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Spicey – Elephant Gym im Backstage (Konzertbericht)
Die drückende Schwüle hat sich den ganzen Tag über aufgebaut, als am Abend dieses Sonntags, 11. August 2019, dunkle Wolken am Himmel aufziehen. Ein kleiner Vorgeschmack auf das funkige Soundgewitter, das Elephant Gym an diesem Abend im Backstage Club abliefern sollten. Die Band aus Taiwan hat sich dem Math Rock verschrieben, einer rhythmisch besonders anspruchsvollen Variante der progressiven Musik, beeinflusst durch Bands wie King Crimson oder Bellini. Der Name ist dabei programmatisch zu verstehen: Der „Elephant“ steht für die zentrale Funktion des treibenden Basses, das „Gym“ nimmt Bezug auf die „Fingergymnastik“, die diese aufwändige Musik erfordert. Gegründet wurde die Band im Jahr 2012 durch den Gitarristen Tell Chang und seine…
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Herr der Gitarren – Joe Bonamassa in der Olympiahalle (Konzertbericht)
Der Blues hängt am 20. Mai 2019 in der Luft, als die Massen durch prasselnden Regen den Olympiapark zur Halle hin queren. Die Location ist vollbestuhlt an diesem Abend. Bis nahe an die Bühne heran ziehen sich die dichten Reihen der Stühle. Und sie füllen sich mit einem Publikum, das zu großen Teilen aus Männern in ledernen Jacken jenseits der Vierzig besteht. Ist es diese Riege der Altrocker, die die Musik Joe Bonamassas in München also anzieht? Ein ruhloses Volk, biertrinkend, bärtig, ewig der Freiheit der 70er- und 80er-Jahre hinterhertrauernd. Manche haben Frauen und Kinder dabei, manche sind in Anzug und hellblauem Hemd erschienen, die da die vordersten und teuersten…
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Awake My Soul – Mumford & Sons in der Olympiahalle (Konzertbericht)
Ob Marcus Mumford einen guten Altertumswissenschaftler abgäbe, hätte er nicht 2006 sein Studium abgebrochen und wäre nicht nach London gegangen, um sich dort seinen Weg ins Musik-Business zu bahnen, das können wir wohl kaum beantworten. Was wir aber feststellen können: Als Musiker funktionieren er und seine Band Mumford and Sons grandios. Das bewiesen sie einmal wieder am 1. Mai 2019 in der Olympiahalle. Zu diesem Datum zieht es die Bayern ja klassischerweise eher auf das traditionelle Maibaumaufstellen in sämtlichen Orten im Münchner Umland oder zumindest auf das Frühlingsfest. Nicht verwunderlich also, dass tatsächlich einige Lederhosen und Dirndl in der Menge zu sehen sind. Obwohl die Olympiahalle für das Konzert bereits…
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Joe Bonamassa – am 20. Mai in der Olympiahalle
Seit Jahren steht er nahezu unangefochten an der Spitze des Blues-Fraktion, und das nicht ohne Grund. Denn wie kaum ein anderer kann der 42-Jährige Joe Bonamassa bereits auf eine jahrzehntelange Musik-Karriere zurückblicken, von den Anfängen als Wunderknabe im Gitarrenladen seines Vaters bis hin zu den nur schwer zu überbietenden Platzierungen in den internationalen Album-Charts der letzten Jahre. Bonamassa ist trotz seines vergleichsweise jungen Alters bereits eine Legende, nicht nur Gitarristen aus aller Welt kennen und beneiden ihn, auch sein facettenreiches Songwriting und seine atemberaubenden Live-Auftritte haben ihn zu einem Ausnahme-Musiker gemacht. Auch sein neuestes Album „Redemption“ verbucht bereits weltweite Erfolge. Ähnlich wie der Jazz, lebt auch der Blues vom „Feeling“, vom…
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„Zu modern, selbst für heute“ – Helge Schneider in der Philharmonie (Kritik)
Es ist der 4. März 2019, Rosenmontag. Die Philharmonie ist an diesem Abend schon seit vielen Wochen restlos ausverkauft, denn angekündigt hat sich kein geringerer als Helge Schneider, das Urgestein der spontanen Musik-Blödelei und der vielleicht einzige Mensch, der es schafft, ein Instrument so zu spielen, dass es zugleich unvergleichbar humorvoll und dennoch virtuos und kunstfertig in den Ohren der Hörerschaft klingt. Ein Musiker, der seine Art, Musik zu spielen, auf seine ganze Show übertragen hat. Die Veranstaltung beginnt ziemlich pünktlich um 20 Uhr. Zuerst kommt die Band auf die Bühne: An der Gitarre der erfolgreiche Blueser Henrik Freischlader, schon ein kleines Highlight für sich, am Bass der Amerikaner Ira Coleman…
