Der schwarze Ritter ermittelt – „The Batman“ in der Filmkritik

Er ist neben Superman wohl der ikonischste Charakter der DC-Comic-Welt, mit Abstand aber der erfolgreichste an den Kinokassen. Spätestens seit den Tim Burton-Verfilmungen in den 80ern und 90er-Jahren zieht Batman die Scharen in die Kinos, manifestiert wurde dies besonders durch die Trilogie von Christopher Nolan in den 2000er-Jahren, die selbst bei den Oscars, bei denen Superhelden-Filme zumeist verpönt sind, abräumen konnte. Nolan und die einige Jahre zuvor gestartete Spider-Man-Trilogie von Sam Raimi haben gezeigt, was man aus dem Comic-Stoff auf der Kinoleinwand machen kann. Das Problem: die Erwartungen an Folge-Filme sind so hoch, dass DC schwerlich hinterherkommt. Crossover-Filme der vergangenen Jahre scheiterte oft an der Qualität der Filme. Nun startet Matt Reeves mit „The Batman“ einen Reboot-Versuch und bringt am 3. März 2022 den ersten Batman-Solo-Film seit Nolan ins Kino.

© Warner Brothers

„Ave Maria“ sind die ersten Töne, die erklingen und die rund dreistündige Laufzeit einläuten. Der Beginn erfolgt szenen- und episodenhaft, teils etwas holprig, bis man sich tatsächlich im Geschehen verortet und dann auch den ersten Auftritt von Batman erlebt, der eine Gruppe Kleinkrimineller vermöbelt. Er ist erst seit zwei Jahren in Gotham City tätig, dabei aber knallhart und schlägt auch mal öfter zu als notwendig. Rache treibt den Antihelden an, Robert Pattinson stellt das in einer zerrissenen und in sich verlorenen Performance grandios dar. Jegliche Zweifel, die man zu Beginn an der Besetzung haben könnte, sind schnell verflogen, er macht seinen Job als Rächer bestens, lässt allerdings für Folgefilme noch Luft nach oben – die Vielschichtigkeit, die Mehrdeutigkeit seines Antriebs wird erst gegen Ende des Films klar. Eine Helden-Definition findet er erst am Ende. Bis dahin hilft er als teils eigennütziger Unterstützer die Gotham-Polizei, vor allem aber James Gordon, den Jeffrey Wright routiniert stark darbietet. Gejagt wird ein offensichtlich soziopathischer Killer, der auf Rätsel steht und den Mann im Fledermaus-Kostüm in seine Pläne einspannen möchte…

Am Ende mündet das in einem düsteren Krimi, teils einer Schnitzeljagd, der im Noir-Stil gehalten ist und niemals, wirklich niemals eine glückliche Emotion zulässt. Reeves Gotham ist so dunkel und verloren, dass selbst das am Himmel angestrahlte Batman-Zeichen keine Hoffnung, sondern nur Not aus der Hilflosigkeit ausstrahlt. Starke Nerven vor dem Kinobesuch sind hier also unumgänglich, denn psychisch geht dieser Film tief – besonders die Rätsel und Spielchen des Riddler erinnern an den ersten Saw-Teil und Finchers „Sieben“, beides Werke, die vor allem mit Radikalität bestechen. Das macht Batman auch, schwenkt die Kamera dann aber bei den Gewalttaten zumeist weg, um ein FSK 12 zu erreichen. Das mag zwar gelungen sein, ist aber vollkommen falsch gewichtet – Reeves „The Batman“ überbietet in der Drastik sogar Nolans „The Dark Knight“ und müsste ein FSK 16 erhalten. Der Gedanke, dass 6-jährige Kinder mit Eltern in diesem Film sitzen könnten, verstört.

© Warner Brothers

Dafür sorgen dürfte zwangsläufig Paul Dano als Riddler. Er liegt so eine soziopathische Tiefe in die Rolle, dass seine Darbietung nicht mehr als absolut schauererregend für den Zuschauer ist. Dano lotet die Grenzen nicht nur aus, er geht darüber hinaus und lässt die Zuschauer wirklich Angst vor ihm und seiner Rolle bekommen – mit Maske und ohne. Er und Pattinson sind es auch, die die doch manchmal zu lang geratenen 180 Minuten tragen. Gepickt durch die Nebenrollen wie Selina Kyle (Zoe Kravitz) und Penguin (Collin Farrell) bleibt man aber über die Zeit durchgehend am Ball und verfolgt die Jagd aufmerksam. Gehalten wird man dabei auch weniger von Actionszenen, die relativ selten vorkommen, sondern von einer überragenden Kamera-Arbeit von Greig Fraser und intensiven, sehr langen Szenen von Dialogen und Austausch. Einzelne Sequenzen, beispielsweise eine Beerdigungsfeier oder das erste längere Aufeinandertreffen von Batman und Riddler, bleiben absolut im Gedächtnis und sind so toll inszeniert und gespielt, dass sie fraglos in die DC-Geschichte eingehen.

Am Ende bleibt ein Film, der alles andere als ein klassischer Blockbuster ist und nach unzähligen Fehlgriffen im Hause DC, die immer mehr Marvel nachahmen als eigenständig sich mit dem eigenen Stoff auseinandersetzen wollten, endlich wieder eine Comic-Verfilmung, die nicht nur akkurat im Geiste der Vorlag klappt, sondern auch als Film absolut zu überzeugen weiß. Die Stärken von DC-Filmen sind Dunkelheit, Wut, Schmerz und Radikalität, aber nicht Witz, CGI-Bombast und Ungezwungenheit. Matt Reeves weiß all das genauso umzusetzen, wie es die Batman verdient hat – und bringt damit endlich wieder den Anspruch für DC-Verfilmungen ins Kino, den Christopher Nolan einst etabliert hat. Chapeau!

Kritik: Ludwig Stadler