Konzerte,  Pop & Crossover

Face the Music – Louis Tomlinson in Olympiahalle (Bericht)

Als sich am Freitagabend die Pforten der Olympiahalle München öffnen, ist schnell klar: Die Fangemeinde von Louis Tomlinson erscheint vorbereitet. Schon während der Supportshow von Pale Waves verwandelt sich die Halle in ein Lichtermeer aus Handytaschenlampen und Regenbogenflaggen. Die Ränge sind bereits gut gefüllt, einige Fans erscheinen sogar im Zitronenkostüm, eine augenzwinkernde Anspielung auf den Song „Lemonade„.

Mit rund zehn Minuten Verspätung geht schließlich das Licht aus und die Halle explodiert. Schon beim Intro schnellen hunderte Handys in die Höhe, um den Moment festzuhalten. Gleich zu Beginn startet eine der geplanten Fanaktionen: Für „Lemonade“ leuchten plötzlich überall gelbe Handybildschirme. Als schließlich gelbes Konfetti von der Decke fällt, gibt es in der Olympiahalle kaum noch ein Halten. Die Produktion ist groß: Ein Bühnenbild aus zahlreichen Leinwänden liefert Live-Übertragungen und visuelle Effekte, während ein langer Steg die Bühne ins Publikum hinein erweitert. Der Backing Track ist dabei stellenweise deutlich hörbar, dennoch trägt vor allem die Liveband den Sound. Spätestens beim dritten Song wird klar, dass Tomlinsons aktuelles Material zur „How Did We Get Here“-Tour live deutlich rockiger klingt als zunächst erwartet.

Ein besonderes Element und zugleich roter Faden des Abends ist das organisierte Fanprogramm: Über eine App koordinieren die Fans ihre Handys als farbige Lichter. Im Laufe der Show entsteht so ein abgestimmtes Farbkonzept im Publikum, das schließlich das Wort „HOME“ in der Halle buchstabiert. Ein Moment, der die enge Verbindung zwischen Künstler und Fancommunity sichtbar macht. Tomlinson bedankt sich früh ausführlich bei seinen Fans, die Ansprache soll für die nächste Zeit die einzige bleiben. Zwischen den Liedern gibt es immer wieder kurze Pausen ohne große Effekte oder Übergänge. Das Publikum scheint das kaum zu stören: Sobald der britische Musiker wieder ans Mikro tritt, brandet erneut lautes Kreischen auf.

Die visuelle Inszenierung wechselt ständig zwischen Farben und Motiven, während die Band sich auf der Bühne bewegt. Zeitweise wirkt es jedoch, als gehe Tomlinsons eigene Stimme etwas im Gesamtmix unter. Auch körperlich bleibt der Sänger oft eher an seinem Platz stehen, während die Fans ihn lautstark tragen. Ein emotionaler Höhepunkt folgt mit „Defenceless“. Für die Ballade wird das Bühnenbild drastisch reduziert: Nur Tomlinson und sein Gitarrist bleiben auf der Bühne, die restliche Band verschwindet. Die gesamte Halle singt den Song mit – einer dieser Momente, in denen das Publikum das Konzert fast selbst übernimmt.

Danach zieht die komplette Band auf den Steg, doch Louis nutzt die Gesangspausen nur selten für längere Interaktion. Persönliche Ansagen bleiben insgesamt eher rar. In der Mitte des Sets verschwimmen die Songs ein wenig miteinander: Farbwechsel auf den Leinwänden, kurze Pausen, dann wieder kreischende Fans, Tomlinson am Mikrofon – und weiter geht es. Besonders in den hinteren Reihen entsteht währenddessen eine ganz eigene Dynamik: kleine Moshpits, Polonaisen durch die Reihen und sogar improvisierte Konfettiregen sorgen dafür, dass sich das Publikum selbst beschäftigt. Auch bei Interaktionen mit seiner Band bleibt er eher zurückhaltend, der Fokus liegt klar auf den Songs und auf den Fans.

Nach fast zwei Stunden nähert sich der Abend seinem Ende. Vor der Zugabe halten zahlreiche Fans ihre selbstgemalten Schilder hoch und buchstabieren „Away From Home“, ein weiteres Zeichen dafür, wie stark die Community rund um Tomlinson organisiert ist. Als der Sänger schließlich für die letzten Songs zurückkehrt, verwandelt sich die Olympiahalle München noch einmal in einen einzigen Chor. Tausende Stimmen singen jede Zeile mit, während die Band ein letztes Mal die rockige Energie des Abends bündelt.

Es ist kein spektakuläres Finale voller großer Gesten – vielmehr ein Abschluss, der von der besonderen Beziehung zwischen Künstler und Publikum lebt. Und genau diese Verbindung trägt den Abend: zwei Stunden lang, laut, emotional und vor allem gemeinsam.

© Louis Tomlinson

Setlist: Lemonade / On Fire / Written all over your Face / Out of my System / Bigger Than Me / Saturdays / Dark To Light / Broken Bones / Defenseless (Acoustic) / Just Hold On / Lazy / Sunflowers / Lucid  / Jump the Gun / Imposter / Lucky Again / Sanity / Kill my Mind / Face The Music / Silver Tongues / The Observer / The Answer / Miss You / Palaces 

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