Konzerte,  Metal & Rock

Everyone’s Talking – All Time Low in der TonHalle (Bericht)

„I got your picture, I’m coming with you“ – allein diese zwei Sätze dürften eine ganze Generation geprägt haben, denn der zugrunde liegende Song, „Dear Maria, Count Me In“, ist eine Hymne der Pop-Punk-Ära der 00er-Jahre. All Time Low haben damit ihre Karriere gestartet, auf denen sie konsequent aufbauen konnten mit Hits wie „Lost In Stereo“ oder „Monsters“. Dieser Kultstatus, gepaart mit einer aktuell starken Nostalgiewelle, hat nicht zuletzt dafür gesorgt, dass ihre Tour zum aktuellen Album „Everyone’s Talking“ schnell ausverkauft war. So auch ihr Konzert am 12. Februar 2026 in der TonHalle München, bei denen sie sich Unterstützung von Mayday Parade und Taylor Acorn holen.

© Jonathan Weiner

Die TonHalle ist bereits ordentlich gefüllt, als Taylor Acorn mit Gitarrist und Drummer die Bühne entert und ohne große Worte direkt mit „Poster Child“ loslegt. Die Amerikanerin ist schon seit über zehn Jahren auf den Bühnen zu finden, nun aber erstmals in Deutschland. Unlängst als Geheimtipp bei Pop-Punk-Fans gehandelt, weiß die Sängerin mit ihrer Band genau das abzuliefern, was man erhofft: viel Energie, Passion, große Melodien und eine starke Stimme. Besonders die Eingängigkeit von „Shapeshifting“ ist extrem, wohl niemand verlässt am Ende das Konzert ohne einen Ohrwurm von genau diesem Song. Was für ein toller München-Einstand! Am 2. Mai kommt sie für eine Headliner-Show ins Strom.

Setlist: Poster Child / I Think I’m In Love / Goodbye, Good Riddance / Hangman / Crashing Out / Greener / Shapeshifting / Psycho

Für Mayday Parade braucht es wohl keine Einführung, das wissen sowohl Fans als auch Band. Die Rockband ist eins der Aushängeschilder der Emo-Bewegung der 00er-Jahre und damit ein Soundtrack, den ein Großteil des Publikums schon lange Zeit begleitet. Mit einer kompakten 45-Minuten-Setlist voller Hits werden sie dieser Hoffnung auch gerecht, wenngleich der ganz große Funke nicht so recht überspringen will. Hier fehlt es an genau dem Enthusiasmus in der Performance, den Taylor Acorn zuvor noch im Überfluss hatte. Am Ende ist es dennoch berührend, wenn rund 2000 Menschen „Oh Well, Oh Well“ und „Jamie All Over“ mitsingen.

Setlist: Under My Sweater / Jersey / I’d Hate To be You When People Find Out What This Song Is About / Piece Of Your Heart / Kids In Love / By The Way / Pretty Good To Feel Something / Oh Well, Oh Well / Black Cat / Jamie All Over

Verhältnismäßig groß ist dagegen die Produktion von All Time Low, zumindest im Vergleich zu ihren vorherigen Touren: bunte Podeste, viele Lichter und ein leuchtendes Schild an der Banner-Position: „Everyone’s Talking“. Der Name ihres aktuellen Albums ist leider zu Beginn noch Programm, so richtig auftauen mag das Publikum nicht und scheint mehr im Plaudermodus zu sein. Das ändert sich mit der Mitsing-Hymne „PMA“ und all den mitreißenden Stücken, die im Dauerbeschuss folgen. Die Amerikaner haben mittlerweile eine reiche Diskografie und das Talent wie wenig andere Bands, wirklich ergreifende und ungemein eingängige Lieder zu schreiben. Gerade diese bestechende Ohrwurmlastigkeit und ihr ausgeprägter Pop-Fokus haben All Time Low immer deutlich hervorstechen, sie aber auch zugleich als Liebhaberprojekt enden lassen. Spätestens mit „Monsters“ und der nostalgischen Wiedergeburt ihres Klassikers „Dear Maria, Count Me In“ hat sich das spürbar verändert. Auch in der Zugstärke: Die TonHalle ist fast doppelt so groß wie ihre vergangene Headliner-Show 2023 in der Muffathalle, wie wir berichteten.

Ist dieses Upgrade gerechtfertigt? Ja! Trotz einer durchkonzipierten Setlist werfen sie reichlich humorvolle, spontane Ansagen ein, witzeln über die Vergangenheit der TonHalle als Kartoffellager und philosophieren über die schlecht beleuchteten Seitenränge („dark corner“) im Publikum. Natürlich ist ihr München-Konzert nur eines von vielen im Rahmen einer ausgedehnten Europa-Tour, dennoch vermitteln sie durchgehend das Gefühl, lediglich bei einer Wiederholung des Vortagsprogramms dabei zu sein. Dazu gesellen sich Tightness, Spielfreude und der überraschend gute Sound. Auch die Stimme von Frontmann Alex Gaskarth ist bestens in Form und führt durch das rund 95-minütige Programm. Am Ende ist der unvermeidbare Abschlusssong nur noch die Krönung eines gelungenen Konzertabends. Auch nach rund 23 Jahren Bandhistorie sind All Time Low an der Spitze des Pop-Punks einzuordnen.

Setlist: Suckerpunch / Weightless / Poppin‘ Champagne / PMA / Damned If I Do Ya (Damned If I Don’t) / Time-Bomb / Backseat Serenade / Sleeping In / Little Bit / Someting’s Gotta Give / Falling For Strangers / Missing You / Remembering Sunday / Everyone’s Talking / Dirty Laundry / New Religion / Sleepwalking / Hate This Song / MonstersZugaben: The Weather / Lost In Stereo / Dear Maria, Count Me In

Bericht: Ludwig Stadler

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