Eine Stadt im Musikrausch – Die Lange Nacht der Musik 2026 in München (Bericht)
Es ist eines dieser Events, das wirklich schwer in seiner Größe zu erfassen ist: Die Lange Nacht der Musik in München. Bereits zum 25. Mal findet diese nun statt und vereint über 400 teilnehmende Locations in einer Nacht. Von 20 Uhr bis 2 Uhr haben die Münchner*innen mit dem Kauf eines Tickets von rund 20€ die Möglichkeit, sowohl in Restaurants, Bars, Clubs und Kirchen als auch Theatern, Staatshäusern, Einrichtungen und Museen einzutreten und Musik aller Genres zu lauschen. Selbst Tanzschulen oder gar komplette Opernaufführungen nehmen teil. Wir waren am 9. Mai 2026 dabei und haben uns das Event etwas genauer angeschaut.
Allein das Angebot ist schier überwältigend, besonders im Hinblick der zur Verfügung stehenden Zeit. Möchte man sich auf die Musik, die man gerne hört, fokussieren? Soll es einfach in die Lieblingsbar gehen, die heute mit Live-Musik noch einmal schöner werden könnte? Möchte man einmal die Locations besuchen, die man sonst kaum sehen kann? Oder auch etwas ganz Neues entdecken, was man bereits seit Jahren auf der Must-Visit-Liste hat? Es ist empfehlenswert, sich im Voraus ein paar Stopps herauszusuchen, sodass man sich nicht völlig orientierungslos in das Überangebot wirft. Denn München ist am Ende doch eine Millionenstadt – und Die Lange Nacht der Musik betont das noch einmal recht gut.

Shuttle-Busse, die einen aktiv von einer zur nächsten Station bringen, fahren den ganzen Abend und sind mit Ticket frei nutzbar, sodass zeitige Wechsel der Standorte kein Problem sind und viele Variationen erlauben. Gelungener Startpunkt kann so das „Umadum“ sein. Das Riesenrad am Ostbahnhof ist bereits einige Jahre ein Teil von München, aber wurde von vielen Bürger*innen noch nie betreten – eine wunderbare Möglichkeit, das zu ändern. Das Konzept hier: In jeder Gondel sitzen 1-2 Musiker*innen, die für eine Fahrt von 15 Minuten rund acht Personen musikalisch unterhalten, während man eine wunderbare Aussicht auf München genießen kann, je nach Timing sogar mit einem bilderbuchhaften Sonnenuntergang. Rund um diese Hauptattraktion befinden sich auch teilnehmende Bars, Restaurants oder auch die Boulderhalle Heavens Gate. Mit dem Weg weiter ins Zentrum werden die Optionen aber noch einmal deutlich mehr.
Attraktiv für viele Münchner*innen sind sicherlich die Angebote in den großen Theatern wie dem Gärtnerplatztheater, Deutschen Theater oder auch der Bayerischen Staatsoper. Weil man diese Orte nicht alltäglich besucht oder immer nur von außen gesehen hat, sind so Besuche mit kleinen Showcases, Nachtführungen oder sogar einer ganzen Kinovorführung, wie im Fall des Deutschen Theaters, willkommene Anlässe zur Besichtigung. Aber auch eher touristischere Orte wie das WOW Museum sind für das interessierte Publikum einfach zugänglich, ebenso Bars in exklusiven Hotels wie dem Bayerischen Hof oder das Hotel Vier Jahreszeiten, in denen die Barriere eines Besuchs sonst womöglich zu hoch ist. Gerade für diese Örtlichkeiten lohnt sich die Lange Nacht der Musik wunderbar.
Wer lieber eine lockere Atmosphäre bevorzugt, kann aber auch die Angebote von Bars wie der SENATORE Bar oder der Alten Utting wahrnehmen und so bei einem Bier Punkbands im Schiffskorpus lauschen. Auch zahlreiche Kirchen partizipieren und bieten Orgelkonzerte, die wunderbar zur Entschleunigung in prunkvoller Atmosphäre einladen. Am Ende weiß man gar nicht genau, wo man anfangen oder enden könnte in all diesem Angebot – und vielleicht ist das genau der Kern: München hat so viel mehr zu bieten, als man manchmal gerne in der eigenen Blase sieht. Schön, dass die Lange Nacht der Musik genau diese Vielfältigkeit betont und hervorhebt.
Bericht: Ludwig Stadler


