Die Weiherspiele sind zurück – mit „Das Wirtshaus im Eberwald“ (Bericht)

In diesem Sommer der endlich nachgeholten Konzerte, der wieder stattfindenden Festivals und der wieder aufblühenden Kultur, finden sich auch in Markt Schwaben die Mitglieder des Theatervereins zusammen, um ihre seit Jahrzehnten bekannten Weiherspiele zum Besten zu geben. Die Weiherspiele sind ein ganz besonderes Ereignis, scheut der Theaterverein doch keine Kosten und Mühen, um ihr Freilufttheater nicht auf einer normalen Bühne oder in einer Mehrzweckhalle, sondern auf dem Kirchweiher im Ortskern aufführen zu können. Das sorgt freilich für eine ganz besondere Stimmung, und so finden sich Darsteller*innen und Zuschauer*innen zur Premiere am Freitag, dem 1. Juli 2022 um kurz nach 20 Uhr ein, erleichtert darüber, dass der Regen aufgehört hat, und gespannt, was sie da erwarten möge.

© Theaterverein Markt Schwaben

Nachdem in den vergangenen vier Jahrzehnten von selbst geschriebenen Stücken bis zum allseits bekannten Brandner Kaspar alles dabei war, spielt der Verein in diesem Jahr mit einer Mischung aus beidem auf: Das ‚Wirtshaus im Eberwald‘ lehnt sich stark an die Handlung des 1958 erschienenen Filmes ‚Wirtshaus im Spessart‘ an – ursprünglich entstammt die Handlung sogar der Feder Wilhem Hauffs! Doch für jene, denen die Handlung nicht geläufig ist, nochmal ein kurzer Abriss: Eine Räuberbande intrigiert im dunklen, weiten Wald, gemeinsam mit dem einzigen Wirtshaus am Platz: Die durchreisende Komtess von Keilerberg (Sabine Bogenrieder) soll entführt und vom Verlobten Baron von Sperling (Franz Stetter) Lösegeld erpresst werden. Natürlich haben weder der Vater der Komtess (Franz Hermannsgabner), der die Ehe arrangiert hat, noch der Verlobte, entgegen des schönen Scheins, einen Heller in der Tasche und die junge Frau nimmt ihr Schicksal als Räuber verkleidet selbst in die Hand. Es entsteht ein lustiges Versteck- und Verwechselspiel.

Mit eingängigen Liedern und Melodien von Christian Jäger und Ferdinand Maurer werden die Szenen aufgelockert. Das ohnehin schon beeindruckende Bühnenbild von Michael Siegert und Uwe Wilfert wird mit der Dämmerung in die bunten Farben der Scheinwerfer getaucht, die sich im Weiher spiegeln – allein dafür lohnt sich die Anfahrt in den Münchner Vorort. Gegen Ende trauen sich sogar ein paar Glühwürmchen raus. Den Darstellern merkt man ihre Lust auf das Spektakel an, aber auch die Jahre der Erfahrung, und so schreien und lachen, erschrecken und singen sie, als wären sie Schauspieler*innen von Beruf und nicht zum Hobby.

© Theaterverein Markt Schwaben

Ganz vorn dabei sind Christian Jäger und Ferdinand Maurer, die als Räuber den Abend eröffnen. Doch auch Sabine Bogenrieder als Komtess merkt man die Freude am Schauspiel durchgehend an; sie schafft es, im Stück eine Frau zu spielen, die sich verstellt und vorgibt, ein Mann zu sein, platzt dann in der nächsten Szene wieder heraus mit leidenschaftlicher Entrüstung und Liebe zur Gerechtigkeit. Doch auch die jüngere Generation wird mit Finn Uetzmann und Michael Schweighart als Goldschmiede Felix und Max mit eingebunden. In Markt Schwaben finden junge Menschen Theater offensichtlich nicht fad und langweilig, sondern sind sogar bereit, sich selbst im Kostüm auf die Bretter zu stellen. Im Allgemeinen kann man vor dem Theaterverein im Markt Schwaben nur den Hut ziehen, beweist er doch, dass mit vorausschauender Planung, Leidenschaft und zahlreichem ehrenamtlichen Einsatz eine Großveranstaltung auf die Beine gestellt werden kann, die sich trägt und mit den Jahren auch wachsen kann. Jeder, der hier aufwächst oder lebt, kann sich glücklich schätzen, mit einer so tollen Möglichkeit der kreativen, musikalischen oder künstlerischen Auslebung direkt vor der Haustür.

Auch in diesem Jahr hat Ferdinand Maurer, der neben dem darstellerischen Part auch die Regie äußerst gelungen übernommen hat, mit dem „Wirtshaus im Eberwald“ wieder einen Abend für die ganze Familie geschaffen. Noch schöner wäre der Abend nur mit Live-Musik und -Gesang. Doch auch so: die Rückkehr nach der Pandemie-Pause ist beachtlich gelungen!

Bis zum 30. Juli besteht noch die Möglichkeit, die Weiherspiele zu besuchen.
Infos und Ticket HIER!

Kritik: Jana Taendler