Empire Central – Snarky Puppy in der Muffathalle (Bericht)

Am Ende des Konzertes verkündet Bandleader Michael League, dass sie bereits seit zehn Jahren in München auftreten und ihr erster Auftritt damals in der Unterfahrt stattfand. Mittlerweile verkauft Snarky Puppy sogar die Muffathalle aus, was für ein dem Jazz verpflichtetes Ensemble nicht selbstverständlich ist. Beim diesjährigen Gastspiel am 17. Oktober 2022 haben sie das neue Album „Empire Central“ im Gepäck, erschienen beim eigenen Label „GroundUp Music“.

Bei diesem Label ist auch Malika Tirolien aus Guadeloupe unter Vertrag, die den Abend pünktlich um 8 Uhr eröffnet. Mit ihrer vierköpfigen Band zaubert sie eine Mischung aus Hip-Hop, R&B und Neo-Soul auf die Bühne. Sie zeigt ihre Vielseitigkeit mit ausdrucksstarker, kraftvoller Stimme sowie „tighten“ Rap-Parts in Französisch und bewegt sich sicher zwischen spröden Instrumentalklängen und eingängigen Gesangsmelodien. Einzig der (Sound-)Mix ist nicht immer klar genug.

© Rosanna Friedmann

Als Snarky Puppy die Bühne betreten, wird der Sound richtig gut. Es wird deutlich, dass die ganze Band inklusive Tontechnikern bestens eingespielt ist. Größtenteils werden Songs des aktuellen Albums „Empire Central“ dargeboten, das erst vor zwei Wochen veröffentlicht wurde. Und in dem 100-minütigen Set zeigen alle Musiker, welche großartigen Solisten sie auch sind. Hervorzuheben ist dabei Mark Lettieri, der gleich beim ersten Stück „Keep It On Your Mind“ seine Gitarre markant anstimmt und besonders beim Rock-Shuffle „RL’s“ solistisch brilliert. Ebenfalls auffällig ist der in München neu in die Tour eingestiegene Shaun Martin an den Keyboards, der vor allem für seine Soli mit Vocoder, so etwa am Moog Synthesizer beim Titel „Bet“, zurecht gefeiert wird, im Gegenzug aber auch immer wieder das Publikum zum Mitmachen animiert. Das Programm bietet auch ein paar fluffig anmutende Songs, die gute Laune bringen, wie das relaxt nach 90er Jahre klingende „Cliroy“ mit einem Flügelhorn-Solo von Mike „Maz“ Maher oder die tropisch angehauchte Up-Tempo-Nummer „Pineapple“. Mit der einzigen Ballade des Abends „Belmont“ gedenken die Musiker ihrem Mentor und Jazz-Gitarristen Bernard Wright, der als Gast auf ihrem neuen Album zu hören ist, aber kurz nach den Aufnahmen verstarb.

© Stella K

Der letzte Song des Abends ist „What About Me?“ vom Album „We Like It Here“. Hier sind Drummer Jamison Ross und erneut Shaun Martin zu nennen, die spektakuläre Soli abfeuern. Als Zugabe spielen die 10 Musiker mit „Shokufan“ einen ihrer bekanntesten Titel. Und auch wenn es mehrere Tempo- und Taktwechsel wie in so vielen Songs von Snarky Puppy gibt, bleibt am Ende ein dem Münchner Publikum bekannter Sing-Along-Teil. Nicht unerwähnt bleiben soll das Lichtkonzept: Projektionen einer Skyline, die stückweise die Farben und Formen wechseln und mit den dazwischen eingebrachten Live-Videos der Solisten ein optisches Highlight ergeben – einmal erscheinen die Neonfarben sogar ganz in „Miami-Vice“-Manier.

Zum Ende der Show herrscht sichtlich große Freude nicht nur vor der Bühne, sondern auch bei der Band. Die Menge lässt sie nur ungern gehen und singt nach Konzertende noch weiter die Shokufan-Melodie. Musikalisch komplexe Nummern präsentieren, die trotzdem zum Tanzen, Klatschen und Singen anregen: Das sind Snarky Puppy! In der Reihe Jazz Night in America des Radiosenders NPR wurde es treffend zusammengefasst: „Music for Both Brain and Booty“! Beim nächsten Mal dann vielleicht ja sogar in der Philharmonie…

Setlist: Keep It On Your Mind / East Bay / Bet / ? / RL’s / Cliroy / Trinity / Pineapple / Belmont / What About Me? Zugabe: Shokufan

Bericht: André Hackenberg