Sind fünf Tenöre nicht mindestens einer zu viel? – „Herzensbrecher“ im Gärtnerplatztheater (Kritik)

Dieser Konzertabend am Gärtnerplatztheater bietet nicht einen, nicht zwei, nein, sondern gleich fünf Tenöre auf einer Bühne an. Wie das gehen soll? Ja, das fragen sich nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Sänger Gyula Rab, Maximilian Mayer, Lucian Krasznec, Juan Carlos Falcón und Alexandros Tsilogiannis. Was diese fünf Herren jedoch auf der Bühne vollbringen, ist nicht nur ungewöhnlich, sondern auch beeindruckend und herzergreifend. Herzensbrecher“ feierte am 9. Juli 2020 Premiere am Gärtnerplatztheater.

Das Programm des Abends ist abwechslungsreich und unkonventionell. Über Musical-Hits wie Maria“aus West Side Story zu Opern-Klassikern wie Nessun dorma“ aus Turandot bis hin zu Schlagern wie Capri-Fischer ist alles dabei. Es wird sich jeder Zuschauer in mindestens einem Genre des Abends wiederfinden und kann, falls andere Genres noch nicht so bekannt sein sollten, auch sicher etwas Neues für sich entdecken.

© Sebastian Gabriel

Die fünf Tenöre singen in wechselnden Besetzungen zusammen. Der Abend bietet Duette, Trios und natürlich auch für jeden der Sänger eine solistische Nummer. Besonders beeindruckend sind jedoch die Stücke, die Rab, Mayer, Krasznec, Falcón und Tsilogiannis alle gemeinsam singen. Die Stimmen dieser fünf Herren harmonieren wunderbar miteinander und es entsteht eine Klangfülle im Theatersaal, nach welcher man sich diese letzten Monate mehr als gesehnt hat.

Die Sänger führen mit Charme und Humor durch den Abend und nehmen sich auch selbst das eine oder andere Mal nicht zu ernst. Dadurch entsteht ein unglaublich lockeres Spiel mit dem Publikum, welches am Ende sogar mit den Tenören gemeinsam singen darf. Doch auch Ernsthaftigkeit und die ganz großen Gefühle kommen nicht zu kurz. Einige der besonders gefühlvollen Arien werden durch Zitate berühmter Dichter und Denker eingeleitet, wodurch Stimmungswechsel passend markiert werden. Das Orchester des Gärtnerplatztheaters unter der Leitung von Andreas Kowalewitz trägt mit seiner fantastischen Musik ebenfalls dazu bei, den Zuschauer Lied für Lied in neue Welten zu entführen.

Alles in allem ist dieser Konzertabend ein wahrlich beeindruckendes und fast schon einzigartiges Erlebnis. Wann sieht man schon fünf Tenöre gemeinsam auf der Bühne gemeinsam performen? Doch wem das tatsächlich noch nicht unkonventionell genug ist, der kann sich auf die letzte Nummer des Abends freuen, in der die fünf Tenöre vom Gärtnerplatz gemeinsam ein Queen-Medley zum Besten geben, das man so sicher noch nicht gehört hat. Spätestens nach dieser Nummer möchte man nun wirklich nicht mehr, dass dieser Abend noch einmal endet. Und so machen die fünf Herren ihrem Namen letztendlich doch noch alle Ehre, wenn der Vorhang sich schließt und das Herz des Zuschauers ein wenig bricht.

Kritik: Rebecca Raitz