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Geld oder Leben – „Junk“ im Residenztheater (Kritik)
„Es beherrscht der Obolus seit jeher unsern Globulus. Mit anderen Worten: Der Planet sich primär um das eine dreht!“ – so startet das 1985 veröffentlichte Lied „Geld oder Leben“ der Band Erste Allgemeine Verunsicherung. Und egal ob Titel oder Zitat, beides könnte nicht passender auf das zeitlich im gleichen Rahmen angesiedelte Stück „Junk“ von Ayad Akhtar zutreffen. Dieser war sogar persönlich anwesend, als der Bankenkrimi am 22. April 2018 im Residenztheater seine Premiere feierte – und mit ihm ein Saal voller begeisterter Zuschauer. Anfangs gibt es erst einmal ein leises Klopfen, das, entgegen der Erwartungen, nicht lauter, nur statischer wird. Der erste Blick auf die Bühne eröffnet ein starkes, fast…
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A Tale of Golden Keys – am 19. Mai 2018 im Milla
A Tale of Golden Keys: das sind Hannes Neunhofer an den Vocals, Gitarre und Piano, Florian Dziajlo an Bass und Orgel und Jonas Hauselt an den Drums. Am 19. Mai 2018 kommt das Trio mit ihrem neuen, zweiten Album „Shrimp“ ins Milla nach München. Im fränkischen Eckersmühlen bei Roth haben die Musiker sich für das neue Werk verschanzt. Das Ergebnis sind zehn Songs, die nahtlos an das erfolgreiche Erstwerk „Everything Went Down As Planned“ anknüpfen. Musikalisch bewegt sich das Trio weiterhin im Bereich Indie-Rock und Melancholic-Pop. Mit groovigen Beats, schönen Melodien und der besonderen Stimmfarbe des Sängers Hannes schafft es die Band, eine spezielle Atmosphäre zu erzeugen, die gerade live…
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Generation „kreativ und unfähig“ – „Ja EH! Beisl, Bier und Bachmannpreis“ im Volkstheater (Kritik)
Mir kräftigem Tusch geht das radikal jung im Münchner Volkstheater am Samstag Abend zu Ende! Dieser überrascht, weil sich der Münchner Zuschauer unter dem Titel „Ja, EH! Beisl, Bier und Bachmannpreis“, inszeniert von Christina Tscharyiski, nicht wirklich etwas vorstellen kann. Text, Titel und Handlung sind nämlich durch und durch Wienerisch. Vorweg genommen: jeder Aspekt ist hervorragend ausgearbeitet. Die Bühnenmusik von Voodoo Jürgens und Band, das Bühnenbild, das Licht, Kostüme und Schauspiel. Auch wenn das Bühnenbild nicht minimalistisch und die Darsteller keine Performer sind, kann so ein Abend den Zeitgeist perfekt treffen. Es geht um Kreative und ihr Schaffen, tatsächlich um Autorin Stefanie Sargnagel selbst und ihre Arbeit am Text für den…
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Krieg (und Frieden?) – „Sag mir, wo die Blumen sind“ im Marstall (Kritik)
Krieg ist nun wirklich kein einfaches Thema. Als Thema für ein Theaterstück bestimmt eines der schwierigsten. Und dann auch noch den Ersten Weltkrieg zu behandeln – ein schwerer Brocken, den es erst einmal zu stemmen gilt. Diese riesige Herausforderung wurde jedoch bei dem Theaterprojekt „Sag mir, wo die Blumen sind“ des Residenztheaters mit Bravour gemeistert. Nach fast zwei Jahren Recherche und Proben feierte das Stück nun am 19. April 2018 unter der Leitung von Anja Sczilinski (Regie) im Marstall Premiere. 39 Schüler des Werdenfels-Gymnasiums in Garmisch-Partenkirchen, des Lycée Ozanam in Lille und der Bay House School in Gosport (England) haben sich intensiv mit der europäischen Vergangenheit, der Existenz von Krieg und auch viel…
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Skelett eines Elefanten in der Wüste / Orchiektomie rechts – radikal jung 2018 (Theaterkritiken)
Skelett eines Elefanten in der Wüste, Münchner Volkstheater, Kleine Bühne „Ein Stück mit Geflüchteten, in dem der Krieg thematisiert wird“ – dergleichen kennt man aus Theater, Film, Radio…, eine neue Idee ist das nicht. Wenn dann noch das Maxim Gorki Theater einlädt, welches mit „Flüchtlinge fressen“ 2016 mächtig auf die Provokationspauke gehauen hat, ist die Fragen: „Was soll da kommen?“ sicher gerechtfertigt. Doch es kommt erstens anders und zweitens als man denkt, dazu regt der 70 Minuten-Abend „Skelett eines Elefanten in der Wüste“ von Ayham Majid Agha nämlich stark an. Auch interaktiv ist er gestaltet, die Zuschauer laufen in einen dunklen Gang, immer an der Wand entlang, bis sie schließlich in…
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KLAN am 17. April 2018 im Milla (Konzertbericht)
