Oper & Operette,  Theater

Eine musikalische Ode an München – „Münchner Leben“ im Prinzregententheater

Von Richard Strauss bis Freddie Mercury: München ist eine Stadt mit bedeutenden musikalischen Wurzeln, von der Klassik bis in die Neuzeit. Tatsächlicher Schauplatz des Geschehens dagegen ist die bayerische Landeshauptstadt selten bis nie. Zumindest im Bereich der Operette wollte die Kammeroper München das nun ändern und präsentiert mit „Münchner Leben“ endlich das Stück, dass das bayerische Lebensgefühl bestmöglich einfängt. Dafür geht es zurück ins Jahr 1866 und damit zu einer wilden Mischung aus Tradition und Klischee. Das Musiktheater-Werk mit Musik von Jacques Offenbach und Markus Stoll (Harry G) als Special Guest feierte am 28. März 2026 Premiere im Prinzregententheater.

© Tobias Melle

Die Handlung, wie schon der Werktitel verrät, orientiert sich an „Pariser Leben“ von Jacques Offenbach, aus dem auch ein Großteil der Musik entnommen wurde. Dennoch schleichen sich einige weitere Stücke des Komponisten ein, sodass „Münchner Leben“ schlussendlich ein Pasticcio aus Offenbachs musikalischem Schaffen ist. Dementsprechend frei adaptiert ist auch das Geschehen: Das preußische Ehepaar Gröbner kommt nach Gewinn des Kriegs nach München, um sich von den hinterwäldlerischen Bajuwaren zu überzeugen und aus der Stadt einen riesigen Zoo zu machen. Das bekommt der junge Student Nepomuk mit und schmiedet spontan einen ausgefuchsten Plan: Mit Komplizen wollen sie das Ehepaar ordentlich täuschen und ausnehmen. Da gibt sich auch die eine oder andere Person als jemand anderes aus…

Die Idee ist mit dem Aufbau eines Zoos zwar etwas arg schräg, aber absurd genug, um das Verkleidungsspiel im achtköpfigen Ensemble sich entfalten zu lassen. Während das Orchester der Kammeroper unter der Leitung von Aris Alexander Blettenberg am rechten Rand der Bühne durchgehend sichtbar spielt, besteht die tatsächliche Bühne aus den übrigen Dreivierteln und wird von einer großen Leinwand eingenommen. Bereits zu Beginn erstrahlen auf dieser immer wieder witzige Projektionen, im farblichen Bildstil der damaligen Zeit, wenngleich der Inhalt auch einmal ein Zitat der Deutschen Bahn sein kann. Die Treffsicherheit ist zwar nicht immer gegeben, aber insgesamt untermalen die (mal mehr, mal weniger korrekten) Abbildungen der Münchner Sehenswürdigkeiten das Geschehen bestens.

© Chris Hirschhäuser

Inmitten darin spielt sich die Jagd nach dem großen Betrügen der Gröbners ab. Besonders der ausgefuchste Nepomuk (Markus Ücker) und die nicht minder trickreiche Adele Spitzeder (Nina Schumertl) ziehen hier immer wieder den Fokus auf sich, dazwischen das ungleiche und schräg-komische Berliner Paar Heinrich (Emil Greiter) und Wilhelmine Gröbner (Florentine Schumacher). Nepomuks Komplizen aus Polizei (Jakob Schad) und Griechenland (für den erkrankten Luca Festner eingesprungen: Felix Scharff und Marcelo Alexandre) und die verführerisch-zotige Zenzi (Veronika Seghers) komplettieren das Paket. Es gibt reichlich sanfte, lockere Operetten-Nummern, die das Ensemble wunderbar bewältigt und gut durch den Abend geleiten, besonders im dritten Bild direkt nach der Pause werden die Stücke beim Trio aus Wilhelmine, Ludwig II. und Richard Wagner anspruchsvoller. Musikalisch und gesanglich braucht sich weder Orchester noch Ensemble zu verstecken.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist dagegen die Inszenierung: Auf größeres Bühnenbild wird verzichtet, auch die Kostüme weichen schablonenhaften Outfits, die das Momentum des Verkleidens besser umsetzen können. Das ist zwar recht minimalistisch gehalten, allerdings angenehm unterhaltsam gelöst und findet nach etwas Eingewöhnungszeit mehr Gefallen. Hinwegtäuschen darüber, dass es sowohl im zweiten als auch dritten Bild immer wieder dramaturgische Durchhänger gibt, kann aber auch das fröhliche Wechselspiel nicht – ein paar Nummern weniger hätte die Operette etwas verschlankt und mehr Esprit gegeben. So kommt der Auftritt vom Markus Stoll als zukünftiger Wiesnwirt Korbinian Breznknödl im letzten Bild genau richtig und gibt „Münchner Leben“ noch einmal die Abwechslung und das Tempo, um das Werk gelungen abzuschließen. Besonders Stolls kabarettistisches Solo, in dem er im Jahr 1866 von einer potenziellen Entwicklung des Oktoberfests sinniert, sorgt für einige Lacher und mit einigen Pointen sogar für lautstarken Zwischenapplaus. Was für ein erfrischender Einschub!

© Tobias Melle

Am Ende ist „Münchner Leben“ ein leichtfüßiges und musikalisch ansprechendes Stück, das mit einer großen Anzahl an Münchner Anspielungen und etwas Heimatgefühl über die eine oder andere Länge hinwegtäuschen kann. Hier verlässt man das Prinzregententheater definitiv fröhlicher, als man gekommen ist.

Zu sehen ist „Münchner Leben“ noch für sechs weitere Vorstellungen am 29. März, 21./22. & 29./30. April 2026. Karten gibt es hier!

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner