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Sandarella singt – „Monty Python’s Das Leben das Brian“ im Gärtnerplatztheater (Kritik)
‚Wenn was richtig Gutes läuft, würde auch auch mal mit ins Theater gehen‘. Wer solche Leute im Bekanntenkreis hat, der hat nun eine tolle Empfehlung auszusprechen. Sie kann so klingen: ‚Du kennt doch „Das Leben des Brian“?‘ – ‚Klar‘ – ‚Dann lass uns das doch anschauen, es läuft nämlich sei dem 15. Juli 2021 im Gärtnerplatztheater!‘. Seit 2007 ist das von Eric Idle und John Du Prez kreierte komische Oratorium bereits in Nordamerika und Australien unterwegs. Nun verschlägt es dieses Konzert der anderen Art über den großen Teich und ausgerechnet ins konservative München. Und das Publikum findet es, um das schon vorwegzunehmen, grandios. Das Oratorium teilt sich in fünf Teile á vier bis…
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WiebuschBosseUhlmann – am 9. August im Olympiastadion
Kann es wirklich sein? Wohl ja! Eine Hamburger Allstar-Band hat sich zusammengeschlossen, um den Pandemie-Sommer 2021 mit guter Musik ein mächtiges Stück schöner zu machen: WiebuschBosseUhlmann. Dahinter stecken, haarscharf analysiert: Marcus Wiebusch von Kettcar, Bosse und Thees Uhlmann. Die drei spielen gemeinsam mit Band ihre Hits und Geheimtipps der eigenen Diskografie und dürften ein Garant für einen sommerlichen Abend sein, der womöglich, aber hoffentlich nicht, ein einmaliges Erlebnis wird. Zumindest, und allein das dürfte ein Anreiz sein, gibt es Songs von Kettcar zu hören, die bis auf Weiteres selten auf Bühnen erklingen, nachdem die Hamburger bis auf Weiteres in Bandpause verweilen. Eine feine Sache! Am 9. August 2021 auf der…
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Metal is back, Baby! – May The Tempest im Backstage Werk (Bericht)
„Metal is back, Baby!“ oder so ähnlich könnte die Überschrift dieses Textes lauten, wird sie aber nicht, weil der Chefredakteur diese bestimmt (Anm. Chefredakteur: Ha, damit haben Sie nun wahrlich nicht gerechnet, Herr Preißler!) Dennoch ist der Titel äußerst treffend, da sich am 10. Juli 2021 im beinahe ausverkaufen Backstage Werk die Münchner Metalcore Heroen May The Tempest, Resist The Ocean als perfekte Nürnberger Ergänzung und Newcomer Order 46 die Klinke in die Hand geben, um nach langer Breakdown-Abstinenz endlich wieder die Dezibel-Keule auf die bayerische Landeshauptstadt niederfahren zu lassen. Was für ein Abend. Aber genug der vorweggenommenen Begeisterung, denn Order 46 müssen ihren Job noch machen. Pünktlich um 20:00…
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Tollwood Sommerfestival 2021 – bis zum 22. August 2021!
Was für eine schöne Meldung! Eine Institution, ohne die der Münchner Sommer doch sehr leer aussieht, findet wieder statt: das Tollwood Sommerfestival 2021! Natürlich nicht in der Größe und Ausgelassenheit wie üblich, aber immerhin in etwas minimierter Fassung mit Zulaufbeschränkung, ohne Zelte und daher vollkommen an der frischen Luft. Wie voll es grade ist, kann man im Internet verfolgen, damit die Fahrt womöglich nicht ein trauriges Ende nimmt. Ansonsten gilt die 3G-Regel: getestet, geimpft oder genesen. Damit dürfte ein unbeschwerter und angenehmer Besuch durchaus möglich sein. Es findet vom 1. Juli bis 22. August 2021 am altbekannten Ort im Olympiapark Süd statt. Natürlich spielt auch wieder der Klima- und Umweltschutz eine…
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Kissenschlacht auf der Opernbühne – „Der Barbier von Sevilla“ im Gärtnerplatztheater (Kritik)
Eine opera buffa, etwas Unterhaltsames, um sich zu amüsieren: so kennt man den „Barbier von Sevilla“. Nachdem Gioachino Rossini sich dieses zu seinen Lebzeiten bereits beliebten Stoffes einmal angenommen hatte, floss die Oper in nur wenigen Wochen geradezu aus seine Feder. Genau so ergeht es einem in der neuen Inszenierung von Josef E. Köpplinger am Gärtnerplatztheater – sie vergeht wie im Flug. Wild und bunt geht es in den Inszenierungen, die der Chef des Hauses übernimmt, meistens zu, und so ist auch dieser Abend optisch und musikalisch ein Fest. Das Setting: eine Kulisse aus riesiger Kaktustapete, die an den Wilden Westen oder wenigstens die Wüste erinnert, dazu die Kostüme (Alfred Mayerhofer) im Stil…
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Kultursommer in der Stadt – im Olympiastadion 2021
