Feed The Machine – Red in der Backstage Halle (Bericht)

US-amerikanischer Alternative Rock brummt! Seit Jahren sind Bands wie Shinedown, Alter Bridge und Godsmack im Hype, selbst genre-ähnliche Mitstreiter wie Three Days Grace und Skillet bleiben relevant – es bleibt im Ohr, lädt zum Tanzen ein und begleitet einem zumeist schon über längere Zeit hinweg im Leben. Wieso manche Bands aber nie so richtig den Absprung schaffen, obwohl Genre und musikalische Raffinesse nicht nur passen, sondern den bekannten Vertretern meist überlegen sind, bleibt ein Rätsel. Red sind solche Kandidaten, die in Amerika eine grundsolide Fanbasis haben, aber in Europa immer noch vor wenigen hundert Fans ihre Songs zum Besten geben. Doch diese Mitstreiter*innen sind treue Gefährten, behalten die Tickets für das fünfmal (!) verschobene Konzert und werden belohnt: am 2. November 2022 stehen sie tatsächlich auf der Bühne der Backstage Halle.

Kurz vor knapp ist das in den Backstage Club verlegte Konzert noch in die Halle gewandert, zur Freude wohl aller Beteiligten, denn es wäre doch sehr voll geworden in der kleinsten Location des Alternativzentrums am Hirschgarten. Vor allem die Bands haben jetzt mehr Bewegungsspielraum, was Support Keith Wallen sogleich ein wenig nutzt. Um 21 Uhr legt er los (die Startzeit rührt noch von der Ursprungslocation, dem Strom), das Intro ist pathetisch und erinnert an „Interstellar“, unpathetischer wird es dann mit Band auch nicht. Die Solo-Songs des vorrangig als Gitarristen von Breaking Benjamin bekannten Musikers sind solide, haben aber recht wenig Drive und Abwechslungspotenzial, einzig „Fractured“ bringt die Menge zum Mitwippen. Ansonsten unterhält vor allem Wallen mit überbordender Gestikulation, überkandidelter Performance und nicht allzu sympathisch wirkenden Ansagen. Dafür, dass die 40 Minuten äußerst zäh vergehen und niemand so recht angetan von der Musik scheint, legt Wallen doch etwas zu viel Selbstüberschätzung in sich und sein Werk. Immerhin gesanglich liefert er, vor allem in den Höhen, beachtlich ab.

Setlist: All Eyes On You / Blue / It Finds Us All / Twilight / Like Home / Wildfire / Fractured / Crows / Dream Away

Wohl auch der Zeit geschuldet, verdunkelt sich bereits um 22 Uhr wieder der Raum und Red treten hervor. „Feed The Machine“, einer der größten Brecher ihrer Diskografie, soll auch den Abend eröffnen und regt gleich zu Beginn zu Euphoriestürme. Auch wenn die Band offensichtlich noch während der ersten Lieder abgemischt wird und sicher der Sound daher überraschend oft verändert, entschädigt die dermaßen eindrucksvolle und kraftvolle Performance sofort dafür. Insbesondere Frontmann Michael Barnes hüpft umher wie ein Gummibär, nutzt jeden Millimeter der Bühne und wirkt so aktiv, dass man sich fragt, was er wohl im Backstage Club gemacht hätte – die Galerie entlang geklettert? Zudem hervorgehoben werden muss die außerordentlich starke gesangliche Leistung von Barnes. Die Lieder von Red zeichnen große, mächtige und gerne auch einmal bedeutungsschwangere Refrains aus – und vor allem in einer gesanglichen Höhe, die dauernd auf Anschlag agiert. Kein einfaches Unterfangen bei einer 90-minütigen Headlinershow; doch Barnes greift, trotz der bereits seit einem Monat laufenden Tour, nicht auf Backing-Tracks zurück, sondern macht alles live und wechselt sogar zwischen gutturalem Screaming und wilden Höhen des Cleangesangs in rasender Schnelle. Wow!

Als Verfolger der Amerikaner hat man schon viele Alben und Bandphasen erlebt – mal etwas softer, dann wieder härter. 20 Jahre bespielen Red bereits den Planeten, dementsprechend groß das Songrepertoire. Für die EU-Tour haben sie sich für eine Best-Of-Setlist entschieden, die vor allem das aktuellste Werk „Declaration“, ihr Debütalbum und das wohl erfolgreichste „Until We Have Faces“ beleuchtet. Die Fans freut es, auch dramaturgisch – nach einem nicht enden wollenden Block aus purer Heavyness folgen ein paar emotionale Balladen, unter anderem das mächtige „Not Alone“, bevor der Härtegrad wieder angezogen wird. Einziger Kontrapunkt: irgendwann nutzt sich das epische, dauernd am Maximum des Singbaren etwas ab, man verstumpft die letzten Lieder und wird erst wieder zu „Breath Into Me“ in der Zugabe vollständig abgeholt. Doch so ist die Musik von Red und genau darauf haben die Anhänger*innen die vergangenen Jahre mit ihrem gekauften Ticket gewartet – und genau das haben sie bekommen!

Setlist: Feed The Machine / Let Go / Infidel / Fight Inside / Let It Burn / Lost / Buried Beneath / Not Alone / The Evening Hate / The War We Made / Already Over / Faceless / Death Of Me / Release The Panic / Shadows / Darkest Part / The Moment We Come AliveZugabe: Breath Into Me

Bericht: Ludwig Stadler