A Way Of Life – Hans Zimmer in der Olympiahalle (Bericht)

Erst zwei Wochen ist es her, dass Hans Zimmer im Bademantel via Live-Übertragung seinen Oscar für die Beste Filmmusik zum Film „Dune“ entgegengenommen hat. Der Academy Award ist dabei erst sein zweiter, der erste stand 1995 für „König der Löwen“ an. Beachtlich ist es allemal, ganze 12-mal wurde er bereits nominiert, weitere Filmepreise wie der Golden Globe übertreffen diese Anzahl sogar noch. Dass seine Scores beliebt sind, beweist auch der Grund, wieso er im Bademantel und im Stream an der Verleihung teilnimmt: er ist gerade auf großer Arena-Tournee und spielt die Melodien aus seinen großen Erfolgen. Halt macht die Tour dabei auch in München – am 9. April 2022 in der Olympiahalle.

© Frank Embacher

Restlos ausverkauft ist der Abend, rund 10.000 Menschen befinden sich in Münchens größter Konzerthalle. Die Stimmung ist höchst erwartungsvoll – kein Wunder, dürfte sich die Konzertkarte wohl schon seit mehreren Jahren in Besitz des Publikums finden. Doch die Zeit des VVK-Starts bis zum verschobenen Konzert wurde genutzt – Zimmer hat in der Zwischenzeit den Soundtrack zu Filmen wie „Wonder Woman 1984“, „James Bond: No Time To Die“ und natürlich „Dune“ realisiert, die allesamt Bestandteil der Liederliste werden können. Dementsprechend startet der Abend mit mystischen Gesängen aus „House Atreides“ gegen 20:05 Uhr, bevor die Leinwand nach oben fährt und den Blick auf das zahlreiche Musikant*innenensemble lüftet. Das darf auch gleich im folgenden „Mombasa“ aus „Inception“ ordentlich loslegen. Von Streichern, zwei Schlagzeugerinnen, einem eindrucksvollen Flötenspieler und natürlich der E-Gitarre ist alles vertreten – mittendrin Hans Zimmer selbst, der wild durch die Instrumente wechselt und wie ein kleines Kind Freude daran hat, seine Stücke auf der Bühne lebendig werden zu sehen.

© Frank Embacher

Zimmer hält die Ansagen natürlich selbst in Deutsch ab, erzählt ein paar Anekdoten, scherzt immer wieder über die Tatsache, dass seine internationale Band gar nicht verstehe, was er hier sage – und erwähnt gleich zu Beginn das Orchester, welches damals aus Odessa in der Ukraine gebucht wurde und von den 30 Musiker*innen es letztendlich zehn aus dem Land rausgeschafft haben, die nun die Tour mitfahren und anschließend in Bayern Asyl gewährt bekommen. Allein der Gedanke ist schon haarsträubend, nicht weniger die Umsetzung – die Münchner*innen begrüßen das Ensemble jedenfalls mit lautstarken Standing Ovations. Doch natürlich solle sich der Abend um Musik drehen, nicht um Probleme in der Welt, wie Zimmer festhält, und der Aussage macht er alle Ehre: am Ende des Abends, etwa um 23:15 Uhr, liegen knapp drei Stunden Live-Musik hinter den Anwesenden in der Olympiahalle, nur unterbrochen von einer Pause. An Musik mangelt es wohl kaum.

© Frank Embacher

Und auch die Produktion hat einiges zu bieten, denn eine derart beachtliche Bühne hat man wohl nur in Vor-Pandemie-Zeiten gesehen: riesige Leinwände, bewegende Licht-Anlage, mächtige Boxen mit mächtigem Sound. Selbst eine überdimensionierte Discokugel hängt über der Arena, die beim Medley zu „Interstellar“ zum Einsatz kommt. All das braucht es aber wohl auch, um dem Bombast, dem diese Lieder zugrunde liegen, gerecht zu werden. Zimmer ist bekannt dafür, die Scores im Bereich des Action- & Abenteuerfilms revolutioniert zu haben, seine sich aufbauenden Klanggewalten sind seither signifikanter Bestandteil von Blockbustern. Da wundert es nicht, dass die Lichtshow aus allen Rohren feuert, wenn ein Medley zur „Batman“-Trilogie von Christopher Nolan zum Besten gegeben wird. Auch riesige Wellen tun sich auf den Bildschirmen auf, sobald die ersten Töne zu „Fluch der Karibik“ erklingen. Und dennoch finden sich unbekanntere Stücke in der Setlist, wie beispielsweise die Suite aus dem Film „Rango“ oder Ausschnitte aus dem zweiten „Wonder Woman“-Film, der der Pandemie im Kino zum Opfer gefallen ist.

Diese Abwechslung und Bandbreite ist es auch, die das Publikum begeistert zurücklassen – egal ob harte Bandagen in „The Dark Knight“, verspielt Anmutendes aus „Der König der Löwen“, auskomponierte und violinlastige Sounds in „Fluch der Karibik“ oder absolute Stille und ergreifende Momente in Stücken wie „Time“, dass als zweite Zugabe den langen und ergiebigen Konzertabend abschließt. Als Filmliebhaber gilt Hans Zimmer fraglos als lebende Legende, vor allem in Hinblick auf sein reiches Schaffen und die abwechslungsreiche Diskografie. Dass diese Lieder auch live Substanz haben, hat er ein weiteres Mal in München unter Beweis gestellt!

Bericht: Ludwig Stadler