Now Will Always Be – Wiegedood im Feierwerk (Bericht)

WIEGEDOOD
© Odyssey Booking

Lange mussten sich die Fans gedulden: Ursprünglich sollte das belgische Black Metal-Trio Wiegedood schon im Februar in München spielen. Corona kam dazwischen, doch nun sind sie da: Und wie um die dazwischen liegenden Monate wettzumachen, gestaltet sich das Wetter am Abend des 9. Juni denkbar unsommerlich. Eine passende Einstimmung auf die kalte, unwirtliche Klangszenerie, die Wiegedood so gekonnt heraufbeschwören. Dank kräftiger Zuschauer*innenballung steigen die Temperaturen im Hansa 39 (Feierwerk) bald deutlich über die vor der Tür; und mit ihnen die Vorfreude auf die Band, die kürzlich ihr jüngstes, äußerst gelungenes Album There’s Always Blood at the End of the Road vorlegte. Für den Februar waren als Support Portrayal of Guilt eingeplant, diese Konstellation hat die Terminverschiebung jedoch nicht überlebt. Die versammelten Münchener Schwarzbejackten zeigen sich vom interessanten, aber in seiner Abstraktheit etwas zu langwierigen Ambient-Vorprogramm wenig beeindruckt.
Um 21 Uhr starten Wiegedood ihr Set mit dem Song »FN SCAR 16«, der am besten noch mit dem Prädikat ›wahnsinnig‹ beschrieben wird. Die Ruhe vor dem Sturm bricht zusammen in einen urplötzlich losstürmenden Strudel. Ein manisch hin und her rasendes, geiferndes Riff jagt über die Köpfe der Anwesenden hinweg. Man ist angegriffen, beinahe taub, wie nach einem Hieb in die Magengrube. Man sammelt sich, manche schütteln die Mähne. Doch diese Musik lädt nicht ein zu heroischer Rhythmusgymnastik. Sie fährt in den Kopf, in die Glieder als Unrast und Dissonanz, wenn sie etwas löst, dann löst sie es durch Krampf. Nur zwei alte Songs haben es auf die Setlist geschafft; »Ontzieling« und »De doden hebben het goed II«. Schade ist es um »Svanesang« oder »Kwaad Bloed«, doch merklich hat die Band die Setlist so arrangiert, dass die Stücke in Kombination ein kohärentes Stimmungsbild ergeben. Mit dem passend bezeichneten »Carousel« geht das Konzert zu Ende; hier stellt Sänger/Gitarrist Levy Seynaeve, der auch bei Oathbreaker und ehemals bei Amenra tätig war, (noch einmal) ein beeindruckendes Wechseln zwischen seinem bekannten Schrei- und einem gutturalen Kehlgesang zu Schau. Wie für die Belgier typisch gibt es kein Zugeben, nur ein schließliches Heimgehen durch strömenden Nachtregen.

Setlist: FN SCAR 16 / And in Old Salamano’s Room, the Dog Whimpered Softly / Until It Is Not / Ontzieling / De doden hebben het goed II / Noblesse oblige richesse oblige / Now Will Always Be / Nuages / Carousel