»Des is koa Tuba, des is a Bazooka« – Dicht & Ergreifend auf dem Rosenheimer Sommerfestival

Dicht & Ergreifend Rosenheim SommerfestivalSamstag, 23. Juli 2022, Rosenheim. Es sieht nach Regen aus. Auf dem Gelände des Rosenheimer Sommerfestivals herrscht Jahrmarktsstimmung. Auf der Wiesenfläche neben der Mangfall tummeln sich Menschen, es riecht nach Grillfleisch, gebrannten Mandeln und Bier. Gerade war noch der Support-Act Kaffkiez zu hören. Jetzt bewegt sich der Stundenzeiger langsam auf 20 Uhr zu, auf der großen Bühne werden letzte Vorkehrungen getroffen, die seismische Kapazität der Basslautsprecher angedeutet.
Grund und Anlass des ausgelassenen Andrangs: Dicht & Ergreifend spielen heute und setzen damit einen (fulminanten) Schlusspunkt hinter das diesjährige Sommerfestival. Die niederbayrische Hiphop-Crew unter der Ägide der beiden MCs Lef Dutti (Fabian Frischmann) und George Urkwell (Michael Huber) ist zurzeit auf der ›Hirncabrio-Tour‹ unterwegs durch Süddeutschland und angrenzende Gebiete. Dazu haben sich die ›Dichtis‹ sogar einen Signature-Tanz überlegt, eine Meditation zum Freitanzen oder -spülen der ›Gehirnwindungen‹.

Mit Beats von DJ Spliff, Tuba (Phil Griagl) und Trompete (Lothar Beyschlag) bringt die Band fetten, hervorragend abgemischten Sound auf die Bühne und über die von der ersten Minute an motivierten Zuschauer*innen. Hubers Bein ist geschient, doch seine Krücke wirft er noch während des ersten Stücks von sich und wenn Humpeln nicht reicht, dann geht es/er auch ganz einbeinig. Eher entspanntere Nummern wie »Grias de God scheene Gegn’d«, die Erfolgssingle »Wandadoog« oder das enthusiastisch mitgesungene »Bierfahrerbeifahrer« dienen zum Aufwärmen, richtig Fahrt nimmt das Konzert – bei einbrechender Dämmerung und noch immer ausbleibendem Regen – auf, als die Band die Show von hinten her aufzäumt und zwei Songs – Konfetti umwirbelt – im abseits der Bühne geparkten (Hirn-)Cabrio performt.

Auf dem Rückweg zur Bühne wird »Zipfeschwinga« angestimmt, der Song, mit dem Dicht & Ergreifend vor einigen Jahren ihren Durchbruch erzielten. Dass ihre Geschichte mit ›diesem einen Song, den jeder kennt‹, noch keineswegs auserzählt ist, beweist das letzte Drittel des Abends, in dem die ›Dichtis‹ auch zwei Stücke ihres neuen, dritten Albums vorstellen, das im Frühjahr nächsten Jahres erscheinen soll und auf das man sich, auf Basis dieser Kostproben schon freuen darf. »Nein to Five«, »Wer schwankt hod mehr vom Weg« und besonders »Ohne uns«, der bissige Kulturlockdown-Kritik-Ohrwurm funktionieren prächtig und bringen reichlich Bewegung in die Menge. Dazwischen gibt es allerlei Schabernack, der mal mehr mal weniger gut zündet, aber in jedem Fall die ›Dichtis‹ als sympathische Dampfplauderer und (h)ausgemachte Entertainer zur Geltung bringt. Mit »Da Spliff« ist das Set vorläufig zu Ende, bevor sich die Band zu einer ausgiebigen Zugabe wieder einstellt – Höhepunkt: »Schofal Boogie«: »Des is koa Tuba, des is a Bazooka« – Amen!