Der Kultursommer in der Stadt ist zurück! Leider geht das damit einher, dass die Pandemie immer noch allgegenwärtig und dementsprechend noch nicht überwunden ist, aber zumindest derzeit so gut im Griff, dass man guten Gewissens endlich wieder Live-Musik unter freiem Himmel erleben kann. Aber nun startet wieder die große Offensive: eine Wanderbühne durch München, allerlei Musik an den verschiedensten Bühnen in München von Knödelplatz im Werksviertel-Mitte bis zur Bühne im Münchner Stadtmuseum. Das volle Programm findet ihr HIER! Genau wie vergangenes Jahr bei der Sommerbühne teilen sich verschiedene Veranstalter im Olympiastadion den Ort und die Bühne, um dort Konzerte zu veranstalten – dieses Mal tatsächlich im Stadion selbst, da die…
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Der verlängerte Todestrank – „Tristan und Isolde“ in der Staatsoper (Kritik)
Seit deren Ankündigung dürfte „Tristan und Isolde“ die am sehnlichsten erwartete Neuproduktion des Opernjahres 2020/2021 sein – nicht nur an der Bayerischen Staatsoper, sondern auch darüber hinaus. Nicht nur ist es die letzte große Festspielpremiere im Nationaltheater in der Intendanz von Nikolaus Bachler, auch ist es mit Rollendebüts von Jonas Kaufmann und Anja Harteros verbunden. Die Oper von Richard Wagner beendet den Pfad, den Bachler und der damalige Generalmusikdirektor Kirill Petrenko gemeinsam gegangen sind: das Wagner-Repertoire neu denken. Ehrensache, dass Petrenko für diese Produktion zurück ans Dirigentenpult kommt. Das Nationaltheater platzt, im Rahmen des Erlaubten, aus allen Nähten – mit der Kapazitätserhöhung wurden die zusätzlichen Plätze rasend schnell verkauft und…
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Textschwall in großer Kulisse – „Herz aus Glas“ im Marstall (Kritik)
Schon die Fotos auf der Website und dem Instagram Account des Residenztheaters versprechen viel von diesem Premierensamstag, dem 3. Juli 2021 im Marstall. Als Textvorlage dient das 1976 erschiene gleichnamige Drehbuch „Herz aus Glas“, daraus hat Elsa-Sophie Jach nun mit einem siebenköpfigen Ensemble einen fulminanten Abend entwickelt. Die Figuren teilen sich dabei in ‚das Dorf‘ und ‚den Seher’, wie bereits das Kostüm erkennen lässt. Die Dorfbewohner erinnern mit aufgetürmten Perücken und Spitzenkragen in Kombination mit verwahrlost wirkenden bunten Jogginganzügen an das Video von Falcos „Rock Me Amadeus“. Ihre Einheit wird noch deutlicher durch den chorischen Sprech, mit dem sie den Romantext vortragen. Heraus sticht eine unauffällig in schwarz gekleidete Pia Händler als…
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Mord als Mitgift – „Der Freischütz“ in der Staatsoper (Kritik)
Es sei die „erste deutsche Nationaloper“, hieß es damals 1821, nach der Uraufführung von Carl Maria von Webers „Der Freischütz“. Und tatsächlich, die Förster- und Jagdoper, die irgendwo zwischen Drama und Operette tingelt, hält sich bis heute im Repertoire unzähliger Opernhäuser und wird frenetisch bejubelt. Nur logisch, dass die Bayerische Staatsoper dem Werk eine neue Politur verpasst – in der Theaterwelt also eine Neuproduktion, für dessen Inszenierung sich Dmitri Tcherniakov verantwortlich zeichnet. Die Premiere fand lockdownbedingt am 13. Februar 2021 online statt, bei den Opernfestspielen kommt es nun erstmals zu Vorstellungen mit Publikum. Das Bühnenbild passt auf den ersten Blick so gar nicht ins rustikal-bäuerliche Ambiente: moderne Holztäfelungen, hochwertige Einrichtung,…
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Der Kampf um die Rechte – „Bayerische Suffragetten“ in den Kammerspielen (Kritik)
Es ist Pride Month. Jedes hippe Unternehmen hat das eigene Logo mit Regenbogenfarben aufgepeppt, selbst die Münchner Verkehrsbetriebe haben jeden Bus mit einem bunten Fähnchen ausgestattet. Da ist ein Stück über Gleichberechtigung ja quasi Pflichtprogramm, möchte man meinen. Doch statt pauschal über Unterdrückung und Queerfeindlichkeit in dieser, unserer patriarchalischen Gesellschaft zu schwadronieren, präsentieren die Münchner Kammerspiele einen Rückblick auf erste Initiativen der Gleichberechtigung, als von Equal Pay und Quoten in Vorständen noch lange keine Rede sein konnte. Bayrische Suffragetten gibt dabei aufregend und unterhaltsam, aber zugleich keineswegs oberflächlich einen Einblick in den Kampf einer Gruppe couragierter Frauen vor mehr als 150 Jahren. Jessica Glause inszeniert überlieferte Texte wie Tagebucheinträge und Briefe kombiniert mit…