-
Big Swimmer – King Hannah im Strom (Bericht)
Pfingstmontagabend, der 9. Juni: Dem Strom-Club strömt eine generational und subkulturell gut durchmische Gruppe von Musikliebhaber*innen zu. Was sie eint, ist die Hingabe an eine Geschichte, nämlich die von der Lebensenergie, die sich durch übersteuerte Gitarren hinein in Lethargie und Ziellosigkeit entlädt, und von einer Stimme, die durch das klangliche Chaos hindurch etwas Wesentliches vermeldet. Einladung zu solchen Hoffnungen geben King Hannah, das eigenwillige Indie-Rock-Duo, das seit einiger Zeit die einschlägigen Köpfe rotieren und Augenbrauen sich heben lässt. Im schon vor Beginn des Konzerts heißen und stickigen Strom betritt der Support-Act Paul Holland die Bühne. Der Singer-Songwriter beschreibt sich selbst als im Indie-Folk verwurzelt, mit Einflüssen von Soul, Blues und…
-
Raise the Dead – Dark Easter Metal Meeting 2025 (Bericht)
Wieder einmal haben wir die Freude vom Dark Easter Metal Meeting zu berichten. Das Konzept ist mittlerweile bekannt, erprobt, bewährt und begehrt: Zwei Tage, Karsamstag und Ostersonntag, drei Bühnen, vor allem Black- und Death Metal mit orthodoxer Stoßrichtung. Das spiegelt sich schon in den Headlinern der 2025er-Ausgabe wieder: mit Belphegor, Moonsorrow, Gorgoroth und Absu führen vier altgediente (und in Teilen nicht unumstrittene) Kapellen mit Kult- bis Legendenstatus das österliche Vergnügen an. Hinter ihnen im Totentanz geben sich Vertreter*innen zwischen D(S)BM und Black Thrash die Klinken im Backstage in die Hand. Auch in diesem Jahr zog das Line-Up genug Besucher*innen an, um das DEMM Wochen im Voraus ausverkauft sein zu lassen.…
-
King Hannah – am 9. Juni im Strom
»He said, ›So tell me something about you‹/I said, ›Well I’m a singer, musician too‹/He said, ›Oh no, not another one.‹« – mit diesen Zeilen eröffnet Hannah Merrick den Song »New York, Let’s Do Nothing«, zu finden auf der aktuellen, zweiten LP des Duos King Hannah, das sie zusammen mit Gitarrist Craig Whittle bildet. Whittle sah Merrick einst bei einem Open-Mic-Wettbewerb in Liverpool und war von ihrem enigmatischen Auftreten, der Coolness ihrer eigentümlichen walisischen Intonation fasziniert. Es dauerte aber noch zwei Jahre, ehe die beiden sich zufällig als Angestellte im selben Pub wieder begegneten und beschlossen, gemeinsam Musik zu machen – Musik im Angesicht ihrer Vergeblichkeit, im Angesicht dessen, dass…
-
Frühlingserwachen – Dark Easter Metal Meeting 2024 – Tag 2
Am Ostersonntag, den 31.03.2024 geht das dunkle Treiben auf dem Dark Easter Metal Meeting munter weiter. Einen gemäßigten Einstieg bereiten Chapel of Disease, die Tag 2 des DEMM mit ihrem Melodie-verliebten Death Metal im Werk eröffnen, gefolgt von den urigen Perchta in der Halle.Spätestens mit Endstille ist dann wieder Flughöhe erreicht. Die Band, die (Anti-)Kriegs-Black Metal gespielt hat, bevor es cool war, kann sich über ein voll besetztes Werk freuen – kein Wunder, angesichts des triumphalen und unerwarteten Comebacks, das sie nach zehnjähriger Sendepause letztes Jahr mit »DetoNation« feierten. Endstille lassen nichts anbrennen; Sänger Zingultus zeigt sich stimmlich in herausragender Verfassung und auch der Rest der Band holzt munter durchs…
-
The Funeral Smell – Dark Easter Metal Meeting 2024 – Tag 1
Karsamstag, der 30. März. Am Kiosk im Münchner Hauptbahnhof treffen sich die Roten und die Schwarzen beim vorsorglichen Bierkauf. Auf den roten T-Shirts stehen die Nummern und Namen der Bayern-Spieler, die heute gegen Dortmund verlieren werden. Was auf den schwarzen T-Shirts und Kutten steht, ist meist unleserlich, und weist die Träger*innen doch eindeutig als Besucher*innen des Dark Easter Metal Meeting aus, das an diesem Osterwochenende zum nunmehr elften Mal das Backstage zur Pilgerstätte für Black- und Death Metal-Fans aus ganz Europa werden lässt.Auf den drei Bühnen der Kult-Location geben sich an zwei langen Nachmittagen und Abenden verschiedenste Bands die Klinke, respektive das Mikrophon in die Hand. Dabei liegt der Fokus…
-
