Rockavaria 2018 – Tag 2 mit u.a. Limp Bizkit (Festivalbericht)

Keine Frage, dem zweiten Tag des Rockavaria 2018 am Königsplatz München wiederfuhr bereits am Vortag der Super-GAU: der Headliner sagt ab. Die Toten Hosen, letzter geplanter Act des Abends, musste aufgrund des Hörsturzes von Sänger Campino bereits den zweiten Auftritt auf der Berliner Waldbühne absagen, nun leider auch den Auftritt am historischen Platz in der Münchner Innenstadt – des Weiteren übrigens auch bereits für das Nova Rock Festival. Was also tun? Der Veranstalter bietet fairerweise an, das gesamte (!) Ticketgeld zu erstatten bzw. bei Erscheinen auf dem Festival immerhin doch noch 30€ zurückzuzahlen; äußerst fair, wie wir finden!
Als Konsequenz ist das Gelände natürlich wesentlich leerer, dafür auch alles um Längen entspannter.

Die erste Band auf unserer Liste ist Rose Tattoo, die kultige Rock-Band aus Australien. Der Sound auf der Green Stage ist immerhin bereits ein wenig kräftiger geworden, trotz der fünfzehnminütigen Verspätung ist es angenehm gefüllt. Dennoch: Sänger Gary Anderson hat seinen Zenit maßlos überschritten, die Töne schießen arg daran vorbei, was sie eigentlich sein sollten. Nostalgie-Act? Ja. Aber leider nicht mehr. Dog Eat Dog auf der Hauptbühne ziehen dafür ihre übliche Party-Show ab, bieten ein gutes Best-Of und schwerpunktmäßig wie immer ihr Erfolgsalbum „All Boro Kings“ aus 1994, das sie ein wenig zu sehr hochleben lassen. Solider Spaß, gute Stimmung und das schönste zum Schluss: der Hit „No Fronts“. Am 5. August kehrt die Saxophon-Crossover-Gruppe, gemeinsam mit den Münchnern apRon, auf der Bühne des free&easy Festival München!

Natürlich kann so ein Festival nicht ganz ohne Lokal-Matadoren bestehen. Bei der diesjährigen Ausgabe hat man sich hierbei kurzerhand für die größten des Metal-Bereichs entschieden: Emil Bulls. Seit rund 23 Jahren treiben die Oberbayern bereits ihr Unwesen auf den Bühnen und sind, muss man auch einmal sagen, kein seltener Gast auf den heimischen Konzertörtchen. Dennoch – die ersten beiden Wellenbrecher sind gut gefüllt, als der Opener „Kill Your Demons“ vom gleichnamigen, neuen Album aus den Boxen tönt. Wer unseren Bericht von ihrem Dezember-Konzert im Backstage oder ihren Support bei Papa Roach kennt, der weiß eigentlich schon alles, denn große Überraschungen gibt es auch dieses Mal nicht – ein solider Auftritt, eine gelungene Setlist, ein motiviertes Publikum und eine gut aufgelegte Band. Nein, die Ansagen sind keine Überraschung. Nein, es gibt keine Songs, die man nicht die letzten Jahre schon andauernd gehört hat (Ausnahmen sind die des neuen Albums). Trotzdem eine amüsante Zeit und mitreißende 65 Minuten. Einziger Kritikpunkt: der doch zu matschige und laute Sound.

Setlist: Kill Your Demons / Between The Devil And The Deep Blue Sea / Not Tonight Josephine / Here Comes The Fire / The Most Evil Spell / Euphoria / Hearteater / Nothing In This World / The Jaws Of Oblivion / When God Was Sleeping / The Age Of Revolution / The Ninth Wave / Worlds Apart

