Let It Happen – Tame Impala in der Olympiahalle (Bericht)
Die Olympiahalle ist Wandel gewohnt – mal Bühne für große Pop-Inszenierungen, mal für intime Live-Musik-Momente. Doch an diesem Abend fühlt sie sich weniger wie eine Konzerthalle an, sondern eher wie ein überdimensionaler Techno-Club. Was es dafür braucht? Eine dichte Menge, gute Vibes, hypnotische Lichter und Bässe, die man nicht nur hört, sondern spürt. Genau das liefert Tame Impala am 16. April 2026 in München und verwandelt die Olympiahalle in einen pulsierenden Raum, in dem Stillstehen keine Option ist.
Support kommt an diesem Abend aus Großbritannien. Das Londoner Duo RIP Magic bewegt sich bewusst abseits des Mainstreams und mischt Einflüsse elektronischer 90er-Sounds mit europäischem Cold Wave zu einem eigenwilligen, düsteren Klangbild. Hinter dem Projekt stehen DJ und Sounddesigner Marco Pini sowie Visual Artist Felix Bayley-Higgings, die ihre Auftritte als Gesamterlebnis verstehen. Denn bei RIP Magic geht es nicht nur ums Hören: Unkonventionelle Tracks verschmelzen mit aufwendig gestalteten Animationen zu einer audiovisuellen Performance, die auch in München zeigt, wie konsequent sie ihren eigenen Weg gehen.
Auch Tame Impala ist weniger klassische Band als vielmehr ein fortlaufendes Projekt. Seit 2007 entwickelt Kevin Parker – der kreative Kopf hinter dem Namen – seinen Sound stetig weiter, ursprünglich verwurzelt im Psychedelic Rock. Doch in München wird schnell klar: Von diesen Anfängen hat er sich längst entfernt. Zwar finden sich mit Songs wie „Expectations“ vom Debütalbum Innerspeaker noch vereinzelte Rückgriffe auf die frühen Tage im Set, doch den Ton des Abends bestimmen andere Klangwelten. Parker und sein Team haben ihre Live-Performance zu einem sinnlichen Gesamterlebnis geformt – getragen von einem modernen, tanzbaren Vibe, der die Halle mühelos in Bewegung versetzt.
Besonders die aufwendige Lichttechnik drängt sich an diesem Abend in den Vordergrund – im wahrsten Sinne des Wortes. Grelle, psychedelische, fast laserartige Strahlen verdichten sich zu flimmernden Farbflächen, die sich ständig neu formen und in regenbogenartigen Mustern auflösen. Der visuelle Höhepunkt: ein gewaltiger, rotierender Lichtring über der Bühne, der sich neigt, dreht und immer wieder spiralförmig öffnet – als würde er die Musik selbst sichtbar machen. In Kombination mit den präzise produzierten, elektronisch geprägten Sounds von Tame Impala entsteht so eine immersive Gesamtästhetik, die die Olympiahalle zeitweise eher wie einen pulsierenden Club wirken lässt als eine klassische Konzertlocation.
Im Gepäck hat Parker eine breite Auswahl aus den letzten drei Alben Currents, The Slow Rush und dem titelgebenden Werk zur aktuellen Tour Deadbeat. Für neuere Fans fehlen eingängige Tracks wie „Dracula“ oder „My Old Ways“ ebenso wenig wie Fan-Favoriten à la „Eventually“, „Borderline“ oder natürlich „The Less I Know The Better“. Dabei fällt vor allem auf, wie unbeeindruckt Parker von der Größe der Halle und der wuchtigen Konzertdynamik bleibt. Mit fast demonstrativer Gelassenheit bewegt er sich durch den Abend, zündet sich eine Zigarette an und lässt sich dabei filmen, wie er mid-show mal eben kurz auf die Toilette geht. Gleichzeitig öffnet er auch intime Momente: In einer Art „Wohnzimmer-Session“ verlagert sich das Geschehen auf eine kleine Rundbühne inmitten der Halle. Zwischen verstreuten Instrumenten sitzt Parker selbst am Boden, bastelt live an Beats, legt Effekte darüber, verwirft, variiert – bis sich alles richtig anfühlt. Erst dann lehnt er sich zurück, sinkt in ein Kissen und beginnt zu vokalisieren.
Und genau darin liegt letztlich die besondere Faszination von Tame Impala: präzise produzierte Sounds, vielschichtige Arrangements und ein musikalisches Feingefühl, das Kevin Parker wie selbstverständlich abrufen kann. Zusammen mit der bis ins Detail durchdachten Lichtshow entsteht ein Konzerterlebnis, das die Grenzen zwischen Live-Konzert und Clubnacht verschwimmen lässt. Das Münchner Publikum dankt es ihm mit ungebremster Energie – tanzend, mitsingend und vollkommen eingetaucht in diesen Abend.



