Kids Wanna Rock – Bryan Adams in der Olympiahalle (Bericht)
Er gehört wahrscheinlich zu den großen Rockstars der vergangenen Jahrzehnte: Bryan Adams. Der Kanadier hat nicht nur emotionale Liebeslieder und unangefochtene Hymnen wie „Summer Of 69“ geschrieben, sondern ist auch unermüdlich kreativ tätig – als Songwriter, als Live-Musiker, als Fotograf. Besonders seine schier ununterbrochene Tournee-Lust ist respektabel, so ist er fast jedes Jahr zu Gast in Deutschland und auch in München ein gern gesehener Konzertkünstler. Mit seiner aktuellen Tour „Roll With The Punches“ kommt er am 5. Oktober 2026 in die ausverkaufte Olympiahalle.
Support gibt es keinen, um 20 Uhr beginnen stattdessen Visuals zu einem musikalischen Einheizprogramm, bevor Bryan Adams wenige Minuten später auf der B-Stage am anderen Ende der Halle erscheint und ganz sanft den Abend einläutet: alleine, akustisch. Eine angenehme und ungewöhnliche Wahl, die seinen Startschuss „Kick Ass“ mit voller Band noch einmal deutlich besser untermalt. Zu viert sind sie insgesamt auf der Bühne, ansonsten ist dort nicht viel los: eine große Leinwand und verhältnismäßig wenig Scheinwerfer. Kompensiert werden die Lichter aber in der Halle bei jedem einzelnen Gast: Es gibt die von Coldplay bekannten Xylobands, die zum Einlass übergeben wurden und nun auf Signale hinweg eine LED-Lichtshow, passend zum jeweiligen Song, kreieren. Das ist ein schöner Effekt, den Adams allerdings nur sehr zurückhaltend ausspielt. Alles andere wäre auch unpassend gewesen.

Der Fokus liegt deutlich auf der Musik. Eine große Menge Songs wolle er heute spielen, sagt er bei seinen ersten Ansagen, und ob die Münchner nicht traurig über das Ende des Oktoberfests wären. „Tears for beers“ witzelt Adams, bevor die ausverkaufte Olympiahalle spontan „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ anstimmt. Ein witziges Intermezzo, das den Abend spürbar auflockert und dem sonst mit ordentlich Karacho durch die Setlist preschendem Bryan Adams kurz innehalten lässt. In seinen wenigen Ansagen packt er kleine Anekdoten zu den Songs aus, witzelt über seine Frisuren in den 1980er-Jahren und ehrt den kanadischen Athleten Terry Fox mit einem Song. All das ist extrem kurzweilig, sodass die knapp 2,5 Stunden Spielzeit wie im Flug vergehen. Nicht zuletzt liegt das an der extrem gut eingespielten Band, dem satten Sound und der Stimme von Adams, die sich auch mit seinen 66 Jahren in Bestform befindet.
Es gelingt ihm clever, die Setlist gleich zu Beginn mit einigen bekannten Nummern wie „Somebody“anzufüttern, im Mittelteil dann die zeitlose Ballade „Heaven“ anzustimmen und sich die ganz großen Hits für das Finale aufzusparen: „(Everything I Do) I Do It For You“ und natürlich eine ausgedehnte Version von „Summer Of ’69“. Das größte Highlight war aber kurz zuvor zu „You Belong To Me“, als ein Kamera-Mann versucht, ekstatische Fans einzufangen. Scherzhaft hat der Sänger gesagt, wenn man nicht tanzen wolle, könne man auch sein Shirt ausziehen und wie einen Propeller verwenden, was anschließend überraschend viele Besucher*innen jeden Alters gemacht haben. Auf einen Montagabend kann München manchmal doch gut feiern – zumindest bei einem Konzert von Bryan Adams.
Setlist: Can’t Stop This Thing We Started / Straight From The Heart / Kick Ass / Run To You / Somebody / Roll With The Punches / 18 Til I Die / Please Forgive Me / Take Me Back / Kids Wanna Rock / It’s Only Love / Shine A Light / Brand New Day / Heaven / The Ballad Of Terry Fox / So Happy It Hurts / Have You Ever Really Loved A Woman? / When You’re Gone / Here I Am / This Time / 51st State / Heat Of The Night / You Belong To Me / Twist And Shout (The Top Notes cover) / Cuts Like A Knife / The Only Thing That Looks Good On Me Is You / (Everything I Do) I Do It For You / Back To You / Summer Of ’69 / All For Love


