Ich bin der Boss – Knorkator im Backstage Werk (Konzertbericht)

Die meiste Band der Welt, zurück in München. Zugegeben, wer Knorkator noch nicht kennt und sich auch nie mit ihnen beschäftigt hat, dürfte ziemlich überfordert mit dem musikalischen und vor allem textlichen Erguss der Berliner sein. Nonsens-Metal, auch oft Fun-Metal genannt, aber weit überlegen im Vergleich zu Genre-Kollegen wie J.B.O.! Der Grund ist schnell klar: technisch sind die Musiker dem Großteil der aktuellen Metaller weit überlegen, insbesondere Frontmann Stumpen als ausgebildeter, klassischer Sänger weiß immer wieder absolut zu begeistern. 2019 kam nun das bereits zehnte Studio-Album „Widerstand ist zwecklos“ auf den Markt, am 19. Oktober 2019 besuchen sie das restlos ausverkaufte Backstage Werk.

Eine Vorband? Gibt es nicht. Um 19:30 Uhr springt plötzlich ein Bildschirm auf der Bühne an und zeigt eine Stunde lang ein Sammelsurium an originalen Musikvideos von One Direction bis Ed Sheeran, die besonders schief nachsynchronisiert wurden – ein kleines Best-Of dieser schrägen YouTube-Trends sozusagen, der allerdings wirklich unterhaltsam und irrsinnig witzig ist. So klang das dann, bevor um Punkt 20:30 Uhr und einem besonders schief spielendem Orchester Knorkator endlich die Bühne betreten und mit „Absolution“ das Konzert beginnen. Damit wählen sie gleich zu Beginn ein Lied, das die Stimme von Sänger Stumpen in ihrem vollen Umfang repräsentiert – auch bei Songs wie dem kultigen „Weg nach unten“ und dem Anita Ward-Cover „Ring My Bell“ kommt seine Countertenor-Stimme ausdrucksstark zu Geltung. Besonders mächtig wird es in Kombination mit kreativem Kopf und Gründungsmitglied Alf Ator„Am Arsch“ von der neuen Platte wird so zum heimlichen Highlight des Abends.

Insgesamt 130 Minuten bespielen Knorkator die Münchner mit einem Allerlei von 1997 bis 2019 – ganze 25 Lieder stehen auf dem Plan, davon einige Raritäten, aber insbesondere auch sieben Lieder vom Neuling – kein Wunder, die neueste CD brilliert mit mächtigen Gitarren-Riffs, gewitzten Texten und musikalisch cleveren Kniffe, wie beim Takt-Mischmasch „Ein Wunsch“. Der Sound kommt der Band sowieso sehr entgegen, alles klingt gut ausgesteuert, dabei aber extrem laut und wuchtig. Das Publikum dankt es mit Jubelstürmen, Polonaisen durch die Arena und fleißigem Mitmachen der Aufforderungen von Stumpen. Mittendrin wird noch ein Stagediver konstant nach oben geworfen, zwei ältere Herren dürfen als Klavierständer auf der Bühne fungieren und Alf Ator zerdeppert ein Keyboard. Der ganz normale Wahnsinn also bei einem Konzert von Knorkator. Letztendlich bleibt ein starker und unterhaltsamer Abend – schade, dass das nächste Münchner Gastspiel wohl wieder drei Jahre auf sich warten lässt.

Setlist: Absolution / Du nich / Es kotzt mich an / Ein Wunsch / Revolution / Am Arsch / Alter Mann / Eigentum / Buchstage / Ring My Bell (Anita Ward cover) / All That She Wants (Ace Of Base cover) / Ich bin der Boss / Klartext / Hardcore / Ich hasse Musik / Krieg / Rette sich wer kann / Böse / Weg nach unten / Für meine Fans / Wir werden alle sterbenZugaben 1: Verflucht und zugenäht / Zähneputzen, Pullern und ab ins Bett / Zu kurzZugabe 2: Warum

Bericht: Ludwig Stadler

Vielen Dank an Ronja von Greenlight Photography für das Bereitstellen einiger Bilder!