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Varieté als Personality-Show – „Hot Spot“ im GOP. München (Bericht)

Das GOP. Varieté-Theater München feiert Debüt für sein neustes Programm „Hot Spot“: Ein fulminantes, kurzweiliges Programm mit spürbarer Leidenschaft für das, was Varieté heute bedeutet. Der Abend im Herzen der Maximilianstraße zeigt eindrucksvoll, wie zeitgenössisches Varieté Kultur und Unterhaltung verbindet. Seit seiner Eröffnung im Jahr 2008 begeistert das GOP das Münchner Publikum mit modernen Showproduktionen, in denen Artistik, Clownerie, Comedy und Theater fließend ineinandergreifen. Alle drei Monate wechselt das internationale Ensemble und sorgt so für konstante künstlerische Frische.

Unter der Regie von Karl-Heinz Helmschrot erwacht das Konzept zum Leben. Ziel ist es, die Bühne nicht einfach mit einzelnen Darbietungen zu füllen, sondern ein Gesamtkunstwerk aus einzelnen Künstler*innen-Persönlichkeiten in dessen Zentrum zu kreieren. Diese Verschmelzung von Individualität, Kunst und Show macht aus jeder GOP-Produktion ein Unikat, das sich klar von klassischen Zirkus- oder Theaterformen abhebt. Vervollständigt wird das Programm durch kulinarische Angebote mit 3-Gänge-Menü und Weinbegleitung, ein Konzept, das „Entertainment für alle Sinne“ verspricht und damit das Erlebnis abrundet.

© Heike Krämer

Der Abend lebt von der Präsenz des neuen Moderators Andreas Wessels, ein Tausendsassa des Entertainments. Er und Helmschrot kennen sich seit 30 Jahren, der Regisseur lobt ihn als einen, der „nie aufhört, an sich zu arbeiten“. Wessels sorgte bereits am Broadway für Furore und ist nun zum dritten Mal Teil eines GOP-Programms, in diesem Jahr zum ersten Mal als Solo-Moderator. Er versteht es wie kein Zweiter, humorvolle Anmoderationen mit Jonglage-Elementen zu verbinden, dank humorvoller Sprache und visuellem Ausdruck, der auch Zuschauer*innen ohne Varieté-Erfahrung erreicht. Seine Bühnenpräsenz wirkt wie ein roter Faden, der die verschiedenen künstlerischen Welten zusammenhält. Seine Moderation führt durch den Abend – teils mit augenzwinkerndem, leicht altmodischem Humor – und versteht es, kleinere Missgeschicke charmant zu integrieren.

Das internationale Ensemble bietet ein breites Spektrum an Darbietungen, die von purer Körperkunst bis zu poetischer Akrobatik reichen: Aus einer italienischen Zirkusfamilie der fünften Generation begeistert das Duo Medini mit einer Rollerblade-Show zu Maneskins „Honey, are you coming“ auf einer Platte mit gerade einmal zwei Metern Durchmesser. Präzise, waghalsig und faszinierend! Immer wieder verweben sich Acts und Anmoderation durch die Moustache Brothers aus Rio de Janeiro. Sie präsentieren humorvolle Akrobatik als brüderlichen Zweikampf, persiflieren vorangegangene Programme und begeistern das Publikum durch ihre unwiderstehliche Energie.

© Heike Krämer

Den größten Applaus des Abends erntet jedoch Anastasiia Shokolova mit der seltenen Disziplin des Hair Hangings: Auf der Bühne gleicht sie beinahe einem Gemälde, sie trotzt der Schwerkraft schlangengleich, fast surreal. Ihr Auftritt ist inspiriert von ukrainischer Mythologie: Die Mavka sind Naturgeister, die Wesen in die Wälder lockt, um ihrer Einsamkeit zu entgehen. Genau diese sagenhafte Stimmung transportiert sie in ihrer Show, und fesselt damit den gesamten Saal.

Lediglich das Motto geht in der Show ein wenig unter, „Hot Spot“ lässt Raum für Interpretation, dennoch findet es sich an einem Abend voller cleverer Verbindungselemente nicht wirklich wieder. Zum Abschluss versammeln sich aber alle Künstler auf der Bühne: Ein Moment des gemeinsamen Ausdrucks, der zeigt, dass Varieté von Vielfalt und Verbindung lebt.

Bericht: Josefina Gerstner

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