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Forgotten – Pequod im Backstage (Konzertbericht)
Mittlerweile haben sich die Abstandskonzerte im Backstage München schon ein kleines bisschen etabliert und begeistern seit 15. Juli nun auch 200 Fans auf Abstand. Das wurde natürlich dementsprechend genutzt und so wurde das eigentlich bereits ausverkaufte Konzert von Pequod und Hailstone am 18. Juli 2020 kartentechnisch aufgestockt. Bei Konzertbeginn ist das Werk vollkommen ausverkauft, die Biertische sind eingenommen und die Lust auf Live-Metal-Musik ist riesig – übrigens immer noch deutschlandweit die einzige Möglichkeit, Metal tatsächlich live zu erleben. Großartig! Um 20 Uhr starten Hailstone ihr Set und beginnen mit „Celestial Wrath“ ihren Oldschool Death Metal, der sich weniger an Geschwindigkeit und Rifflastigkeit als eher Melodik und Kontingenz orientiert. Das funktioniert beizeiten…
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Wie lustig ist eine Pandemie? – „ANAEROB“ im Hofspielhaus (Kritik)
Am 16. Juli 2020 feierte der Monolog „Anaerob“ im Hofspielhaus Premiere. Nur zwei Personen waren an dem Stück beteiligt: Mira Huber als Schauspielerin und Sascha Fersch in der Regie. Dabei schafft es Huber in dem ungefähr 60-minütigen Stück, viele Emotionen in den Zuschauern zu erwecken, besonders aber eine: das Lachen über eine eigentlich viel zu traurige Sache. Die Geschichte von Anaerob ist dabei schnell erzählt. Die namenlose Protagonistin leidet an einer Autoimmunerkrankung und ist damit gezwungen, zurückgezogen zu leben, und wenn sie doch einmal das Haus gezwungenermaßen verlässt, dann nur als Ausgestoßene mit Maske und Schutzkleidung, denn: jeder Schritt kann tödlich sein. Als jedoch die Pandemie ausbricht, ändert sich alles…
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Dachauer Musiksommer – im August auf der Ludwig-Thomas-Wiese!
Zugegeben, in seiner klassischen Form und mit den geplanten Konzerten kann der Dachauer Musiksommer dieses Jahr nicht stattfinden – kein Thees Uhlmann und weitere Hochkaräter. Nachdem aber nun die Kapazität bei Außenplätzen auf 400 Personen erhöht wurde, gibt es doch noch drei besondere Sommer-Konzerte, die dem Autokino-Sommer nachkommen! Dachauer Musiksommer Reloaded widmet sich im August den Bands Provinz, Faun und Spider Murphy Gang und präsentiert so drei tatsächliche Erfolgsbands, die man wohl sonst dieses Jahr nicht mehr live in Dachau oder auch im Münchner Umland erleben kann. Eine wunderbare Möglichkeit! Den Beginn machen Provinz, die am 10. August ihr frisch erschienenes Album „Wir bauten uns Amerika“ präsentieren. Das mittlerweile auf…
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„Klugsein und lieben kann kein Mensch auf dieser Welt“ – „Die Kluge“ im Gärtnerplatztheater (Kritik)
Carl Orff’s einaktige Oper „Die Kluge“ begeisterte schon 1943 die Massen. Nun kehrt die Geschichte, welche auf dem Märchen Die kluge Bauerntochter der Gebrüder Grimm basiert als erste „post-Lockdown“-Opern-Inszenierung ans Gärtnerplatztheater zurück und feierte am 16. Juli erfolgreich ihre Wiederaufnahme. Nachdem der Bauer einen goldenen Mörser findet, bringt er ihn nach Hause und sagt seiner Tochter, der „Klugen“, dass er diesen in Erwartung einer Belohnung zum König bringen will. Seine Tochter warnt ihn davor, dass dem König das Fehlen des dazugehörigen Stößels auffallen wird und er den Bauern für dieses verantwortlich machen und bestrafen wird. So klug wie sie nun mal ist, passiert genau das und die Tochter wird vor den König geführt,…
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Allgemein
Umadum – das Werksviertel-Riesenrad ist zurück!
