Hinter den Mauern – Husten & Marlon Hammer im Hansa 39 (Bericht)

Im Hansa 39, Teil des Feierwerk-Komplexes, traten am Freitag, dem 14. Oktober 2022, gleich zwei Künstler auf, für die es sich einzeln schon gelohnt hätte, das Haus zu verlassen, die aber in Kombination einen sensationellen Abend gegeben haben.

© Leif Henrik Osthoff

Um kurz nach 20 Uhr eröffnet Marlon Hammer, der eigentlich Solo-Künstler ist, mit einem Ensemble aus Schlagzeug und Bass. Sein Sound liege irgendwo zwischen den Arctic Monkeys, Alligatoah & Queen, die Texte seien inspiriert von Rio Reiser, Casper und Herbert Grönemeyer, so wird der noch 17-jährige Durchstarter angekündigt. Und durchaus: das kann man so sehr gut unterschreiben.

Die Texte sind tiefgründig, die Melodien gehen ins Ohr. Zum Tanzen und Eskalieren reist man als Vorband natürlich selten vom Hocker, doch das Publikum geht mit, hat Spaß, jubelt und klatscht mit – und nimmt sich Zeit zum Zuhören und dem Einlassen auf die Musik. Marlons Musik scheint ohnehin nicht für gute Laune und eine Mordsgaudi gemacht – er will mit seiner Musik etwas sagen. Dass er nicht seit gestern auf der Bühne oder vor Publikum steht, merkt man ihm an. Er fühlt sich auf der Bühne wohl und weiß, was er tut. Von diesem Selbstbewusstsein können sich wohl viele Newcomer noch eine dicke Scheibe abschneiden. Erst dieses Jahr erschien seine EP „Bochum 2“. Daraus präsentiert er unter anderem seine Songs „24/7“, „Kennt ihr das“ oder auch „Hinter den Mauern“.

Darauf folgt der Hauptact Husten– und auch hier wird der Sound auf der Bühne selbst gemacht, Frontmann Gisbert zu Knyphausen trappt noch selbst auf der Loopstation rum. Nix Autotune! Das Schöne an dieser Band: Sie wissen absolut, was sie tun. Mit sechs erfahrenen Musikern, denen man die jahrelange Erfahrung anmerkt. Die Texte erzählen Geschichten und folgen einer naiven Gute-Laune-Poesie. Das Publikum kennt die Songs und freut sich, die Jungs live zu sehen. Diese wiederum haben so Spaß an ihrem Auftritt, dass man meinen möchte, hier hätte sich an diesem Abend ein großer Freundeskreis getroffen und einige davon jammen und einige tanzen dazu. Das Machtverhältnis zwischen

Band und Publikum spürt man hier gar nicht, weil jeder einfach nur eine gute Zeit hat. Ab und zu machen sie einen Witz, mal untereinander, mal in Richtung Publikum, mal ein Schluck Bier, dann ein Schluck Tee aus der Thermosflasche. Auch im Publikum werden Mate und Bier abwechselnd getrunken; jeder macht, was er will und wonach einem ist.

Bei Songs wie ‚An dich‘ ist die Stimmung in Richtung Rockkonzert, beim ‚Lied für den Notfall‘ werden alle ruhig und ein bisschen melancholisch. Dieses Spektrum wird abgedeckt, ohne dass ein Widerspruch entsteht oder man das Gefühl hat, ganz plötzlich würde die Stimmung kippen. Nach den Zugaberufen kommt die Band noch einmal auf die Bühne und spielt nochmal fast zwanzig Minuten – beachtlich lang. Ein Konzert, um dem Alltag zu entkommen und zugleich für den entspannten Besuch nach einem Arbeitstag. Ein Konzertabend, wie man ihn sich besser nicht wünschen kann!

Bericht: Jana Taendler