Eternally Yours – Motionless in White im Zenith (Bericht)
Bei kaum einer Band lässt sich die wachsende Popularität derzeit besser beobachten als bei Motionless in White. Die amerikanische Metal-Band ist nicht erst seit gestern unterwegs, sondern steht bereits über 20 Jahre auf den Bühnen der Welt, davon rund 15 Jahre auch in Europa. Zu Beginn noch Support-Band oder in kleinen Clubs, konnten sie mit ihren Alben „Disguise“ (2019) und „Scoring The End Of The World“ (2022) endgültig ihren Durchbruch feiern. Das zeigt sich auch praktisch: Nur etwa ein Jahr nach ihrem letzten München-Gastspiel gastieren sie im Zenith mit Dayseeker und Make Them Suffer. Das Konzert am 24. Februar 2026 ist ausverkauft.
Mit dazu beigetragen hat sicher auch das starke Gesamtpaket. Make Them Suffer aus dem noch weiter entfernten Australien haben ein ähnliches Schicksal: Seit knapp zwei Jahrzehnten unermüdlich weltweit auf Tour, aber erst seit rund drei Jahren und dem Zustoßen ihrer Keyboarderin und Mit-Sängerin Alex Reade haben sie den Durchbruch geschafft. Seitdem scheinen sie aber kaum aufzuhalten, was sie in ihrem 30-minütigen Auftritt fraglos beweisen. Viel Bewegung und Wucht liegt in der Performance, dazu eine leicht begleitende Lichtshow, fertig ist ein überzeugender Opener. Lediglich der Gitarrensound klingt etwas zu blechern, aber das ist zu verzeihen.
Setlist: Ghost Of Me / Bones / Epitaph / Mana God / Oscillator / Erase Me / Doomswitch

Mit Dayseeker, die um 19:45 Uhr starten, ist die jüngste Band im Line-Up vertreten. Seit ihrem 2019er-Album „Sleeptalk“ besteht erstes Interesse, aber 2022 mit „Dark Sun“ gelingt der Durchbruch. Seitdem touren die Amerikaner ziemlich unaufhaltsam und bringen ihren Mix aus Post-Hardcore und Alternative Rock rastlos auf die Bühne. Sowohl in Geschwindigkeit als auch Härtegrad bremst es die Energie des Abends aber etwas aus. Zwar gibt es eindrucksvolle Momente, die an Bad Omens und Sleep Token erinnern, insgesamt ist der musikalische Weg aber nach wenigen Liedern auserzählt. Zurück bleibt eine etwas fade Performance, bei der am ehesten im Kopf bleibt, dass Frontmann Rory Rodriguez über den gesamten Auftritt seine Sonnenbrille nicht abnimmt und der immer gleiche Visualizer auf der Leinwand schnell nervt.
Setlist: Pale Moonlight / Shapeshift / Burial Plot / Crawl Back To My Coffin / Bloodlust / Without Me / Crying While You’re Dancing / Creature In The Black Night / Sleeptalk / Neon Grave

Schon im Vorfeld viral gegangen ist das Intro von Motionless in White: OIIA OIIA und das Spinning Cat Meme. Nach dem humorvollen Intro geht es direkt mit „Meltdown“ und „Sign Of Life“ in das Set der Band und stellt sofort klar: Die Zeichen stehen auf laute Gitarren. Kräftig, aber pointiert wummern die Songs aus den Boxen ins Zenith, dazu gesellen sich drei Video-Leinwände mit wechselnden Visuals und Kamera-Einblendungen, eine beachtliche Lichtshow und reichlich Effekte von Konfetti bis Pyro. Mittendrin: Feuer, Feuer, Feuer. Ob jemals so viele (und so hohe) Flammen im Zenith zu sehen waren, ist fraglich, aber die Feuerfontänen strömen in alle Richtungen, bewegen sich und machen allein beim Zuschauen allergrößte Freude. Da ist die sich wunderbar einfügende Musik die passende Untermalung.
Beim Blick auf die Setlist besteht kurz die Angst, man wiederhole lediglich mit wenigen Ausnahmen das Vorjahreskonzert, aber sowohl Sänger Chris Motionless als auch Teile des Publikums haben noch bestens im Kopf, wie krank und angeschlagen die Band 2025 ihren deutlich verkürzten Auftritt bestritten hat, wie wir berichteten. Das Konzert heute sei also eine „Redemption“-Show, außerdem in gerade einmal einem Jahr in einer dreimal so großen Halle – von der TonHalle ins Zenith. Für die Band sei das eine „bucketlist venue“ zum Headlinen, schwärmt der Sänger, und man merkt ihm die Freude sichtlich an, wie sehr sich die harte Arbeit der Band auszuzahlen scheint. Wiedergutmachung leisten er und seine Musiker allemal, spielerisch als auch gesanglich präsentieren sich Motionless in White in Bestform und werfen sogar das ungeplante „Soft“ zusätzlich in die Setlist. Nach rund 95 Minuten verabschieden sich die Amerikaner mit „Another Life“ und „Eternally Yours“ – und der Ankündigung, kommendes Jahr mit neuem Album wiederzukommen. Man darf gespannt bleiben.

Setlist: Meltdown / Sign Of Life / A-M-E-R-I-C-A / Thoughts & Prayers / Voices / Afraid Of The Dark / Werewolf / Hollow Points / Necessary Evil / Slaughterhouse / Rats / Disguise / Nothing Ever After / Scoring The End Of The World / City Lights / Not My Type: Dead As Fuck 2 / Soft / Cyberhex / Another Life / Eternally Yours
Bericht: Ludwig Stadler
Fotos: Josefina Gerstner


