Konzerte,  Metal & Rock

Unshatter – Linkin Park in der Allianz Arena (Bericht)

Als Chester Bennington im Juli 2017 gestorben ist, hat die Musikwelt den Atem angehalten. Die Zukunft seiner Band Linkin Park? Ungewiss, für lange Zeit. So war es eine unerwartete, aber erfreuliche Überraschung, als im September 2024 die Band ein Lebenszeichen von sich gab und sich, komplett neu erfunden mit Emily Armstrong als neuer Stimme am Mikrofon, wieder auf die Bühne begibt. Das damit einhergehende, neue Album „From Zero“ hat sich als absolutes Erfolgsalbum herausgestellt und damit die Band nicht nur als Nostalgie-Act frisch etabliert. Das zeigt sich auch in ihren Verkaufszahlen: Alle Stadien sind ausverkauft, teilweise auch mehrfach. Besonders erfolgreich sind sie in Europa, weshalb sie 2026 für eine zweite Runde nachlegen und am 11. & 12. Juni 2026 in die Allianz Arena München kommen. Beide Abende sind ausverkauft.

Es ist der erste Konzertabend für die zwei Ausweichjahre in der Allianz Arena, vergangenes Jahr gab es allerdings bereits ein Tryout-Konzert mit Guns N’ Roses. In Großveranstaltungen sind Arena und Personal erprobt, das zeigt sich schnell im Ablauf. Die Vorbandwahl für den Abend ist allerdings etwas fraglich: Den Abend eröffnen die recht belanglosen Phantogram, bevor das kultige Rap-Duo Clipse rund 45 Minuten übernehmen darf. An sich ist die Gruppe um Malice und Pusha T groß und relevant, das steht außer Frage, auch beweisen sie ihre Live-Fähigkeiten problemlos mit ihrem Auftritt, dennoch stellt sich die Frage: Warum? Die Wahl schießt völlig am Zielpublikum vorbei, da waren die Vorjahres-Supports Architects, Spiritbox und grandson die deutlich sinnvollere Wahl.

© James Minchin

Der Stimmung tut das dennoch keinen Abbruch, als zehn Minuten vor Beginn ein Countdown zu herunterlaufen beginnt, bevor um 20:55 Uhr Linkin Park mit „Lying From You“ ihren Auftritt beginnen. Mit reichlich Licht- und Lasershow konnte die wirksame, wenngleich nicht überladene Produktion bereits vergangenes Jahr und wenige Tage zuvor bei den Festivals Rock am Ring und Rock im Park überzeugen, auch in München schmeicheln die leichten Effekte dem Bombast an Musik: 28 Songs stehen auf der Setlist, gespielt in ziemlich genau zwei Stunden. Da bleibt wenig Zeit dazwischen, meistens geht es nach vorne und die Songs reihen sich zeitig aneinander.

Besonders der erste Block aus älteren und neueren Songs ist sehr wirksam, auch etwas später folgt ein rockigerer Akt mit Liedern wie „Two Faced“, „Unshatter“ und „One Step Closer“. Kurz danach, bevor das Hitgewitter am Ende beginnt, gibt es allerdings eine dramaturgische Flaute, bei denen Linkin Park das Publikum etwas verlieren – vielleicht hat man sich hier für einen ruhigen Song zu viel entschieden. Der Performance macht das keinen Abbruch: Die Instrumentalfraktion spielt astrein, Mike Shinoda rappt euphorisch und wechselt sich fleißig durch seine Instrumente, Emily Armstrong wird ihrer neuen Rolle mehr als gerecht und singt sich stimmsicher durch alte und neue Songs. Besonders intensiv wird es gegen Ende bei Songs wie „Numb“ und „In The End“: Hier singt plötzlich das gesamte Stadion laut und voller Energie mit. Genau das zeigt, dass Linkin Park schlussendlich alles richtig gemacht haben. Bis zum nächsten Mal!

Setlist: Lying From You / Crawling / Up From The Bottom / New Divide / The Emptiness Machine / The Catalyst / Burn It Down / Stained / Where’d You Go (Fort Minor cover) / Waiting For The End / With You / Two Faced / When They Come For Me / Remember The Name / Unshatter / One Step Closer / Lost / Breaking The Habit / Good Things Go / What I’ve Done / Overflow / Over Each Other / Numb / In The End / FaintZugaben: Papercut / Heavy Is The Crown / Bleed It Out

Bericht: Ludwig Stadler

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