Blooms of Oblivion – Emma Ruth Rundle in der Matthäuskirche (Bericht)
Dienstagabend, der 18. Juli. Aus dem grellen Gelb der Sendlinger-Tor-U-Bahn-Station, aus der belebten Helle des frühen Sommerabends kommend, müssen sich die Augen erst an das gedämpfte Licht, an die hochhäusliche Atmosphäre der St.-Matthäus-Kirche gewöhnen. Nicht Kirch-, sondern Konzertgänger*innen sind es, die die Reihen zunehmend füllen; gekommen, Emma Ruth Rundle zu hören. Die US-amerikanische Musikerin wird heute ihr 2021 erschienenes Album „Engine of Hell“ in voller Länge präsentieren. Es ist schwer, nicht eine gewisse, wechselseitig dämpfende Dissonanz wahrzunehmen zwischen der gewöhnlichen Szenerie freudiger Erwartung vor einem Konzert, den Gesprächen, dem Lachen, dem Anstoßen, und der Kulisse des Hauses, dem Altar hinter dem offenen Flügel, auf dem Rundle später spielen wird, dem…
-
The Sound of Muzak – Porcupine Tree auf dem Tollwood (Bericht)
Die Hitze brütet über dem Olympiapark am Abend des 22. Juni 2023, die überdimensionale Dusch-Installation am Park-Eingang des Tollwood-Festivals wird fleißig benutzt. Trotz der Hitze und optisch leicht quer zu den normalen Festivalbesuchern liegend tummeln sich zwischen den Buden viele Herren und Damen in schwarzen bedruckten T-Shirts, vergnügen und verpflegen sich, ehe sie sich durch die Schleuse der Musik-Arena schieben und sich unter dem schwarzen Zeltdach versammeln, wo die Hitze noch ein bisschen drückender ist als draußen. Sie nehmen das auf sich. Denn für heute hat sich eine der bedeutendsten modernen Progressive Rock-Bands angekündigt: Porcupine Tree. Die britische Gruppe um Musik-Guru Steven Wilson war vor 14 Jahren zuletzt in München…
-
<3core – Dillon im Technikum (Konzertbericht)
Am 13. Juni 2023 spielt Dillon im Technikum das Nachholkonzert ihrer für den November 2022 geplanten Tour. Auf dieser Tour stellt sie „6abotage“ ihr letztes – im Lockdown entstandene – Album vor. Die lange Zeit der Vorfreude und des Wartens ist im Publikum zu spüren. Den Beginn macht um 20:15 Uhr Nalan und bringt die Menge schon einmal in Stimmung. Eine Gruppe aus Sängerin und Produzentin Nalan Karacagil, begleitet von Live-Schlagzeug und E-Bass. Mit ihrem Sound aus Drum’n’Bass-Fundament und emotionalen Vocals leitet Nalan passend auf den Hauptact hin. Dillon beginnt ihren Auftritt wenig später alles andere als gewöhnlich. Nach kurzer Begrüßung stellt sie sich auf ein in der Nähe des…
-
Emma Ruth Rundle – am 18. Juli in der Matthäuskirche
In einer genrefizierten Musikwelt, in der allzuoft detaillgenaue Stilübungen sich an Stelle überholt wirkender Originalitätsansprüche als Qualitätsmaßstab etablieren können, braucht es Künstler*innen, die von ihrem Werk nicht zu trennen sind. Ein solches Original ist mit Sicherheit Emma Ruth Rundle. Ihr Werdegang als Musikerin und Bildkünstlerin, als mit seelischem und körperlichem Leid konfrontierte Person drückt sich in ihren eindringlichen Texten ebenso wie in den musikalischen Entwicklungen und Brüchen aus, die ihr Werk durchziehen. Dem verhallten, von einer Stimmung existentieller Angst durchzogenen Dark-Folk-Debüt »Some Heavy Ocean« folgte das deutlich schwerer inszenierte »Marked For Death«, das schwankt zwischen manifester Verzweiflung und der Euphorie »in Thinking of Final Exits«, wie sie sich nur in…
-
Ben Howard – am 17. Juli in der Tonhalle
Gastbeitrag von Julia Heuel Ben Howard hat ein neues Album und ist wieder live unterwegs. In Deutschland sind drei Konzerte angekündigt: in Berlin, Hamburg und am 17. Juli in München in der TonHalle. Die im April veröffentlichte erste Single „Couldn’t Make It Up” lässt bereits hören, dass Howard auf seinem neuen Album „Is It“ (VÖ 16. Juni) erneut eine künstlerische Weiterentwicklung vorlegt – aber das ist man inzwischen gewohnt von dem Singer-Songwriter, der dafür bekannt ist, sich auf keinem Album zu wiederholen. Die Arbeit im Studio „Le Manoir de Léon“ in Südfrankreich, in dem schon das Album „Noonday Dream“ entstand, beschreibt der Künstler als „eine erfrischende Art, aufzunehmen, unbelastet von…