Listen To The Man – George Ezra in der TonHalle (Konzertbericht)

Wenige Wochen nach der Ankündigung des Konzerts in der TonHalle München war es auch schon plötzlich ausverkauft. Kein Wunder, denn kaum einer legt derzeit so einen Siegeszug durch die weltweite Musiklandschaft wie George Ezra. Der britische Songwriter hat vor einigen Jahren mit “Budapest” und “Blame It On Me” beachtliche Überraschungshits hervorgebracht und konnte seinen Siegeszug mit seinem neuesten Streich “Shotgun” fortsetzen, das derzeit in den Radios auf und ab rotiert. Am 24. Oktober 2018 ist es also kaum verwunderlich, dass – trotz Wind, Regen und Kälte – bereits eine Schlange treu am Einlass wartet.

Aufwärmen kann man sich dann immerhin, wenn man drinnen angekommen ist. Dort wird es, dem Menschenaufkommen sei Dank, nämlich äußerst schnell äußerst heiß. Fast schon amüsant, dass die Vorband des Abends, Ten Tonnes, im Rollkragenpulli auf die Bühne schreitet. Um 20:15 Uhr legt er mit “Born To Lose” überraschend rockig und vor allem 15 Minuten früher als angekündigt los. Den Wartenden ist das egal, so kommt der Hauptact des Abends ein wenig früher. Dabei ist das, was der (ebenfalls britische) Songwriter mit seiner Band vorträgt, allererste Klasse und absolut überragend. Irgendwo zwischen Oasis, The Kooks und Ezra selbst liegt der Stil, eben nur mit ordentlicher E-Gitarren-Wand, dementsprechend kräftig und laut – den ohrwurmlastigen Songs schadet das nicht, sie werden gefühlt von Nummer zu Nummer nur stärker. Als der charismatische und blutjunge Musiker samt Band nach 30 Minuten mit “Lucy” die Bühne verlässt, kann man zurecht sagen, dass der Headliner des Abends nun ordentlich anziehen muss, um diesen großartigen Auftakt überhaupt toppen zu können.

Setlist: Born To Lose / Counting Down / Cracks Between / Better Than Me / Look What You’ve Started / G.I.V.E. / Lay It On Me / Lucy

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Nach der obligatorischen Umbaupause einer halben Stunde erlischt um 21:15 Uhr abermals der Saal und satte sieben Menschen entern die Bretter der TonHalle, einschließlich der Hauptperson des Abends: George Ezra. Der legt auch sofort ohne Unterlass mit „Don’t Matter Now“ los und lässt seine so unfassbar groovende und eingängige Musik auf das Münchner Publikum los. Insgesamt gibt es einen bunten Querschnitt aus den vergangenen beiden Alben und glücklicherweise keine erzwungenen Cover-Versionen, die kein Mensch braucht. Fast das gesamte neue Album „Staying At Tamara’s“ schafft es in die Setlist – kein Wunder, bedenkt man den riesigen Erfolg, den sein Zweitling einfährt, ein noch größerer als das Debüt.

Der Titel, erzählt Ezra, kommt daher, dass er einen Monat in Barcelona verbracht hat und dort bei einer Tamara übernachtet hat, die immer arbeiten musste und somit letztendlich nicht vor Ort war. Also hat er dort gewartet, ist spazieren gegangen und hat die Leute beobachtet. Allgemein erzählt er viele Anekdoten. Bei einem Lyric-Video habe er einfach seine eigenen Lieder Karaoke gesungen und sich immer mehr betrunken. Bei einem Besuch in Schweden musste er den Eurovision Song Contest ansehen, hat sich deshalb eine Flasche Rum von einem Mann im Stadtpark gekauft und ist, aufgrund seines Katers, nicht wie geplant in seiner Städte-Tour weitergefahren, sondern hat einen Tag pausiert. Die verpasste Stadt hierbei war übrigens „Budapest“, wie auch das gleichnamige Hit-Lied, das als letzter Song vor der Zugabe nicht fehlen darf. Alle diese Geschichten – sie sind zwar schön und nett, aber auch wahnsinnig routiniert erzählt. Eine feste Struktur, eine genaue Erzählung, kein Ausbruch aus dem Muster.

Keine Frage, Ezra und seine passionierten Mitmusiker strahlen Spaß und Spielfreude aus, steigern sich selbst in ihre eigenen Lieder hinein, spielen abwechslungsreiche Versionen zu den Studio-Fassungen der Songs und können mit überraschend düster-wuchtigen Momenten wie bei „Did You Hear The Rain?“ auch regelrecht begeistern. Doch dann will der sympathische Brite zu seinen Balladen anstimmen und – wird regelrecht vom Publikum niedergeredet. Wieso man genau eine Konzertkarte kauft, zudem bei so einem gefragten Act in kleinster Location, um dann nur ununterbrochen mit seiner Begleitung zu sprechen, bleibt nicht nur fragwürdig, sondern auch einfach unbeschreiblich frech. Ihren Mund halten konnte das Publikums nur etwas bei den großen Hits – denn da waren alle beschäftigt, ihr Handy zu halten und da sollten ja bloß keine Störgeräusche in die mitgefilmten Videos. So bleibt nach 80 Minuten mehr als solider Show ein fader Beigeschmack, dass die Lieder sich nicht so recht entfalten können, weil der Raum zur Entfaltung, den die Besucher selbst gestalten, nicht gegeben ist. Letztendlich haben sie sich selbst ein Bein gestellt. Schade.

Setlist: Don’t Matter Now / Get Away / Barcelona / Pretty Shining People / Listen To The Man / Saviour / Did You Hear The Rain? / Paradise / Song 6 / Hold My Girl / Sugarcoat / All My Love / Blame It On Me / Budapest Zugaben: Cassy O‘ / Shotgun

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Bericht: Ludwig Stadler
Fotos: Thomas Steinbrunner