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Transparency – Chris Minh Doky in der Unterfahrt (Konzertbericht)
Einen spannenden Titel hat man da gewählt für das zweite Album des New Nordic Jazz Trio. Während die erste Platte sich programmatisch mit den nordischen Landschaften auseinandergesetzt hat, so versucht man nun mit Transparency, die Bewohner Skandinaviens musikalisch zu porträtieren. Man hat sich dabei aber nicht bestimmte Individuen vorgenommen, sondern versucht durch allgemein gefasste Songtitel wie „Brother“ oder „Woman“ möglichst viele Menschen anzusprechen. Auch dies ein kluger Schachzug, für den die träumerische bis rhythmisch spektakuläre Musik ein treffendes Vorbild bietet. Obwohl der bekannte Bassist Chris Minh Doky und seine beiden Musikerkollegen Peter Rosendal (Piano) und Jonas Johansen (Drums) der bayrischen Kulturhauptstadt ausgerechnet an einem Mittwoch kurz vor Weihnachten die Ehre…
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Chris Minh Doky – am 19. Dezember im Jazzclub Unterfahrt
Der Sohn einer dänischen Sängerin und eines vietnamesischen Gitarristen ging bereits mit 18 Jahren aus seiner Heimat Kopenhagen nach New York, um dort vor allem als E-Bassist mit den Weltgrößen aus Jazz und Fusion zu musizieren. In den letzten Jahren zog es den Musiker jedoch vermehrt zu seinen Wurzeln zurück. So hat er sich zusammengetan mit dem Pianisten Peter Rosendahl und dem Schlagzeuger Jonas Johansen. Zusammen versuchen sie sich nun im Trio am „New Nordic Jazz“, wie sie ihre Arbeiten bezeichnen. Man darf gespannt sein, wie sich Chris Minh Doky nun von der Zeit seiner amerikanischen Einflüsse distanziert. So habe sich das Trio im ersten Album mit der Natur der Nordischen…
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„…my light is almost gone…“ – The Big Chris Barber Band im Prinzregententheater (Kritik)
Erwartungsgemäß liegt der Altersdurchschnitt an diesem Donnerstag, dem 22. November 2018, sogar für Münchner Kulturverhältnisse ziemlich hoch. Kein Wunder, denn wer sich da angekündigt hat, ist eine Figur aus einer anderen Epoche, das darf man ruhig so sagen; einer Epoche, in der Swing und Jazz die Tanzlokale rund um die Welt zum Beben brachten, einer Epoche, an die sicherlich Manche an diesem Abend mit einem breiten Grinsen zurückdenken. Das Prinzregententheater ist gut gefüllt. Aus den Lautsprechern erklingen verschiedenste Stücke von 50er-Swing bis Gypsy Jazz. Recht pünktlich um 20 Uhr schaltet man das Saallicht ab und schließt die Türen des Prunkbaus. Auf der Bühne befinden sich bereits ein Schlagzeug, sowie ein…
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Laut und progressiv – Toska im Hansa 39 (Konzertbericht)
Gerade erst haben die drei Jungs von Toska, übrigens in Anlehnung an die allseits beliebte Puccini-Oper benannt, ihr zweites Studioalbum veröffentlicht unter dem Titel „Fire By The Silos“. Dieser suggeriert bereits: hier wird es noch einmal lauter und schneller. Wie sich das live ausgestaltet, sollte sich an diesem 14. November 2018 im Hansa 39 des Feierwerks jedoch erst noch zeigen. Denn man hatte gleich zwei Vorbands eingeladen, die beide durchaus auf ihre Art überzeugen konnten. Kurz nach 20 Uhr beginnen This Is Not An Elephant ihren Auftritt. Eine hochgezüchtete Metal-Gitarre von ESP, ein knackiger Fünfsaiter-Fender-Bass in schwarz, ein schnelles akzentuiertes Schlagzeugspiel mit Double-Bass – was man erwarten könnte, wäre aggressiver Metal.…
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Helge Schneider – am 4. März 2019 in der Philharmonie
„So virtuos bin ich gar nicht….“, hat Helge Schneider selbst letztes Jahr in einem österreichischen Fernsehmagazin geäußert. Nein, nicht virtuos, oder? Ist denn der Helge nicht nur dieser Komiker, ein „Blödler“ gar? Wer dieser Ansicht ist, hat den Ausnahme-Künstler wohl noch nie live erleben dürfen. Nicht „nur“ Klavier und andere Tasteninstrumente beherrscht er meisterlich, sondern zeigt sich ständig an neuen Instrumenten wie Saxophon und Trompete, brilliert an E-, Western- und spanischer Gitarre oder sitzt am Schlagzeug. Begleitet wird er dabei von seiner triumphalen Live-Band. Kein Wunder, denn der studierte Jazz-Musiker Schneider tritt auch regelmäßig bei Jazz-Festivals auf, dann sogar völlig ohne „Blödelei“. Doch genau die wollen wir bei diesem Auftritt…