Konzerte,  Metal & Rock

Infinity of Horrors – Shadow of Intent im Backstage (Bericht)

Dass Shadow of Intent schon lange kein Geheimtipp mehr sind, beweisen sie mal wieder am Freitagabend, 25. September 2026, im fast ausverkauften Backstage Werk. Als laute Abwechslung zum Wiesentrubel in München starten die US-Amerikaner ihre Europatournee und bringen mit Soreption, Disembodied Tyrant und Aborted ein starkes Line-Up mit. Bei bestem Septemberwetter ziehen Anhänger von erbarmungslosem Deathcore los, um sich das Spektakel anzusehen. Insbesondere die aufstrebenden Disembodied Tyrant werden gespannt erwartet, die an diesem Abend ihr Deutschlanddebüt feiern dürfen.

Für ein wenig Verwirrung sorgt der frühe Beginn der schwedischen Tech-Death-Band Soreption, die ihr Set bereits um 18:35 Uhr starten, obwohl offizieller Konzertbeginn für 19 Uhr angekündigt ist. Aufgrund der Anzahl der Bands ist dieser frühe Start jedoch fast notwendig, um den Abend nicht zu sehr in die Länge zu ziehen. Trotz Anlaufschwierigkeiten beim Ton, der das Mikrofon von Frontmann Fredrik Söderberg nicht eingeschaltet hatte, heizen sie die sich schnell füllende Konzerthalle ordentlich ein. Dass Soreption nun seit mehr als 20 Jahren die Bühnen der Welt bespielen, zeigen sie mit absoluter Souveränität. Technisch anspruchsvolle Gitarrenriffs wie auch wilde Tempowechsel meistern sie ohne Schwierigkeiten und zeigen, dass sie die Freude, vor Publikum zu performen, in all den Jahren nicht verloren haben.

Setlist: King Of Undisputed Nonsense / Breaking The Great Narcissist / The Forever Born / The Narcissist Unravels / Breeding Exile / Deterioration Of Minds / Engineering The Void

Nach einem kurzen Umbau betreten die Jungs von Disembodied Tyrant sichtlich nervös die Bühne. Mit „The Poetic Edda“, dem Titelsong der gleichnamigen EP, die die Band aus dem Schatten geholt hat, schmettern sie in den Abend. Von Nervosität ist ab diesem Zeitpunkt keine Spur mehr und auch das Publikum feiert mit ihnen von der ersten Sekunde an. Musikalisch sind sie ein wilder Mix aus extrem hartem Deathcore mit unglaublicher Schnelligkeit, anspruchsvollen Gitarrensoli und langen, unbarmherzigen Breakdowns, die nicht zu enden scheinen, in Kombination mit symphonischen Elementen. Damit treten sie wohl auch in den Kreis der neuen Deathcore-Generation ein, die vermehrt auf symphonische Elemente und gesangliche Meisterleistungen setzt, wie auch Sänger Blake Mullens eindrucksvoll beweist, ebenso wie Gitarrist Dominic Petrocelli an den Back-Vocals. Dem Publikum ist anzumerken, dass sie sich mit dem Line-Up des Abends voll und ganz identifizieren können und so wird insbesondere der „Winter“, eine Adaption von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, gefeiert. Allgemein muss dieses starke Deutschlanddebüt gelobt werden und es bleibt zu hoffen, dass Disembodied Tyrant bald erneut die bayrische Hauptstadt zum Beben bringen.

Setlist: The Poetic Edda / Winter / Icarian / Abberant Waltz / Malphasian / 8.6 Blackout

