Guten Tag, liebes Glück – Max Raabe & Palast Orchester in der Isarphilharmonie

Heute ist ein guter Tag, um glücklich zu sein! Denn das sonst dauertourende, aber pandemiebedingt gestoppte Palast Orchester mit seinem Sänger Max Raabe hält wieder Einzug nach München. Genauer gesagt: in die Isarphilharmonie. Dort werden die eigentlich für 2020 angedachten Konzerte nun nachgeholt, am 1./2. November 2021 – restlos ausverkauft. Garanten für gute Stimmung gibt allein schon der Titel des Programms: „Guten Tag, liebes Glück“. Ein Abend mit Musik, die einfach nur Freude macht.

© Gregor Hohenberg

Als die zwölf Musiker*innen des Palast Orchesters, darunter zwölf Männer und die Violinistin Cecilia Crisafulli, die Bühne betreten, folgend von ihrem Sänger Max Raabe, geht es just in die erste Nummer des Abends: „Ich hör so gern Musik“. An diesem Abend kommen viele positive Punkte zusammen: die überragende Akustik der Isarphilharmonie, das fantastisch aufgelegte Palast Orchester, welches – nach Monaten endlich wieder auf Tour – sichtlich erfreut über das Spielen ist, nicht zuletzt die ausverkaufte Halle. Großartig hochtrabende und intellektuell fordernde Werke erwartet hier niemand, stattdessen gibt es einen Abend voller Leichtigkeit, humorvollen Anekdoten und Melodien und Texten aus einer vergangenen Epoche. Vorrangig Lieder aus den 20er- und 30er-Jahren werden zum Besten gegeben, unterbrochen von Eigenkompositionen der mittlerweile doch schon drei Alben von Max Raabe. Genau diese Lieder sind es aber auch, die am meisten Zuspruch erhalten – sie fallen nicht aus dem Rahmen, sind aber erfrischend zeitgemäß und eine pure Freude.

© Gregor Hohenberg

Das Publikum freut sich über die endlich wieder erklingenden Melodien: es wird gejubelt, geklatscht und gegen Ende des Konzerts sogar euphorisch reingerufen. Das alles mündet in stehenden Ovationen nach dem letzten Stück, die vollkommen zurecht den Musiker*innen zu teil werden. Natürlich kennt man den Großteil des Programms bereits, hat man schon einmal ein Konzert des Palast Orchesters besucht – viele Lieder sind fester Bestandteil, manche Witze von Raabe sind immer noch die gleichen wie vor ein paar Jahren. Und dennoch packt es immer wieder, wenn die Soli der Bläser und Streicher angesetzt werden und unweigerlich mitwippen lassen. Das ist Musik, wie man sie kennt, aber doch fast nie hört.

Zu wenig Musik gibt es an diesem Abend wahrlich nicht – knapp 30 Lieder stehen auf der Liste, unterbrochen von einer kleinen Pause. Die ist wohlverdient und tut dem Programm auch sehr gut, denn so wunderbar die Melodien und Textchen auch sind, thematisch ist das alles irre repetitiv, vor allem die Stücke aus der vergangenen Zeit behandeln dann doch immer wieder das übliche Thema: Liebe, Liebeleien und Umgarnung. Zwar achtet das Palast Orchester darauf, nichts zu spielen, was mittlerweile anstößig oder aus der Zeit gefallen ist, dennoch wird klar: ohne die eigenen Lieder von Raabe, die gelegentlich eingestreut werden, wären die zwei Stunden Musikprogramm doch etwas zu wenig abwechslungsreich. Zum Glück bleiben das nur Gedankenspiele, denn genauso wie es an diesem 2. November 2021 in der Isarphilharmonie gewesen ist, könnte es nicht besser sein. Heute ist ein guter Tag, um glücklich zu sein!

Programm:

Akt 1: Ich hör so gern Musik / Ich bin dein Mann / Zwei Treppen links im Nachbarhaus / Warum / Côte d’Azur / Wenn du von mir fortgehst / Kleine Lügen / Du gehst durch all meine Träume / Ich geh durch einen Park am Donnerstag / You’d Be So Nice To Come Home / Schöner Gigolo, armer Gigolo / Guten Tag, liebes Glück / Heute war ich bei der Frieda / Duerme / Fahrrad Fahr’n / Rosa, reizende Rosa / Avalon

Akt 2: Bel Ami / Die Moritat von Mackie Messer / Du weißt nichts von Liebe / Der perfekte Moment… wird heut verpennt / Wochenend und Sonnenschein / Du bist nicht die Erste / Just One Of Those Things / Am Amazonas / MamboZugabe 1: Küssen kann man nicht alleine / Mein kleiner grüner KaktusZugabe 2: Ave Maria No Morro

Bericht: Ludwig Stadler