Vielleicht liebe ich dich, vielleicht auch nicht – „Fuck you, mon amour“ im Zentraltheater (Kritik)

Zwei Menschen, die nicht miteinander, aber auch nicht ohne einander können. Die sich lieben, aber auch nicht ausstehen. Sie fühlt sich schnell eingeengt, er vernachlässigt. Es ist kompliziert.

In diesem Kampf stecken die beiden Hauptfiguren Allen (Sebastian Gerold) und Florence (Friederike Sipp) des Theaterstücks „Fuck you, mon amour“, das am 08.05.2018  uraufgeführt wurde.  Vom deutschen Schriftsteller Martin Becker wurde es eigentlich ursprünglich als Hörspiel für den WDR konzipiert und ausgestrahlt, doch für die Bühne eignet es sich mindestens genauso gut, was das Ensemble im Zentraltheater nun bewiesen hat. Dieses kleine freie Theater im Herzen von München ist wie gemacht für ein intimes Stück wie dieses, bei dem das Publikum durch viel Interaktion und schauspielerischem Charme meisterhaft miteinbezogen wird. Das Thema lädt ja auch gut dazu ein. Jeder weiß schließlich, wie schwierig Beziehungen in unserer heutigen Zeit sein können – vor allem, wenn kleine „Monster“ wie Beziehungsangst und Entfernung mit dazu kommen.

Das 75-minütige Stück ist gestaltet wie ein Vortrag der Paartherapeutin Prof. Dr. Fuchs, die Allen und Florence als Vorzeigepaar benutzt und erklärt, was die beiden alles falsch und sich damit das Leben schwer machen.
Die Therapeutin wird von Ursula Berlinghof verkörpert, die mit jahrelanger Schauspielerfahrung und einem wunderbaren Humor auf der Bühne agiert, als wäre sie mit ihr verschmolzen. Auch Sebastian Gerold und Friederike Sipp spielen das Paar mit einer so großen Natürlichkeit, dass man gar nicht anders kann, als mitzufühlen. Man will ihnen zurufen, dass sie sich doch endlich entscheiden sollen. Das ständige „vielleicht“ ist ja ein allgemeines Problem bei Beziehungen in unserer heutigen Zeit. Wie soll man sich denn auch entscheiden, wenn man so viele Möglichkeiten hat?

© Manuel Nawrot

Szenen vom Kennenlernen bis hin zu dem Beziehungsalltag dienen als Handlungsgrundlage für das Stück. Dazu kommen noch charmante Nebenrollen wie der Barkeeper (Sandro Kirtzel), Florences Verehrer (Daniel Wittmann) und Karla, die Allen im Flugzeug kennenlernt (Rilana Nitsch).
Auch die Darsteller in den Nebenrollen machen das Stück mit ihrem schauspielerischen Können lebendig und man merkt beim Ensemble durch die Bank die gute Ausbildung, vor allem in der Stimmarbeit.

Es braucht nicht viel an Bühnenbild – eine hochziehbare Leinwand, zwei schwarze Wände und ein paar schwarze Sitzhocker reichen für das von Thomas M. Meinhardt (Regie) und Judith Toth (Dramturgie) inszenierte Stück, um zu wirken.
Das Lied „Leaving on a Jetplane“ von John Denver (wunderschöne Singstimme: Friederike Sipp) begleitet durch die Handlung als perfekte Songauswahl für das Thema des Stückes.

Es macht einfach Spaß, „Fuck you, mon amour“ anzusehen, denn das Thema Beziehungen und warum sie so kompliziert sein können, wird mit viel intelligentem Humor und Charme angegangen. Ein paar ernste Töne gibt es natürlich auch und es wird auch nicht zwanghaft versucht, Lösungsvorschläge zu bringen. Die Situation wird einfach so dargestellt, wie sie ist, und die Darsteller laden gekonnt dazu ein,  in sie hinein zu tauchen.

Tickets gibt´s nur noch für die Vorstellungen am 14.05. und 16.05., die anderen sind bereits ausverkauft.

Kritik: Kim Fischer