Gegen 20:10 Uhr stürmen Aborted mit gewaltiger Energie die Bühne. Frontmann Sven de Caluwé rennt wie ein Berserker von einem Ende der Bühne zur anderen, blickt grimmig ins Publikum, beleidigt die Münchner*innen für ihre fehlende Energie und beweist einmal mehr, warum sich Aborted mittlerweile zu einer echten Größe im Death-Grind entwickelt haben. So gönnen sie dem Publikum wirklich keine Ruhe und feuern zum ersten Crowdsurfen des Abends an, fordern Wall of Deaths und halten das Werk in permanenter Bewegung. Musikalisch brutal und erbarmungslos preschen sie ohne große Unterbrechungen voran. Gegen Ende ihres Auftritts erzählt de Caluwé von seiner ADHS-Erkrankung, und dass er sich nicht mehr an die vorherigen Wall of Deaths erinnern kann, weswegen er erneut zur „ersten“ des Abends aufruft. Ebenfalls liefert er sich ein kurzes Gespräch mit einem Publikumsgast, der aus der Menge brüllte, de Caluwé hätte bei einem vergangenen Konzert einem Songwunsch des Gasts zugesagt, woraufhin dieser erneut betont, sich nicht einmal an die letzten Minuten erinnern zu können. Ein durchaus humoristischer Auftritt der Belgier, die an diesem Abend ihr kürzlich erschienenes Album „Vault Of Horrors“ präsentieren und damit dem Horror-Motto des Abends alle Ehre machen.

Setlist: Deadbringer / Retrogore / Brotherhood of Sleep / The Origin Of Disease / Infinite Terror / The Shape Of Hate / Death Cult / Insect Politics / Threading On A Vermillion Deception / The Saw And The Carnage Done

Um 21:15 ist es endlich soweit: Shadow of Intent feuern mit „Infinity of Horrors“ mit enormer Geschwindigkeit in ein gewaltiges Set. Und man merkt, dass sie ihre Bühnenpräsenz, verglichen mit ihrem ersten München-Konzert im Januar 2023, deutlich verbessert haben. Neu ist auch das Outfit von Frontmann Ben Duerr, der an diesem Abend mit einem blau geschminkten Gesicht nochmal grimmiger wirkt. Schnell geht es auch mit „Flying the Black Flag“ weiter, der darüber hinaus auch durch harte Breakdowns glänzt, die das Publikum dankbar zu Moshpits anregen. Mit ihrer Tour präsentieren Shadow of Intent ihr neues Album „Imperium Delirium“, bei dem sie sich musikalisch gefestigt zeigen. Die als Halo-Metal bekannt gewordene Band hat mit „Melancholy“ einen Abstecher in die Abgründe der menschlichen Psyche gemacht, bei dem sie  aber ihre Fans gefesselt haben. Seit „Elegy“ thematisiert die Band Krieg und Gewalt und hat damit eigenen Angaben zufolge ihre Stilrichtung für sich gefunden. Musikalisch bleibt „Imperium Delirium“ harter, symphonischer Deathcore mit Einschlägen von Tech-Death, weist aber auch vermehrt Einflüsse von Black-Metal auf.

Natürlich dürfen Klassiker, wie „The Heretic Prevails“ oder „Barren and Breathless Macrocosm“ nicht fehlen, die die Menge sichtlich feiern. Allgemein kann man festhalten, dass das Publikum im Vergleich zum sonst sehr wütenden Mob bei Core-Konzerten an diesem Abend fast schon gesittet ist und sich einfach freut. Trotz der hohen Geschwindigkeit sowie der technisch anspruchsvollen Musik zeigen sich Shadow of Intent an diesem Abend souverän und fetzen ohne Unterbrechung durch ihr Programm. Ben setzt immer wieder auf Kehlgesang als Abwechslung zu seinem markant tiefen Growl und Chris Wiseman zeigt an der Gitarre seine Gelassenheit und hohe Präzision. Bei der Zugabe „Malediction“ zieht es die Fans nochmal nach vorne und eine regelrechte Flut an Crowdsurfern wandert nach vorne. Ein energiereicher Abend, der trotz seiner Länge keine Zeit zum Ausruhen lässt. Ein wahrlich lauter Ausgleich zur Wiesn.

Setlist: Infinity Of Horrors / Flying The Black Flag / Intensified Genocide / They Murdered Sleep / The Migrant / Feeding The Meatgrinder / The Heretic Prevails / Barren And Breathless Macrocosm / From Ruin… We Rise / Apocalypse Canvas / The Facets Of Propaganda / Imperium Delirium / Malediction

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner