To The Top – SWMRS in der Kranhalle München (Konzertbericht)

Schon beim Betreten der Lokalität kommen einem unzählige T-Shirts der Bands entgegen: SWMRS sind zum ersten Mal in München! Am 19. September 2017 war die Kranhalle im Feierwerk-Komplex auf dem Tourplan und so zogen alle bayerischen Fans dorthin, um sich die Punkshow der Jungs aus Kalifornien anzusehen. Als Support waren die genauso jungen und ausgeflippt-punkigen The Regrettes ausgewählt. Was bereits auf den ersten Blick ins Auge stach, war das verhältnismäßig junge Publikum, größtenteils U20, die älteren Besucher waren oft Eltern oder gar Großeltern, die ihre Kinder oder Enkel begleiteten und/oder letztendlich als Aufsicht fungierten.

Um exakt 20:30 Uhr erlosch das Licht und The Regrettes betraten die Bühne. Drei weibliche Musikerinnen an Gitarre, Bass und Gesang zzgl. Gitarre, ein männlicher Schlagzeuger und alle jung und attraktiv – fast ein wenig das, was man an diesem Abend bereits erwarten konnte. Mit „I Don’t Like You“ begannen die Musiker aus Los Angeles allerdings bereits mit einer sehr coolen Rocknummer, die wunderbar abgemischt wurde, sodass man Stimme genauso gut wie die Instrumental-Front wahrnehmen konnte. Das Publikum ging sofort maximal mit und – man mag es in Anbetracht des Alters gar nicht glauben – feierte fast vollkommen ohne Handy einfach nur zur Musik. Der anscheinend „erste Auftritt in Europa überhaupt“ wurde mitreißend und anregend performt, die Musik selbst ist einfach und schlicht, auf Dauer fast zu ähnlich und schlicht wenig Besonderes. Vor allem hervorgehoben und letztendlich auch getragen wird das musikalische von Schlagzeuger Maxx Morando. Sein schnelles, pointiertes und vor Spielfreude strotzendes Drumming trägt die Lieder maßgeblich und stachelte das Publikum immer wieder aufs Neue an. Nach Songs wie „Seashore“ und „Hey Now“ fand die Set im Band-Kracher „Hot“ ihren Höhepunkt und Abschluss und sorgte für einheizende 30 Minuten, die ordentlich Interesse auf den Headliner machten.

Setlist: I Don’t Like You / Juicebox Baby / Hey Now / Picture Perfect / A Living Human Girl / Lacy Loo / Seashore / Red Light / Hot

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Dieser Headliner baute aber erst einmal 30 Minuten komplett um, bevor SWMRS endlich um 21:30 Uhr die Bühne entern sollten. Schon als die Band die Bühne im Dunkeln betrat, war der Lautstärke-Pegel auf ein Maximum hochgefahren, welches sich beim ersten Ton des Openers „Palm Trees“ nochmals steigern sollte. Während das Publikum nämlich schon sehr ordentlich mitspringt und –tanzt, eskaliert die Band wortwörtlich, so wie man es lange nicht mehr, wenn nicht sogar noch nie gesehen hat. Unabhängig von der Tatsache, dass auch hierbei natürlich alle vier männlichen Musiker höchst attraktiv aussehen, was dem größtenteils weiblichen Publikum gefiel, wusste die Musik in vollem Maße und bis zum letzten Ton zu überzeugen. Störte einen auf der Platte noch der oftmals unnötige Einsatz von Autotune, wurde man schnellstens davon überzeugt, dass dies eher ein künstlerischer als ein nötiger Einsatz war, denn Frontmann Cole Becker wusste, wie man zu singen hat; und auch wenn das Mikro fast konstant zu leise eingestellt war, konnte man die gesangliche Leistung problemlos als wirklich solide einstufen – doch eher seltener bei einer ordentlichen Punkrock-Band.

Bereits nach dem ersten Song öffnete Drummer Joey Armstrong (ja, das ist tatsächlich der Sohn von Green Day-Sänger Billie Joe Armstrong) zwei Wasserflaschen und kippte sie über dem gesamten Publikum aus. Allgemein wirkte er ungemein motiviert und trommelte mit einer unfassbaren Geschwindigkeit und Zielgenauigkeit durch die Setlist, auch wenn er dabei stets etwas weggetreten wirkte, wie manch andere Bandmitglieder auch; wahrscheinlich hat man sich vorher einen kurzen Besuch auf dem Oktoberfest genehmigt, wenn man schon mal in München gelandet ist, wer weiß – eine negative Auswirkung auf die Show hatte es jedenfalls nicht.
Zugegeben, man merkt, dass die Band seit inzwischen Jahren die konstant gleiche Setlist spielt. Es ist eingespielt bis ins letzte Detail, jede Note sitzt. Umso erfrischender, als mit „I Wanna Be Sedated“ ein Cover der Kult-Band Ramones kam, mit dem sicherlich fast keiner der Konzertbesucher gerechnet hätte. Eine schöne Abwechslung des doch sonst sehr zielstrebig verlaufenden SWMRS-Stil.

Zugegeben, der Auftritt im Gesamten war natürlich etwas kurz. Insgesamt 14 Lieder in 55 Minuten ist eine etwas magere Leistung – allerdings hat die Band erst ein Album, das sie fast in gänzlicher Länge darbot. Insofern bekam man das Vollprogramm in einer kleinen, familiären Location.
Das Zusammenspiel von Publikum und Band war ein großartig funktionierendes an diesem Abend, auf jede Aufforderung wurde prompt lautstark reagiert; es war ein harmonisches und sich gegenseitig motivierendes Miteinander. Während die Kalifornier auf der Bühne von der einen Seite auf die andere hüpften, sorgten die Fans für Mosphits, Wall Of Deaths, viele Jumps und sogar einem Circle-Pit bei der Zugabe „Drive North“. Nach dieser um etwa 22:25 Uhr war der ganze Spaß leider schon wieder vorbei, aber das Publikum ging sichtlich glücklich nach Hause.

Setlist: Palm Trees / BRB / Harry Dean / Silver Bullet / Miss Yer Kiss / Uncool / Miley / D’You Have A Car? / Lose It / I Wanna Be Sedated (Ramones Cover) / Turn Up / Figuring It OutZugabe: Hannah / Drive North

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Fazit: Was man hier für wirklich wenig Geld für ein Konzert geboten bekam, war absolut fantastisch. The Regrettes mimten einen schönen Einheizer, während SWMRS tatsächlich und zurecht der Höhepunkt des Abends war. Satte 14 Lieder wurden in Rekordzeit von unter 55 Minuten durchgespielt, trotz gelegentlichen längeren Ansagen – eine intensive und impulsive Punkshow, die ohne große Pausen ordentlich nach vorne ging und dem Publikum genau das gab, was sie wollten: einen großartigen Abend zum Mitsingen und Mittanzen. Ein wunderbares Konzert und eine herzliche Empfehlung, sollten sich die Mannen aus Oakland wieder nach München bewegen.

Bericht: Ludwig Stadler
Fotos: Thomas Steinbrunner