Ist es nicht eigentlich egal, irgendwie? – The Vacuum Cleaner in den Kammerspielen

Isolation, Rückzug, Monotonie – in seinem neuen Stück nimmt Toshiki Okada die japanische Gesellschaft genauer unter die Lupe. Eine Gesellschaft, in der immer mehr Erwachsene ihr Leben lang bei ihren Eltern wohnen und es nicht schaffen, auf eigenen Füßen zu stehen. Vielmehr setzen sie die gesellschaftlichen Verhältnisse so sehr unter Druck, dass sie Angst haben, das Zuhause und somit ihre Sicherheit zu verlassen. Doch wo bleibt zuhause bei den Eltern die Privatsphäre? Diese ist wohl nur ab und zu durch das laute Geräusch des Staubsaugers gegeben. The Vacuum Cleaner wurde am 12. Dezember 2019 in den Münchner Kammerspielen uraufgeführt.

© Julian Baumann

Okada erschafft Figuren, die für sich sind. Nicht alleine, aber trotzdem irgendwie doch. Das Stück lebt von den Erzählungen einer einzelnen Figur, von Monologen. Dialoge sind kaum vorhanden. Denn man erwartet auch keine Antworten. Die meisten dieser Monologe enden mit dem Satz „Das ist ja eigentlich auch egal, irgendwie.“. Die Figuren relativieren damit jedes Mal ihren vorangegangenen Monolog und stempeln ihn selbst als überflüssig ab. Okada weiß sich darauf zu verstehen, Personen darzustellen, welche so tief in ihrer Isolation verfangen sind, dass sie kein Ziel, keine Richtung mehr im Leben haben. Es ist ihnen alles egal und selbst, wenn es dies nicht ist, versuchen sie zu erreichen, dass es ihnen egal wird.

Das Bühnenbild überzeugt sofort. Ein Gebilde aus drei Räumen, zwei nebeneinander und ein dritter obendrüber, als Obergeschoss. Jeder Raum sieht zunächst gleich aus und erinnert durch weiße Wände mit dunkelbraunen Holzbalken, welche ein quadratisches Muster bilden und als Schiebetüren verwendet werden können, sofort an Japan. Die Räume werden im Laufe des Stückes in unterschiedlichen Farben angeleuchtet, so dass Unterschiede zwischen den Räumen sichtbar werden und die Bedeutung eines jeden Raumes klarer wird. Denn sie stellen den Ort des Rückzugs dar. Das Gefängnis, in das sich die Figuren selbst einschließen.

© Julian Baumann

Im Hintergrund läuft durchgehend eine monotone, eintönige Musik. Zeitweise klingt es wie eine tickende Uhr. Es fühlt sich an, als würde man die Zeit extrem stark wahrnehmen können und als wäre jede Sekunde bemerkbar. Die Vorstellung jeden Tag, den ganzen Tag zuhause zu sein und niemals nach draußen zu gehen, muss sich genauso anfühlen. Die Zeit geht nicht um und jede Sekunde, die vergeht, ist spürbar. Es mag auch so ruhig sein, dass das einzige, was man irgendwann noch hört, der Sekundenzeiger ist.

The Vacuum Cleaner weiß das, was es will, gut auszusagen. Für den Zuschauer wird es jedoch an mancher Stelle etwas schwierig, dabei zu bleiben und nicht selbst in eine passive Haltung zu verfallen. Die banalen Themen, über die in den einzelnen Monologen gesprochen wird, machen es einem schwer, jedes Wort zu verfolgen und aufmerksam zu bleiben. Es gibt keine wirkliche Handlung, nichts, dass einen erwartet und eventuell überraschen könnte. Dies ist zugleich das Faszinierende als auch das Fatale an Okadas Stück. Er lässt uns als Zuschauer eintauchen in die Welt seiner Figuren, wir erleben selbst, wie es sich anfühlen muss, so ein Leben zu führen. Gleichzeitig ist dies auch der Punkt, der es schwer macht, dem Stück dauerhaft zu folgen bzw. es wirklich aktiv und wach wahrzunehmen.

Kritik: Rebecca Raitz