Oblivion – Lorna Shore im Zenith (Bericht)
Kometenhafte Aufstiege im Metal-Bereich sind selten, zumeist steckt jahrzehntelange kontinuierliche Arbeit dahinter. Umso überraschender wird es bei einem Sparten-Genre. So gibt es Lorna Shore zwar schon seit rund 15 Jahren, aber erst seit ihrem Sängerwechsel 2021 mit Will Ramos haben sie eine breitere Aufmerksamkeit erfahren – und dann auch sehr schnell einen weltweiten Siegeszug hingelegt. Bereits „To The Hellfire“ war ein waschechter Hit, ihr folgendes Album „Pain Remains“ ist unter den Bestenlisten der Metal-Alben der vergangenen Jahre weit oben dabei. Mit ihrem Folgewerk „I Feel The Everblack Festering Within Me“ sind sie nun auf ausgedehnter Europa-Tour durch riesige Hallen, zumeist ausverkauft. Das Vorband-Aufgebot kann sich dabei mehr als sehen lassen: Whitechapel, Shadow Of Intent und Humanity’s Last Breath. Ihr Konzert am Samstag, 31. Januar 2026 im Zenith München ist bereits Monate im Voraus ausverkauft.
Ungewöhnlich früh beginnt der Abend, bereits um 18 Uhr starten Humanity’s Last Breath vor einer bereits beachtlich vollen Halle. Vielleicht wollten sich die Core-Fans auch einfach das schwedische Deathcore-Phänomen nicht entgehen lassen, denn oft sind sie nicht auf den Bühnen zu erleben. Wie eindrucksvoll ihr schwerfälliger, aber wuchtig-harter Musikstil ankommt, zeigt sich auch am reichhaltigen Applaus. Kein Wunder, denn der Sound ist mächtig, die Performance astrein und insgesamt präsentiert sich das Projekt rund um Core-Mastermind Buster Odeholm durchaus eindrucksvoll.
Setlist: Väldet / Abyssal Mouth / Godhood / Tide / Labyrinthian / Bellua Pt. 1 / Instill
Rund 20 Minuten später machen Shadow Of Intent rastlos weiter und ziehen die Geschwindigkeit drastisch an. Was die Schweden mit Gemächlichkeit versuchen, erzeugen die Amerikaner dagegen mit versierten Riffs, rasend schnellen Parts und beachtlicher Härte. Fast ausschließlich Lieder ihres aktuellen Albums „Imperium Delirium“ hat die Band auf dem Programm, durch die sich Frontmann Ben Duerr gewöhnt tiefbassig durchgrowlt. Am Ende holpert ihr Auftritt aber an manchen Stellen, nicht immer sind alle Bandmitglieder im Takt und auch insgesamt hat man Shadow Of Intent schon einmal besser gesehen.
Setlist: They Murdered Sleep / Flying The Black Flag / Mechanical Chaos / Vehement Draconian Vengeance / Infinity Of Horrors / Feeding The Meatgrinder / The Heretic Prevails

Einen ganz anderen Weg schlagen die im Genre legendären Whitechapel ein. Ihr neuestes Album „Hymns In Dissonance“ hat Fans und Kritik gleichermaßen überzeugt und der Band einen zweiten Frühling verschafft, dem sie lautstark in München gerecht werden. Nach ihrem Headliner-Auftritt im Juli stehen auch dieses Mal in ihren rund 45 Minuten reichlich Lieder des neuen Werks auf dem Programm, bevor sie in ein pausenloses Finalset aus älteren Songs wechseln. Mit ihrem etwas ausbaufähigen Auftritt im Jahr 2023 als Support von Thy Art Is Murder ist das nicht zu vergleichen, stattdessen begeistern die Musiker und ganz besonders Sänger Phil Bozeman von der ersten bis zur letzten Minute.
Setlist: Prisoner 666 / Hymns In Dissonance / A Visceral Retch / Bedlam / Hate Cult Ritual / The Somatic Defilement / Devirgination Studies / Prostatic Fluid Asphyxiation / This Is Exile
Ordentlich Rauschen hat man da bereits von knapp zwei Stunden härtestem Metal im Ohr, als kurz vor 21 Uhr endlich die Headliner des Abends starten: Lorna Shore. Im Vergleich zu ihrem letzten Gastspiel im Zenith haben sie ihre Produktion beachtlich hochgefahren: riesige Screens, große Animationen, reichlich Feuer, ausgefeilte Lichtshow. Man merkt, dass sich die Amerikaner ihrem Standing mittlerweile bewusst sind. Logisch auch, dass sie einige neue Songs spielen – wenngleich sich nicht erschließt, wieso sie ausschließlich die „ruhigeren“ Stücke auswählen. So hat der rund 80-minütige Auftritt doch ein paar Durchhänger, den man mit 1-2 härteren Stücken wohl vermeiden hätte können. Nichtsdestotrotz begeistert der symphonische Deathcore-Sound von Lorna Shore ebenso wie die wandelfähige und höchst beeindruckende Stimme von Will Ramos. Nach so einem langen und intensiven Abend ist das wahrlich Meckern auf hohem Niveau.
Setlist: Oblivion / Unbreakable / War Machine / Sun//Eater / Cursed To Die / In Darkness / Glenwood / Prison Of Flesh / Pain Remains I-III – Zugabe: To The Hellfire
Bericht: Ludwig Stadler


