Crawl! – Idles in der Muffathalle (Bericht)

Es ist der 27. April 2022, nach mehrfacher Verlegung dürfen heute endlich die IDLES in der Münchner Muffathalle aufspielen. Seit Ankündigung des ursprünglichen Konzert-Termins ist viel passiert: Ganze 2 Alben haben die Briten in der Zwischenzeit veröffentlicht und sind vom Post Punk-Durchstarter zu einem der vielversprechendsten Musikexporte Großbritanniens aufgestiegen. Trotz ihres kompromisslosen Sounds ist die Band längst im Mainstream angekommen und die Show seit Monaten ausverkauft.

Pünktlich um 20 Uhr eröffnen allerdings zunächst die Band Whispering Sons den Abend. Mit einem Bass-lastigen, bewusst monotonen Post Punk-Sound um die tief gehaltene Stimme von Frontfrau Fenne Kuppens sind sie eine hervorragend gewählte Vorgruppe. Rund 40 Minuten dürfen die Belgier das Publikum aufwärmen und ernten eine ordentliche Menge an Applaus.

© Tom Ham

Im Anschluss kommt allerdings nochmal ein anderes Level an Bewegung in die Angelegenheit: IDLES starten mit Colossus“ und Car Crash“ in den Abend, groß gefackelt wird dabei von Beginn an nicht. Bereits zum zweiten Song fordert Frontmann Joe Talbot die Menge zur Teilung auf, ihm sei zu warm, ab diesem Punkt gibt es binnen der nächsten knappen zwei Stunden keinen Moment des Stillstands mehr. Mit Songs wie Mother“, Never Fight a Man With a Perm“ oder neueren Werken wie Crawl!“ wird die Richtung des Abends schnell klar und sowohl die Band als auch das bunt gemischte Publikum sind nach zwei Jahren Pause mehr als bereit dafür.

Auch der eine oder andere Ausflug ins Publikum steht wieder auf der Tagesordnung von Gitarristen Lee Kiernan und Mark Bowen, letzterer lässt sich, über dem Publikum thronend, auch einmal unter sein Kleid schauen oder stimmt gemeinsam mit Talbot Pop-Diva Balladen an, während auf die Rückkehr Kiernans zur Bühne gewartet wird. Ganze 21 Songs werden zum Besten gegeben. Zum Grande Finale mit ihrer Hymne zur Immigration Danny Nedelko“ und Rottweiler“ dürfte im Publikum keiner mehr seine Stimme haben; selbes gilt wohl auch für die Band, die einmal mehr alles gegeben hat.

Setlist: Colossus / Car Crash / Mr. Motivator / Grounds / Mother / Meds / Divide And Conquer / The Beachland Ballroom / Never Fight a Man With a Perm / Crawl! / 1049 Gotho / When The Lights Come On / Love Song / Medley / The Wheel / Televison / MTT 420 RR / War / Wizz / I‘m Scum / Danny Nedelko / Rottweiler

Abschließend kann man sagen, dass die IDLES mehr als zurecht als eines der Flaggschiffe des britischen Alternative-Genres gelten. Die Kompromisslosigkeit im Sound und die sozialen Missstände in den Texten lassen die Grundidee des Punks einmal mehr aufleben.

Bericht: Luka Schwarzlose