Gesellschaftsfragen mit Nachwirkung: Das Berliner Duo KLAN gastierte im Milla Straßenmusik und Kirchenchor. Klingt auf den ersten Blick brav und konservativ. Für die Band KLAN, die am vergangenen Dienstag im Milla Club zu Gast war, sind es prägende Elemente aus der Kindheit. Klan erinnert stark an das englische Wort Clan und genau das sind die beiden Brüder aus Berlin auch – ein musikalisch versierter und ausdrucksstarker Soul-Pop-Clan. Denkt man bei Soul-Pop zunächst an Sunnyboys wie Tim Bendzko, überzeugt KLAN doch durch mehr Unangepasstheit und Tiefgründigkeit und tastet sich stellenweise auch in den Bereich des Hip-Hop und Trip-Hop vor. Stimmlich erinnert Sänger Michael an einen jungen Udo Lindenberg, jedoch klarer und kräftiger.…
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Hurra, Hurra – „Pumuckl – Das Musical“ im Gärtnerplatztheater (Theaterkritik)
Ganz München ist im Pumuckl-Fieber! Schon als der Vorverkauf begonnen hat, haben sich die Münchnerinnen und Münchner wie wild auf die Karten von „Pumuckl – Das Musical“ gestürzt und so alles in Windeseile ausverkauft – ohne auch nur einen einzigen Ton zu kennen! Denn das am 19. April 2018 Premiere feiernde Stück ist sogleich auch eine Uraufführung und ein Auftragswerk des Gärtnerplatztheaters, in welchem die kunterbunte Kult-Geschichte um den rothaarigen Kobold auch sein Zuhause gefunden hat. Dementsprechend gemischt ist auch das Publikum: vom jungen Vorschulkind bis zur älteren Dame ist jede Altersgruppe vorhanden, um sich bestens von den Geschichten des chaotischen Nervenbündels unterhalten zu lassen. Nicht nur imposant, sondern auch…
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Sleep – am 18. Mai im Technikum
Wie verbringt man den 20. April am besten? Ein dem Datum angemessenes Programm wäre sicherlich, es sich mit einigen würzig-grünen Erzeugnissen aus Mutters Heilkräutergarten vor dem Plattenspieler gemütlich zu machen und sich von Sleeps monumentalem Ein-Song-Album „Dopesmoker“ wie von einer psychedelisch angemalten, von Ozzy Osbourne gesteuerten Planierraupe in den nächstgelegenen Kaninchenbau schaufeln zu lassen. Gesteigert wird dieses Vergnügen sicherlich und nicht unerheblich dadurch, dass Sleep höchstselbst in wenigen Wochen, nämlich am 18. Mai im Technikum gastieren werden. Nachdem sich die Kalifornier Ende der 90er nach zwei bahnbrechenden Alben zwischenzeitlich aufgelöst haben, sind sie seit fast zehn Jahren wieder aktiv, was sich in sporadischen Live-Auftritten und einem 2014 veröffentlichten neuen Song zu…
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Prominent besetzter Nonsens – „Der Watzmann ruft“ im Deutschen Theater (Kritik)
Ralph Siegel, Bernhard Prinz, Barney Murphy und Günther Sigl von der Spider Murphy Gang und viele mehr – sie alle kamen am Mittwoch, 18. April 2018, ins Deutsche Theater, um sich die Neuinszenierung des Ambros-Kultmusical „Der Watzmann ruft“ anzusehen. Eine gute Basis dafür ist alleine schon die Besetzungsliste: Joesi Prokopetz und Christoph Fälbl als Urgesteine der österreichischen Comedyszene, Klaus Eberhartinger, bekannt als Sänger der EAV, und als „Wolfgang-Ambros-Ersatz“ der bayerische Liedermacher Mathias Kellner. Die Zeichen stehen also äußerst gut, selbst die fünfzehnminütige Verspätung, da ein Ensemble-Mitglied im legendären Münchner Stau hängengeblieben ist, kümmert da eher wenig – bis dann letztendlich um 19:45 Uhr das Licht erlischt und die Alpengesänge beginnen.…
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Roadtrip durch den Kopf – „Bilder deiner Großen Liebe“ beim Radikal Jung (Kritik)
Teenager sind pubertär: himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. So ist auch Isa. Isa ist das Mädchen in Wolfgang Herrendorfs „Tschick“ und die Protagonisten in seinem posthum veröffentlichten Fragment „Bilder deiner großen Liebe“. Erst vier Monate sind seit der Premiere am Hamburger Thalia Theater vergangen und schon wurde die Inszenierung von Marie Rosa Tietjen mit der Einladung zum radikal jung im Münchner Volkstheater geehrt. Wenn „Tschick“ einen Roadtrip thematisiert, dann ist „Bilder deiner großen Liebe„ wohl ein Roadtrip durch Isas Kopf. Die Heldin des Abends ist Birte Schnöink – zum einen durch die Rolle, zum anderen als großartige Schauspielerin, die eine Monsterwelle von Text unbeschwert und trotzdem sensibel meistert. Statt einem…