Länger ist es still gestanden, auch durch die Corona-Pandemie bedingt, nun eröffnet es wieder: das Riesenrad im Werksviertel Mitte! Die Übergangs-Attraktion mit fantastischem Blick über die Dächer Münchens hat nun allerdings einen neuen Namen: Umadum. Damit einher geht ein Betreiberwechsel, ein neues Konzept, das vor allem den Münchner finanziell zugute kommt (eine Fahrt wird nun deutlich günstiger) und sowieso, der Drive ist ein ganz anderer. Das verarbeitet auch Liedermacher Roland Hefter in seinem extra für das Riesenrad geschriebene Lied „Mim Umadum“. Ein Besuch ist unbedenklich, natürlich wurde ein Hygienekonzept erarbeitet, das einen sicheren Besuch ermöglicht. Also, worauf warten? Anschauen und selbst überzeugen! Und anbei erstmal noch den Titelsong von Roland…
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Starre und Jubel – „Metamorphosen II“ im Gärtnerplatztheater (Kritik)
Nachdem sich das Gärtnerplatztheater mit eigenem Ensemble und Orchester schon mit Methamorphosen I an Ovids Mythensammlung gewagt hatte, kommt mit Methamorphosen II folgerichtig die Steigerung auf die Bretter. Dieses Mal in drei Einzelperformances geteilt, bleibt der Abend erneut bei einer knappen Stunde Spielzeit. Diese reißt das Publikum aber um wie die gesamte Palette des Wetters in diesem Sommer. Vom stimmungsvollen Nieselregen bis zum leidenschaftlichen Sommergewitter ist hier alles dabei! Die erste Performance ist wenig von Tanzchoreographie und viel mehr vom Charakter einer Live-Performance geprägt. Sie beginnt mit einer Moderation, die durch eine Loop Station immer mehr zur Soundcollage der Performance wird. Dazu tanzt ein Performer wie tollwütig, eine andere schiebt stoische…
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Von Tokio ins Olympiastadion – „Opening Ceremony“ der Kammerspiele (Kritik)
„Zum Ende eine Eröffnung“ – so beschreiben die Münchner Kammerspiele das außergewöhnliche Event „Opening Ceremony“, das zum Ende der Lilienthal-Intendanz am Wochenende im Münchner Olympiastadion stattfand. Eigentlich war ja viel mehr geplant als eine einstündige Vorstellung; 24 Stunden lang sollte die Verabschiedung sein, doch leider kam Corona am Ende aller Planung dazwischen, und so musste man sich etwas anderes überlegen und hat Toshiki Okada, einen der bekannten Regisseure der Kammerspiele der letzten fünf Jahre, von Japan nach Deutschland geholt. Fünf Tage Zeit hatte er, um mit dem Ensemble etwas neues (oder altes?) zu produzieren – und das hat sich gelohnt. Bevor aber über die Aufführung gesprochen werden kann, müssen ein…
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Griechische Antike on the dancefloor – „Metamorphosen I“ im Gärtnerplatztheater (Kritik)
Das Gärtnerplatztheater präsentiert die wichtigsten Sammlung griechischer Mythologie in einer Reihe zweier kurzer Abende mit verschiedenen Mythen. Ovids Metamorphosen– sind sicher nicht der breiten Masse ein Begriff. Weil das auch dem Gärtnerplatztheater klar ist, wird schon auf der Website im Spielplan Klartext geschrieben: Es geht um Dädalus, Ikarus, Phaeton, Teiresias, Narziss und Echo. Die Methamorphosen sollen in zwei Inszenierungen (Methamorphosen I und Methamorphosen II) als Tanzperformances mit Orchesterbegleitung verarbeitet werden. Mit einer knappen Stunde Laufzeit für Metamorphosen I, in der gleich zwei Mythen behandelt werden, handelt es sich also eher um einen kurzen tänzerischen Denkanstoß als um einen vollwertigen Tanztheaterabend. Wer nun glaubt, dem Publikum würde die Handlung von Dädalus und dessen…
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Sind fünf Tenöre nicht mindestens einer zu viel? – „Herzensbrecher“ im Gärtnerplatztheater (Kritik)
Dieser Konzertabend am Gärtnerplatztheater bietet nicht einen, nicht zwei, nein, sondern gleich fünf Tenöre auf einer Bühne an. Wie das gehen soll? Ja, das fragen sich nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Sänger Gyula Rab, Maximilian Mayer, Lucian Krasznec, Juan Carlos Falcón und Alexandros Tsilogiannis. Was diese fünf Herren jedoch auf der Bühne vollbringen, ist nicht nur ungewöhnlich, sondern auch beeindruckend und herzergreifend. „Herzensbrecher“ feierte am 9. Juli 2020 Premiere am Gärtnerplatztheater. Das Programm des Abends ist abwechslungsreich und unkonventionell. Über Musical-Hits wie „Maria“aus West Side Story zu Opern-Klassikern wie „Nessun dorma“ aus Turandot bis hin zu Schlagern wie Capri-Fischer ist alles dabei. Es wird sich jeder Zuschauer in mindestens einem Genre des Abends wiederfinden und kann, falls andere Genres noch…
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Ein Abend der Stille – „Der Klang der ungespielten Töne“ im Gärtnerplatztheater (Kritik)
Was passiert wenn ein erfolgreicher Roman über die Leidenschaft zur Musik zum Bühnenstück wird? Er wird noch erfolgreicher, noch mitreißender.Genau so verhält es sich bei „Der Klang der ungespielten Töne“. Schon die Textvorlage von Konstantin Wecker erfreut sich großer Beliebtheit. Sie erzählt das Schicksal des jungen Anselm (Michael Dangl), der sich vom Wunderkind zum Virtuosen, vom Kommerzmusiker zum Idealisten entwickelt.Selbstredend kann ein Roman von den Klängen, den Melodien, auch von der Stille nur schreiben. Der unkundige Leser kann sich die akustische Dimension der beschriebenen Erfahrungen also nicht einmal vorstellen. Mit der Bühnenfassung im Gärtnerplatztheater gewinnen Weckers literarische Ausführungen also nicht nur eine schauspielerische Dimension – die Musik erwacht nur durch sie…