Pathfinder – Bleed From Within im Hansa 39 (Bericht)

Metalcore boombt, fast täglichen sprießen neue, vielversprechende Gruppierungen aus der Erde und die relevanten Festivals kommen kaum hinterher, neue Bands zu buchen, die womöglich in ein paar Jahren die großen Bühnen der Welt beherrschen. Komplett richtig machen es hier Bleed From Within – die Schotten musizieren schon seit 17 Jahren gemeinsam, aber konnten 2020 mit dem Album „Fracture“ endlich den Sprung in die oberste Liga wagen. Musikalisch und textlich präsentieren sie eine Wucht von einem Album, die sich mit dem folgenden „Shrine“ noch einmal auf gleichem Niveau wiederholt. Kein Wunder also, dass sie ihre Headliner-Tour annähernd restlos ausverkaufen, so auch am 12. Dezember 2022 im Hansa 39 des Feierwerks. Grund könnte aber auch der namhafte Support sein: Humanity’s Last Breath und Allt!

Letztere sind es auch, die bereits um 19:30 Uhr den Abend eröffnen dürfen, entgegen des angesagten 20 Uhr-Beginns. Doch fleißige Instagram-Verfolger wissen natürlich über die Stagetime Bescheid und so sind die Bewunderer der Band allesamt anwesend, wenngleich der Raum noch spärlich gefüllt ist. Aufhalten lassen sich Allt davon nicht – die Mischung aus Melo-Death und Djent wärmt die Glieder auf, bringt die Menge zum Kopfnicken, irritiert aber auch aufgrund des arg basslastigen Sounds. Der wird im Laufe des 30-minütigen Sets aber immer besser, sodass die Schweden beim letzten Song gebürtig verabschiedet werden. Ein schöner München-Einstand!

Premiere in München dürften auch Humanity’s Last Breath feiern, die um 20:20 Uhr ihren Landesgenossen folgen. Es wollte nie sein – erst waren es verschobene Touren mit Routing-Problemen, dann die eigenen Solo-Shows, die der Pandemie zum Opfer fielen. Die Jahre zuvor beehren sie zwar fleißig das Euroblast-Festival in Köln, selten aber andere deutsche Städte. Nun ist es soweit und die knüppelharten Riffs und Breakdowns werden sofort aufgesogen. Allzu schnell und impulsiv ist die Musik der Schweden nicht, dafür aber pointiert und eben irrsinnig hart. Der Musik entsprechend wird auf großartige Bühnenshow und Interaktion verzichtet – es bleibt ein 40-minütiges, düsteres Theaterstück, das die Mannen um Mastermind Buster Odeholm darbieten. Das Publikum schließt da auch gern mal die Augen und taucht so in die atmosphärischen Deathcore-Welten ab. Mächtig – und ein verrückter Kontrast zu dem, was folgen sollte.

© Atonal Agency

Auch wenn die Menge sicherlich freudig die vorangegangenen Bands mitgenommen hat, ist der Grund für den Besuch letztendlich doch: Bleed From Within. Das zeigt sich ab dem ersten Ton, denn „I Am Damnation“ um 21:30 Uhr wird sogleich mit einem wimmligen Moshpit begleitet – und was für einem! Die Beobachter*innen positionieren weit hinten im Hansa 39, alternativ seitlich und verzichten auf eine allzu gute Sicht; die komplette restliche Menge ist ein Pulk aus Herumspringen und Übermotivierten. Das heizt auch die Band an – schon nach dem dritten Song „Levitate“ zieht Frontmann Scott Kennedy seinen imaginären Hut, München sei bisher die „craziest“ Show der Tour – es könnte eine Standard-Ansage sein, aber bei diesem treibenden Gemenge wohl eher nichts als die pure Wahrheit. Konsequent bringen sie also mit „Into Nothing“ den Einstieg in einen 3-Song-Block aus „Fracture“ – und damit den Startschuss für die völlige Eskalation.

Man kann schlecht Superlative steigern, wenn man schon mit einem einsteigt, aber Bleed From Within gelingt es, das Moshpit-Niveau in der Menge über ihre 65 Minuten Spielzeit konsequent zu halten. Sogar beim ruhigeren „Paradise“ gegen Ende nehmen es die Münchner*innen zum Anlass, eine der humorvollsten, aber auch zumeist fragwürdigsten Pit-Aktionen zu starten: das Rudern. Kennedys Grinsen von der Bühne bestätigt die Freude da nur noch einmal. Die Band selbst performt auf allerhöchstem Niveau, wenngleich sie erstmals ohne Bassist auf der Bühne stehen – Davie Provan musste kurzfristig wegen eines Notfalls nach Hause reißen. Wenngleich bedauerlich, merkt man das Fehlen kaum, die Bass-Spuren vom Band sind fein eingepflegt und die restlichen Musiker gleichen es mit ihrer Energie bestens aus. Den Gipfel erreichen alle zusammen in „The End Of All We Know“ – der wohl größte Hit der Schotten. Zahlreiches Crowdsurfen, ein riesiger Pit, zum ersten Riff eine Wall of Death und abschließend springt auch noch Sänger Kennedy in die Menge und lässt sich von den ersten Reihen nach oben halten. Was für ein Auftritt! Das nächste Gastspiel von Bleed From Within kann gar nicht schnell genug kommen.

Setlist: I Am Damnation / Sovereign / Levitate / Into Nothing / Pathfinder / Fracture / Flesh And Stone / Temple Of Lunacy / Afterlife / Stand Down / Paradise / The End Of All We Know

Bericht: Ludwig Stadler