Dream Is Collapsing – Hans Zimmer im Brunnenhof (Bericht)

Hans Zimmer? Der deutschstämmige Hollywood-Komponist? In München, während der Pandemie? Die IAA Mobility beziehungsweise BMW machen es möglich. Dass Zimmer schon länger mit dem Münchner Autokonzern zusammenarbeitet, ist kein Geheimnis – aber ein dann doch tatsächlicher Auftritt in der bayerischen Landeshauptstadt ist noch einmal eine andere Art des Gastspiels. Am 8. September 2021, dem zweiten Tag der durchaus in München auch umstrittenen Automobilmesse, lädt BMW nun also in den Brunnenhof der Residenz – zumindest, wenn man zu den glücklichen Gewinnern des Gewinnspiels gehört, dass etwa eine Woche zuvor stattgefunden hat.

© BMW

Punkt 20:30 Uhr betritt dann auch passend ein Moderator von BMW die Bühne und erzählt ein paar Worte zur Firma und dem Verhältnis mit dem Komponisten – leider wenig wortgewandt und etwas neben der Spur, sodass es eine wahre Freude ist, als endlich Hans Zimmer mit seinem neunköpfigen Ensemble die Bühne betritt. Etwas weiter hinten sitzen noch allerlei Orchester-Musiker*innen der Münchner Symphoniker – es wird also auf Live-Musik gesetzt, unabhängig von der Anzahl der Musizierenden. Das hört man schon beim ersten Song-Medley des Abends: „Dream Is Collapsing“ und „Mombasa“ aus dem Film „Inception“ – der wahrscheinlich eindringlichste und mächtigste Soundtrack, den Zimmer jemals geschrieben hat. Der Sound fegt einen fast von den Klappstühlen, so wuchtig kommen vor allem die Percussions und Streicher aus den Boxen – ein mächtiger Auftakt.

Selbstredend durchstreift Zimmer seine gesamte Diskografie der vergangenen Jahrzehnte – von „Mission Impossible 2“ bis zu den Superman-Filmen, auch Ausschnitte aus „Da Vinci Code“ und „Interstellar“ dürfen nicht fehlen. Das heiß erwartete „Pirates Of The Carribean“-Medley hält er sich bis zum Schluss des regulären Sets auf, aber natürlich gibt der Maestro mit seinen Musikern auch noch eine kleine Zugabe in Form von einem „The Lion King“-Medley, inklusive Gastauftritt zweier Solist*innen, außerdem zum guten Abschluss einen Kreis ziehend: „Time“ aus „Inception“. Die Schaffenswerke sind lang, der Fundus schier endlos und die Zeit -natürlich- begrenzt. Insgesamt rund 75 Minuten gibt es einen Abriss der Werke. Leider noch ausstehend: ein kleiner Vorgeschmack auf den Soundtrack von „Dune“, dem kommenden Kino-Blockbuster.

Hans Zimmer selbst strotz nur so von Motivation und Spiellaune. Fast kindlich wirkt manchmal die Freude, von Instrument zu Instrument zu streifen und all diese Melodien, die im Kämmerlein entstanden sind, endlich nicht nur zum Leben erwachen zu sehen, sondern auch selbst daran mitzuspielen. Zumeist im eigens aufgebauten Programming-Pult, aber auch am Keyboard oder an der Gitarre tobt er sich aus, überlässt aber zumeist seinen fantastischen Mitmusiker*innen die Soli und den Applaus. Besonders hervorstechend dabei: Tina Guo, ihres Zeichens Cellistin und durch die Crossover-Arbeit mit Zimmer, aber auch Sabaton und Beyond The Black popkulturell äußerst gefragt und vielschichtig. Vor allem im Fluch der Karibik-Block darf sie solistisch glänzen. Im Gesamtpaket bleibt ein zwar kompaktes, aber doch imposantes Konzert, dass licht- und soundtechnisch aus allen Rohren feuert. Ein wenig drüber – aber das ist die Musik von Hans Zimmer ja auch irgendwie immer schon. Und die IAA auch.

Am 9. April 2022 kommt Hans Zimmer in die Olympiahalle. TICKETS gibt es HIER!

Bericht: Ludwig Stadler