Konzerte,  Metal & Rock

Mourning – Spiritbox im Zenith (Bericht)

Die Welle kommt angeschwemmt: Spiritbox kommen auf ihrer „Tsunami Sea“-Tour nun auch nach Deutschland und präsentieren ihr Album nun, nach Festivalauftritten und Supportshows, auch auf einer ausgedehnten Headliner-Tour durch die Republik. Mit dabei haben sie lautstarkes Paket mit weiblicher Gesangswucht: Jinjer und Dying Wish. Es ist also ein langer, aber zugleich imposanter Abend, der das Publikum am Dienstag, 29. September 2026, im Münchner Zenith erwartet.

Bereits um 19 Uhr starten Dying Wish in der noch nicht vollständig gefüllten Halle, doch der Motivation der Band tut das wenig Abbruch: Frontfrau Emma Boster präsentiert screamend ein knappes Best-of der vergangenen Alben und kann in ihren 30 Minuten die Menge mächtig zum Mitmachen bewegen. Dass die folgenden Jinjer da zusätzlich noch einen gewaltigen Bekanntheitsbonus haben, ist zugleich klar, solo haben sie erst im Februar diesen Jahres die TonHalle bespielt, nun gibt es eine immerhin knapp einstündige Kurzversion ihres Auftritts. Nicht nur Songs der aktuellen Platte „Duél“ stehen auf dem Programm, sondern auch ein Querschnitt aus der früheren Phase, natürlich einschließlich ihres mittlerweile zehn Jahre alten Durchbruchsongs „Pisces“. Mit reichlich progressiver Verspieltheit und der unschlagbaren stimmlichen Wucht von Tatiana Shmayluk können sie das Münchner Publikum problemlos überzeugen.

Setlist: Perennial / Pit Of Consciousness / Green Serpent / Call Me A Symbol / Vortex / I Speak Astronomy / Someone’s Daughter / Judgement (& Punishment) / Pisces / Duél

© Alex Bemis

Spiritbox haben also bereits einen ordentlichen Berg, den sie erklimmen müssen, um dieses Niveau zu toppen. Was ihnen dabei aber sehr in die Karten spielt, ist ihre zurückhaltende, aber sehr wirksame Inszenierung des Albums, die sie ab 21:10 Uhr auf der Bühne des Zeniths visualisierend umsetzen. Der Fokus liegt deutlich auf dem aktuellen Album, mit acht Songs besteht über die Hälfte der Setlist daraus. Gerade die ersten fünf Lieder ergeben ein „Tsunami Sea“-Einstiegsgewitter, mit dem man sich in die düstere und metallische Welt der Amerikaner begeben kann und sich in den musikalischen Sog hereinziehen kann. Der folgende Ausflug in ihre erfolgreiche „The Fear Of Fear“-EP schließt nahtlos an den mächtigen Einstieg an.

Im Mittelpunkt steht, natürlich, Sängerin Courtney LaPlante, die von Cleangesang bis tiefstem Growl treffsicher das Mikro beherrscht. Die Faszination verliert sie auch bis zum Schluss nicht, wenngleich die Setlist gerade zum Ende hin an Substanz verliert und nach einem soliden Drum-Solo sich für drei ruhige, recht unbekannte Werke aus ihrem Repertoire entscheidet. Da fehlt, das kann man nicht anders sagen, ein wuchtiger Song in den letzten 15 Minuten. Wieso man hier nicht das starke „No Loss, No Love“ aus dem aktuellen Album einstreut, welches schon zur Veröffentlichung viel Lob bekommen hat, bleibt fraglich. Dennoch können Spiritbox beweisen, dass sie auch auf der großen Bühne nicht ihre Wirkung verlieren und noch lange nicht am Ende sind, was nicht zuletzt ihre neue Single „Mourning“ zeigt, die als finaler Song den Abend schließt.

Setlist: Fata Morgana / Black Rainbow / Perfect Soul / Keep Sweet / Soft Spine / Cellar Door / Jaded / The Void / Tsunami Sea / Circle With Me / Holly Roller / Sew Me Up / Crystal Roses / Ride The Wave / Mourning

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