022 auf dem Tollwood-Festival live zu erleben.

© Bert Heinzlmeier

Den Anfang macht die Band Dreiviertelblut rund um Sänger Sebastian Horn und Gitarrist Gerd Baumann. Die beiden Gründungsmitglieder spielen jedoch keinesfalls zu zweit, sondern haben sich Unterstützung von fünf weiteren Musikern geholt – allesamt phänomenale Instrumentalisten, was sie an diesem Abend mehrmals unter Beweis stellen. Besonderes Highlight ist der ständige Dialog zwischen Trompeter/ Flügelhornist Dominic Glöbl und Klarinettist Florian Riedl. Daneben sorgen extrem kreative Solo-Parts wie auch das perfekte Zusammenspiel dieser sieben Ausnahmekünstler für ein Konzert voller musikalischer Höhepunkte.

Die Songs der Band laden zwar immer wieder zum Tanzen ein, jedoch kommt es auch zu ruhigeren Momenten. Diese geben einem die Möglichkeit, sich auf die bayerischen Texte zu konzentrieren, in denen mehr Melancholie und Poesie liegt, als man im ersten Moment vielleicht vermuten würde. Diese Mischung macht den einzigartigen Sound Dreiviertelbluts aus und so lässt man sich besonders von Frontmann Sebastian Horn absolut mitreißen, der sowohl die Musik als auch den Text in jeder Faser seines Körpers zu spüren scheint.

© Mike Heider

Und die Energie dieses Abends reißt daraufhin keinesfalls ab, sondern wird von den vier Jungs von Django 3000 nur noch weiter angefacht. Ihr ganz spezieller Sound bewegt sich irgendwo zwischen rockendem Swing und feurigen Balkanbeats – das Ganze natürlich immer auf bayerisch und weit entfernt von jeglichem Mainstream. Das balkanische Element erhält ihre Musik in erster Linie durch den Violinisten Florian R. Starflinger, der die melodische Linie der Songs immer wieder ganz unkonventionell leitet und ihnen dadurch Abwechslung und einen gewissen Überraschungseffekt verleiht. Doch auch bei Django 3000 sind alle Mitwirkenden wahre Ausnahmemusiker und so stehen Sänger Kamil Müller, Drummer Jan-Philipp Wiesmann und Kontrabassist Korbinian Kugler ihrem Kollegen Starflinger musikalisch in nichts nach.

Bereits zum Beginn des Konzerts witzelt die Band darüber, dass sie immer pünktlich zum Tollwood-Festival ein neues Album aus dem Hut zaubert, und so ist das auch in diesem Jahr der Fall. Erst am 17. Juni erschien ihr neues Album „Alibabo“ mit zehn brandneuen Songs, die es sich definitiv anzuhören lohnt. Neben einigen neuen Liedern dürfen aber selbstverständlich auch die älteren Hits an diesem Abend nicht fehlen und so wird die Musik-Arena nicht nur einmal zum Pfeifkonzert und zur geeignete Gelegenheit, mal wieder so richtig frei rumzugrölen. So entsteht alles in allem an diesem Abend eine waschechte Gaudi auf dem Tollwood mit Musik, die in die Füße geht, und Texten, die direkt ins Herz gehen.

Bericht: Rebecca Raitz