„Morbius“ in der Filmkritik

Sony Pictures konnte sich in letzter Zeit wahrlich als Studio mit den finanziell gelungensten, aber auch vom Publikum geliebten Filmen brüsten, sei es die Videofilm-Verfilmung „Uncharted“ oder der Rekordbrecher „Spider-Man: No Way Home“. Ob das Erfolgstriple nun auch bei der nächsten Marvel-Verfilmung „Morbius“ gelingen mag, ist noch abzuwarten. Der Film rund um Jared Leto wurde viele Male verschoben und war doch bereits 2019 fertig abgedreht. Nun ist es soweit, seit dem 31. März 2022 läuft er tatsächlich in den Kinos der Nation – und dürfte das Publikum spalten.

„Morbius“, so könnte man es sehen, ist ein Film der alten Superheldenfilm-Garde, aber leider nicht unbedingt in den Motiven, die besonders glanzvoll waren: die Laufzeit liegt deutlich unter den aktuell üblichen zwei Stunden, die Handlung wirkt komprimiert, Figuren bleiben mehr Schemen als tiefe Charaktere und auch die Effekte sind eher im Stil von vor 15 Jahren. Dieser Retro-Trip scheint aber nur teilweise beabsichtigt, insgesamt versucht sich die Origins-Story eher an einer düsteren Antiheldengeschichte und versucht, das Gut/Böse-Schema irgendwie in Rechtfertigung der Opfermorde zu bringen (Morbius tötet die „Schlechten“, sein Antagonist wiederum auch die „Guten“). Eine komplizierte Ausgangslage…

Doch von Beginn an. Der Film schafft vor allem in den ersten Minuten einige Aspekte, die genug Interesse zur Weiterverfolgung wecken, wenngleich auch hier bereits etwas schwache Schnitte zum Schmunzeln bringen. Dennoch gelingt es aber auch so, die Beziehung zwischen Morbius und seinem Freund Milow, für dessen (und seine eigene) unheilbare Erkrankung er eine Lösung finden möchte, deutlich zu unterstreichen – wenngleich die Beziehung zwischen den Kindern letztendlich authentischer als die zwischen Leto und Matt Smith, der Milow in Erwachsenenform darstellt. Dabei ist Smith definitiv ein beachtlicher Ausreißer – er liefert, im Rahmen seiner Figur, eine konstant starke Performance ab und darf sich als völlig losgelöster Bösewicht gehen lassen. Was aber nun genau seine Motive sind und wieso er sich vollkommen wandelt, bleibt undurchsichtig. Kurzzeitig wird Neid auf die (äußerst holprige) Romanze zwischen Morbius und seiner Mit-Doktorin Martine Bancroft (Adria Arjona) angeteasert, letztendlich verläuft sich das aber schneller im Sand als es überhaupt im Gespräch war.

Das führt letztendlich zum größten Problem des Films: er weiß nicht, was er will. Viele gute und weniger gute Ansätze werden in einen Topf geworfen, der letztendlich in einem etwas undurchsichtigen Action-Grusel-Film mit wenig Blut und platten Witzen mündet. Das alles kann zwar Spaß machen, wenn man mit der richtigen Erwartungshaltung rangeht, ist aber vor allem im Vergleich mit weiteren Marvel-Filmen recht enttäuschend. Wirklich überraschend und auch etwas frech sind die im Trailer angeteaserten Querverweise auf Spider-Man oder weiteren Mit- und Gegenspielern, die im Film selbst völlig fehlen – einzig die Zeitung nennt sich Daily Bugle. In der Post-Credit-Scene taucht kurzzeitig Michael Keaton als Vulture auf und versucht, entgegen jeglicher MCU/SSU-Logik, etwas Größeres anzuteasern, dass sicher gut gemeint, aber schrecklich umgesetzt eher unangenehm als euphorisch das Publikum entlässt. Viel Potential schwach umgesetzt – schade.