Royal Republic haben derweil auf der Nebenbühne mit ganzen 90 Minuten die volle Headliner-Show und schaffen es, einen absolut grandiosen Sound auf der Nebenbühne hinzubekommen. Das ist auch kein Wunder, denn kennt man die Auftritte der Herren, weiß man, dass sie ihren Ruf der Perfektion zu verlieren haben! Die Schweden trumpfen immer auf mit glasklarem Sound, einer umwerfenden Performance und fantastischer Musik, und all das ist gegeben. Sogar ein bisschen mehr, denn als sie „Fear Of The Dark“ von Maiden covern, was wenige Stunden zuvor noch das Original direkt nebenan sangen, tobt die Stimmung erst Recht. Der beste Auftritt des gesamten zweiten Tages und wahrscheinlich sogar der beste des Rockavarias – denn niemand, wirklich niemand kommt an die fantastischen Rocker aus Malmö ran!

Das gilt auch für die Donots, die spontan auf den Posten des Co-Headliners rutschen und damit auf die Hauptbühne verlegt werden. Die Punkrocker, die vor einigen Jahren auf die deutsche Sprache in ihren Liedern gewechselt sind, entern übermotiviert mit „Ich mach nicht mehr mit“ die Bühne. Ihre Mission: die Hosen bestmöglich vertreten. Eingefleischte Hosen-Fans, die auch mit den Donots etwas anfangen können, haben bei der 70-minütigen Show garantiert ihren Spaß, zudem sie kurzerhand ein Cover von „Opel-Gang“ auf die Setlist schieben. Neutral gesehen ist das Acting von Frontmann Ingo dermaßen nervtötend, dass man die solide Musik auch nicht lange aushält. Dementsprechend verziehen sich viele Besucher zu den Essensständen und/oder Toiletten, die am heutigen Tage sowohl ruhiger als auch vor allem zahlreicher auf dem Gelände vorhanden sind. Wir selbst finden in der Zeit übrigens das Pressezelt – und das nach der vorletzten Band des Festival. Halleluja.

Den goldenen Abschluss machen dementsprechend Limp Bizkit. Die spontan auf den Headliner-Posten gestülpten NuMetaller werden vom motivierten Publikum der Art „Machen-Wir-Das-Beste-Draus“ ebenso lautstark empfangen und geben mit „Hot Dog“ und dem Ministry-Cover „Thieves“ ordentlich Vollgas. Das Publikum am Königsplatz eskaliert in bisher ungeahnter Form, hüpft, springt, verausgabt sich im Moshpit und hat sichtlich Lust, den Abend und das Festival großartig ausklingen zu lassen. Bizkit selbst liefern ihre Standard-Festival-Setlist, bieten diese aber sehr passioniert und motiviert dar, wenngleich Frontmann Fred Durst mit seiner üblichen, sehr gemächlichen Art des Öfteren die Geschwindigkeit ausbremst und nicht immer wieder hochbringt. Gitarrist Wes Borland und der zurückgekehrte DJ Lethal wiederum sind so gut drauf wie lange nicht mehr und erwähnen kurzerhand, dass sie am liebsten noch viel länger spielen würden. Nach gut 85 Minuten ist allerdings mit „Take A Look Around“ Schluss und damit auch mit der 2018er-Ausgabe des Rockavaria.

Setlist: Hot Dog / Thieves (Ministry Cover) / Rollin‘ / Faith (George Michael Cover) / My Generation / Livin‘ It Up / Eat You Alive / Smells Like Teen Spirit (Nirvana Cover) / My Way / Re-Arranged / Killing In The Name Of (RATM Cover) / Nookie / Break Stuff / Take A Look Around

Fazit: Insgesamt waren es zwei schöne, vor allem musikalisch mit einigen Hochkarätern besetzte Tage, die einem tollen Wochenende entsprachen, trotz der bedauerlichen Hosen-Absage. Wir hoffen sehr auf eine Fortsetzung auf dem sehr schönen und als Location äußerst gut passenden Königsplatz, um dann, nach Verbesserung der u.a. Toiletten-Situation, nächstes Jahr eine noch bessere Zeit zu genießen. Vielen Dank!

Bericht & Bilder: Ludwig Stadler